Siegerentwurf von 2012

Sieben Jahre später wird das Mahnmal doch umgesetzt

Ein Mensch in einer Schraubzwinge: Carsten Bardehle (67) hat den Siegerentwurf zum Mahnmal 2012 nachgebaut.

Ein Mensch in einer Schraubzwinge: Carsten Bardehle (67) hat den Siegerentwurf zum Mahnmal 2012 nachgebaut.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Es war einst der Siegerentwurf eines Wettbewerbs. Doch statt des Menschen in der Schraubzwinge entstand eine graue Betonstele.

Kirchwerder. „Das habe ich doch schon mal irgendwo gesehen.“ Dieser Gedanke könnte dem kunstgeneigten Beobachter von Carsten Bardehles Werk kommen. Und dieser Gedanke ist durchaus richtig und gewollt. Denn zu seinem fünf Meter hohen und gut 600 Kilo schweren Kunstwerk aus Edelstahl wurde der 67-Jährige aus Kirchwerder von einem Entwurf inspiriert, der schon vor gut sieben Jahren gezeichnet wurde.

Er stammt aus der Feder von Ella Nora Sloman. In einem Wettbewerb für das Mahnmal am Schleusengraben wurde der Entwurf der damaligen Bergedorfer Abiturientin zum Sieger gekürt. Er zeigt einen Menschen in einer Schraubzwinge als Symbol für Zwangsarbeit. Der beauftrage Künstler Jan de Weryha schuf allerdings eine graue Betonstele. Denn die Umsetzung des ursprüngliche Entwurfs wurde auf 30.000 Euro geschätzt, für das Mahnmal standen letztlich aber nur 17.000 Euro zur Verfügung.

„So kann man nicht mit jungen Menschen umgehen“

Carsten Bardehle ist noch immer empört, dass der Siegerentwurf so einfach in der Schublade verschwunden ist: „So kann man nicht mit jungen Menschen umgehen“, sagt der 67-Jährige. Seinen „Groll auf die Kunstschaffenden“ hat er nun in Aktivität umgewandelt und im vergangenen Jahr doch noch den Entwurf umgesetzt.

Seine Nachbarn am Kirchwerder Elbdeich hätten sich schon gefragt, was der Schlosser, der auf der anderen Elbseite eine Werkstatt betreibt, wieder ausheckt, berichtet Bardehle. Doch er hat Stillschweigen bewahrt. Lediglich Unterstützer wie die Dwenger GmbH, Böge Metallveredelung und S&M Sandstrahlen, wo er sein Material formen und weiterverarbeiten konnte, erfuhren von seinen Plänen. Unzählige Arbeitsstunden und Kosten hat Bardehle investiert. Alles in allem hätte er sich auch einen Mittelklassewagen kaufen können, schätzt Bardehle.

Zeichen für die Zukunft setzen

Er möchte mit seinem Werk nicht nur an 1,5 Millionen Kinder erinnern, die im Zweiten Weltkrieg getötet wurden. Er will auch ein Zeichen für die heutige Zeit setzen, in denen das „braune Gesindel“ wieder hochkommt. „Es fängt nicht an, sondern es hat nie aufgehört“, ist der 67-Jährige überzeugt. Die Vergangenheit könne man nicht mehr ändern, „aber die Zukunft formen“.

Am Wochenende präsentiert er sein Werk der Öffentlichkeit. Und danach will Carsten Bardehle es als Dauerleihgabe an einen Standort „irgendwo in Deutschland“ abgeben. Das müsse keinesfalls Hamburg sein. „Die wollten es ja nicht“, sagt er.

Kontaktaufnahme zur Urheberin bisher nicht gelungen

Einen Wunsch hat Bardehle aber doch noch: Das die Urheberin des Entwurfs, Ella Nora Sloman, sein Werk zu sehen bekommt. Bisher ist es ihm trotz mehrerer Versuche über verschiedene Kanäle nicht gelungen, sie zu erreichen.