Weniger Pastoren

Künftig nur noch ein zentraler Gottesdienst im Landgebiet?

Hans-Hermann Mauer (links) und Michael Watzlawik beim Gespräch in der Pastoratsscheune.

Hans-Hermann Mauer (links) und Michael Watzlawik beim Gespräch in der Pastoratsscheune.

Foto: Thomas Heyen

Zahl der Pfarrstellen in den Vier- und Marschlanden muss reduziert werden. Zusammenarbeit unter den Gemeinden soll gestärkt werden.

Kirchwerder. Die Pfarrstellen in den Vier- und Marschlanden werden reduziert und neu geordnet. Die Umstrukturierung hat bereits begonnen, denn die zweite Pfarrstelle in Kirchwerder wird nach dem Weggang von Pastor Gottfried Lungfiel (Fünfhausen) nicht neu besetzt.

Etwa 1600 Pastoren sind in der Nordkirche tätig. „Bis 2030 wird ihre Zahl auf 900 reduziert“, sagt Hans-Hermann Mauer (63), Vorsitzender des Kirchengemeinderates in Kirchwerder. „Die geburtenschwachen Jahrgänge gehen in den Ruhestand und nur ein Drittel kommt nach.“ Die Kirchenführung (Nordkirche) muss reagieren: „Deshalb wird nicht mehr in Kirchengemeinden, sondern in Regionen gedacht“, sagt Mauer.

43 Prozent der Vier- und Marschländer sind Mitglieder der evangelischen Kirche

Gemeinhin gilt: Ein Pastor auf 2600 Gläubige. Die Kirchengemeinde Kirchwerder hat 5000 Mitglieder, also wären statistisch betrachtet zwei Pastoren angemessen. Doch auch in den sechs Nachbargemeinden gibt es Veränderungen, etwa in Altengamme, wo Pastor Martin Waltsgott voraussichtlich in fünf Jahren in den Ruhestand geht. Mauer: „Die Zeiten, in denen man seinen ,eigenen’ Pastor hatte, sind vorbei.“ Ein Pastor allein könne nicht mehr das Gesicht einer Gemeinde darstellen.

In den gesamten Vier- und Marschlanden gibt es unter den 31.600 Bewohnern 13.800 Mitglieder der evangelischen Kirche – stattliche 43 Prozent. Damit hätte das Landgebiet Anspruch auf 5,3 Pfarrstellen. Derzeit arbeiten dort sieben Pastoren, bis August waren es mit Lungfiel sogar noch acht. Versetzt werden dürften Pastoren nicht, betont Mauer, „aber ihre Stellen werden nicht ersetzt“. Die Folge: Die Gemeinden müssen zusammenarbeiten. Dies sei sicher nicht immer einfach, schließlich Ende eine mindestens 800 Jahre alte Tradition.

Hat ein zentraler Gottesdienst mehr Sinn als sieben Gottesdienste?

Mauer könne sich ein baldiges Treffen der Kirchenvorstände vorstellen, bei dem über Möglichkeiten der Zusammenarbeit gesprochen wird. Der KGR-Vorsitzende habe mit Pröpstin Dr. Ulrike Murmann ein langes Gespräch über die Weichenstellungen geführt. Sie teile seine Ansichten, habe mit Mauer bereits Ideen und Ansätze entwickelt. „Wir müssen agieren und nicht reagieren“, sagt Mauer. Das Ziel sei, die grundlegenden Veränderungen bis zum Sommer auf den Weg zu bringen und bereits in einem Jahr „einiges umzusetzen“.

So sei etwa zu überlegen, ob ein zentraler Gottesdienst mehr Sinn macht als sieben Gottesdienste. Auch bei Seniorennachmittagen und Konfirmandenunterricht komme es darauf an, „Parallelstrukturen“ abzubauen. Dies durchzusetzen, sei eine Herausforderung, betont Mauer, „denn natürlich gibt es Widerstand“. Es komme deshalb darauf an, Gespräche zu führen, „Menschen mitzunehmen“.

St. Severini: Schonfrist mit zwei Pastoren bis Sommer 2020

In Kirchwerder gibt es zumindest noch ein halbes Jahr lang zwei Pastoren: Michael Watzlawik aus Harvestehude, Pastor im Ruhestand, ist dort als Vertretung für Lungfiel in Teilzeit bis zum 31. Juli 2020 im Einsatz. Der 66-Jährige gestaltet im wöchentlichen Wechsel mit Pastor Nils Kiesbye (48) den Gottesdienst, kümmert sich um Taufen und Beerdigungen. Lungfiel war 26 Jahre Pastor in Fünfhausen, arbeitet nun als Vertretungspastor im Kirchenkreis Hamburg-Ost.

Fünfhausen ist seit den 70er-Jahren die zweite Pfarrstelle in Kirchwerder. Das Pastorat wird entwidmet, soll künftig als Wohnhaus vermietet werden. „So kommt mehr Geld in die Gemeindekasse“, sagt Mauer, der auch an der Spitze des Finanzausschusses steht. Der 63-Jährige war im Berufsleben als Finanzmanager unter anderem für Firmensanierungen zuständig.

Mauer spricht von „Ressourcenmanagement“. Ihm sei es besonders wichtig, die Gemeinde betriebswirtschaftlich korrekt zu führen. „Wer mehr als 1000 Euro für die Gemeinde ausgeben möchte, muss einen Finanzplan vorlegen und mindestens drei Angebote einholen“, sagt er. Diese Vorgehensweise sei für einige „gewöhnungsbedürftig“ gewesen.