Wrauster Bogen

Schierlings-Wasserfenchel wächst gut am neuen Priel

Dr. Elisabeth Klocke (Stiftung Lebensraum Elbe) mit einer Schierlings-Wasserfenchel-Pflanze am Rande des neuen Priels.

Dr. Elisabeth Klocke (Stiftung Lebensraum Elbe) mit einer Schierlings-Wasserfenchel-Pflanze am Rande des neuen Priels.

Foto: Thomas Heyen

Als letzte Maßnahme wird für die vom Aussterben bedrohte Pflanze am Elbufer das Deckwerk aus Steinen auf einer Länge von 30 Metern abgesenkt.

Kirchwerder. Der vom Aussterben bedrohte Schierlings-Wasserfenchel, der ausschließlich entlang der Tideelbe und ihrer von den Gezeiten beeinflussten Nebengewässern wächst, scheint sich rund um den neuen Priel im Deichvorland am Warwischer Hauptdeich in Höhe Wrauster Bogen wohlzufühlen: Mitarbeiter der Stiftung Lebensraum Elbe zählten dort im September 122 Schierlings-Wasserfenchel-Pflanzen. 76 hatten sie selbst gepflanzt, weitere 46 sind aus Samen aufgewachsen.

„Die Zahlen stimmen uns vorsichtig optimistisch, denn sie zeigen, dass der Tideelbe-Spezialist den neuen Standort gut annimmt“, sagt Dr. Elisabeth Klocke, Geschäftsführerin und Vorstand der Stiftung Lebensraum Elbe. Allerdings fügt sie hinzu, dass erst „in einigen Jahren“ klar sei, ob der Schierlings-Wasserfenchel am Wrauster Bogen dauerhaft Fuß fasse.

Absenkung um 1,5 Meter

Derzeit wird der dritte und letzte Bauabschnitt der Maßnahme abgeschlossen: Ein Abschnitt des Deckwerks am Elbufer wird auf einer Breite von 30 Metern um 1,5 Meter abgesenkt. Die Steine wurden einst gegen Uferabbrüche am Ufer aufgebracht – auch auf der gegenüberliegenden, niedersächsischen Seite. „90 Prozent der Ufer sind hier so massiv gestaltet“, sagt Elisabeth Klocke: „Das ist zwar sicher, aber nicht immer erforderlich und für die Natur meist nicht gut.“ Sie vertrage im Bereich des neuen Priels durchaus das Wechselspiel der Tide, betont die Lohbrüggerin.

Für einige Pflanzen sei Tide sogar lebensnotwendig. Und die Böschung sei weiter gesichert. Nun könne sich auf dem abgesenkten Uferabschnitt auch Schilf bilden, sei bei Flut eine bessere Vernetzung der Elbe mit ihrem Vorland möglich.

Neuer Rückzugsraum für Fische

Der neue, im Frühjahr gebaute Priel befindet sich in direkter Nachbarschaft eines 400 Meter langen Priels, der vor 28 Jahren durch die Deichrückverlegung entstanden ist (wir berichteten). Der neue Priel erstreckt sich über eine Fläche von insgesamt 3000 Quadratmetern. Er ist 135 Meter lang, bis zu zwei Meter tief, 13 bis 30 Meter breit. Er bietet insbesondere dem Schierlings-Wasserfenchel gute Standortbedingungen, doch auch Fische finden dort bei Flut zusätzlichen Rückzugsraum.

Elisabeth Klocke und ihr Team entfernten 2014 einen Steinwall in der Mündung des alten Priels. Dort war es zwei Jahre zuvor zu einem Fischsterben gekommen. Die Tiere lagen in der heißen Sonne auf dem Trockenen, weil das Wasser durch die Steine in die Elbe floss. „Der alte Priel war ursprünglich beidseitig geöffnet, hatte zwei Mündungen in die Elbe“, sagt Elisabeth Klocke. 1995 war eine Seite geschlossen worden, die andere war durch den Steinwall halb verschlossen.

Behörden sorgten sich um Sicherheit

Der Priel sollte ein leicht tidebeeinflusster Teich werden, denn die zuständigen Behörden sorgten sich um die Deichsicherheit. „Das war damals allerdings sehr, sehr vorsorglich gedacht. Die Erfahrung zeigt, dass wir den Steinwall dort nicht brauchen“, sagt Elisabeth Klocke.