Konzert

Schwessi: Songwriterin von Lindenberg rockt die Bühne

Sonja „Schwessi“ Schwabe mit ihrer EP „Liebe in Zeiten der Apokalypse“. Im nächsten Jahr soll ein Album folgen.

Sonja „Schwessi“ Schwabe mit ihrer EP „Liebe in Zeiten der Apokalypse“. Im nächsten Jahr soll ein Album folgen.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Schon lange gehört Schwessi als Songwriterin zu Udo Lindenbergs Panik-Familie. Nun strebt sie als Sängerin selbst ins Rampenlicht.

Allermöhe. Ein Leben im konservativen 200-Seelen-Dorf in der fränkischen Schweiz? Das war für Sonja Schwabe schon als Teenager nicht genug. Schon früh rebellierte die 43-Jährige gegen das gutbürgerliche Dasein, interessierte sich für Punk und Antifa statt Dorfdisco und Schützenfest. „Ich wollte raus“, sagt Sonja Schwabe, besser bekannt unter ihrem Spitznamen „Schwessi“, den sie einst von ihrem Bruder als Kürzel für Schwester verpasst bekam.

Gemeinsame Sicht auf die Welt

Nach einem exzessiven Leben während des Literaturstudiums in Süddeutschland, einigen Reisen und Umwegen landete sie 2007 in ihrer „absoluten Wunschstadt“: Hamburg. „Die Musikszene hier fand ich schon immer toll“, sagt sie. Dazu zählten die Goldenen Zitronen, Tocotronic, Jan Delay und eben auch Udo Lindenberg.

Per Initiativbewerbung bekam Schwessi Kontakt zu dem „Mann mit Hut“, kümmerte sich erst um sein Online-Tourtagebuch – und gehörte bald zu seinem Kreativteam. „Uns verband von Anfang an eine ähnliche Sicht auf die Welt“, sagt Schwessi.

Kopf unter dem Tisch, damit die Gedanken nicht wegfliegen

Auf St. Pauli fand sie eine neue Heimat. 2010 wurde Sohn Lino geboren. „Und mit Baby auf St. Pauli war es dann irgendwie doch nicht so geil“, sagt Schwessi. Heute lebt sie mit ihrem Sohn in Allermöhe, fühlt sich dort pudelwohl.

Der Kontakt zu Udo blieb aber stets bestehen. In seiner „Hippie Bude“, wie Udo seine Suite im Hotel Atlantic nenne, wurden gemeinsam Songs geschrieben. Der Boden war dann übersät mit Zetteln, man warf sich Wortfetzen zu, wie beim Pingpong. Oft habe Udo dabei flach auf dem Boden gelegen, erinnert sich Schwessi. Ohne Hut, aber mit dem Kopf unter dem Schreibtisch, „damit die Gedanken nicht wegfliegen“.

Der Titel „Komm wir werden jetzt Freunde“ ist so entstanden. Er greift die Flüchtlingskrise und Willkommenskultur auf. Auch an der Entstehung von „Kosmosliebe“ ist Schwessi beteiligt. „Dabei hatten wir die Vision, dass die Supermächte sich für den Weltfrieden entscheiden“, sagt sie.

Album mit hochpolitischen Texten für 2020 geplant

Einfach nur ein Lied über die Liebe schreiben? Das war noch nie Schwessis Ding. Und so sind auch die Texte der vier Songs auf ihrer EP „Liebe in Zeiten der Apokalypse“ mal witzig, mal tiefsinnig und mit einer gehörigen Portion Gesellschaftssatire versehen. Ihr Album, das im kommenden Jahr erscheinen soll, soll auch hochpolitisch werden.

Gemeinsam mit weiteren Künstlern in der Lola

Denn nun zieht es sie selbst ins Rampenlicht: In ihrem Heimatbezirk steht sie das nächste Mal am 30. November auf der Bühne, rockt dann gemeinsam mit weiteren Künstlern die Lola. In ihren deutschsprachigen Popsongs vereint sie die Flapsigkeit der Neuen Deutschen Welle, Girlpower der 90er-Jahre und Nachdenklichkeit der Hamburger Schule. Ihr Mentor Udo habe sie ermutigt, ihre eigene Musik zu professionalisieren, berichtet Schwessi. Nun habe sie die innere Reife und den Mut: „Ich mache nun das, was ich immer machen wollte und mir nie zugetraut habe“, sagt sie.