Agrarwirtschaft

Bauern rollen mit Hunderten Treckern durch Bergedorf

Bereits am 22. Oktober demonstrierten Landwirte mit ihren Traktoren gegen die Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung. Am Donnerstag wird wieder der Mohnhof ein Sammelpunkt sein.

Bereits am 22. Oktober demonstrierten Landwirte mit ihren Traktoren gegen die Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung. Am Donnerstag wird wieder der Mohnhof ein Sammelpunkt sein.

Foto: Florian Büh

Der Mohnhof ist eine Sammelstelle auf dem Weg nach Hamburg. Auf der B5 und der B207 wird der Verkehr Donnerstag lahmgelegt.

Bergedorf. Nachdem etwa 450 Trecker am 22. Oktober den Berufsverkehr in Hamburg lahmlegten, werden für eine weitere Demonstration anlässlich der Umweltministerkonferenz in der Hansestadt am Donnerstag bis zu 4000 Trecker erwartet. Sie kommen über sieben Routen aus ganz Norddeutschland. Für Landwirte aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen ist Bergedorf einer der Sammelpunkte. Autofahrer müssen morgens und nachmittags mit erheblichen Behinderungen rechnen.

Trecker sollen gegen 8.30 Uhr eintreffen

Durch Bergedorf werden die Trecker voraussichtlich von 8.30 Uhr an rollen. Die schleswig-holsteinische Polizei teilt mit, dass allein in Brunstorf etwa 100 Landwirte um 8 Uhr starten wollen. Für ihren Weg über die B 207 durch Wentorf bis zum Mohnhof benötigen die etwa 30 km/h schnellen Fahrzeuge eine gute halbe Stunde.

Am Polizeikommissariat 43 in Bergedorf geht man sogar von 300 Treckern aus Schleswig-Holstein aus, die gegen 8.30 Uhr die Hamburger Landesgrenze passieren werden. Am Mohnhof sollen sie laut Martin Lüdeke, Präsident des Hamburger Bauernverbandes, der die Kundgebung angemeldet hat, auf ihre Berufskollegen aus Niedersachsen treffen.

Aus Niedersachsen über Elbbrücke Geesthacht

„Die kommen über die Geesthachter Elbbrücke und die B 5 zum Mohnhof. Von dort aus fahren sie mit den Landwirten aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg als ein Zug weiter“, sagt der 54-Jährige. Die Polizei geht von 500 Traktoren aus Niedersachsen aus, die von 9.30 Uhr an in Bergedorf erwartet werden. Über Bergedorfer Straße, Eiffestraße und Rödingsmarkt sollen sie zur Glacischausee fahren.

Denn die Sternfahrten sollen diesmal nicht bis ins Herz der Hamburger Innenstadt führen: Die schweren Fahrzeuge werden auf der Glacischaussee, am Volkspark und auf der alten, stillgelegten Wilhelmsburger Reichsstraße abgestellt. Von dort aus kommen die Demonstranten mit der Bahn zum Gänsemarkt, wo laut Polizeiangaben für die Zeit zwischen 12 und 14 Uhr eine Kundgebung geplant ist.

Noch größere Probleme am Nachmittag erwartet

Sorgen bereitet den Beamten der Rückweg, für den sie „durchgängige Probleme“ vermuten. Denn nicht alle Fahrzeuge werden nach der Kundgebung zeitgleich starten. In Bergedorf sei deshalb von 15 Uhr an mit Staus zu rechnen. Aus den Vier- und Marschlanden beteiligen sich 20 Landwirte mit ihren Traktoren an dem Protest, berichtet der Bauernpräsident. Welche Wege sie am Donnerstag einschlagen, ist noch unklar.

Angemeldet hat die Kundgebung auf dem Gänsemarkt (14 Uhr) der Bauernverband Hamburg. Deshalb wird Martin Lüdeke, in Curslack lebender Präsident des Hamburger Bauernverbandes, die Teilnehmer der Kundgebung begrüßen.

Protest soll Umweltminister der Länder erreichen

Die Landwirte wollen mit ihrem Protest die Umweltminister der Länder erreichen, die nahe dem Gänsemarkt in einem Hotel tagen. Als Redner werden unter anderem Vertreter der Organisation Land schafft Verbindung sprechen.

Inhaltlich geht es den Bauern darum, die Landesminister von ihren Sorgen und Nöten zu überzeugen: „Die Minister beraten über Themen wie Insektenschutz, Tierwohl und Düngen. Sie müssen sich zu Vorgaben des Bundes positionieren“, sagt Lüdeke.

Bauern sehen sich in Existenz bedroht

Eine Verschärfung der Gesetze würde viele Landwirte in ihrer beruflichen Existenz bedrohen. Denn bereits 2017 wurde eine neue Düngeverordnung erlassen. „Obwohl deren Auswirkungen noch gar nicht zu sehen sind, ist bereits die nächste geplant.“ Lüdeke plädiert dafür, Ergebnisse abzuwarten, „bevor es weitere Verschärfungen gibt“. Um organischen Dünger und damit Stickstoff zu reduzieren, könne die Zahl der Tierbestände nicht immer weiter gesenkt werden.

Der Nitratgehalt im Grundwasser müsse „gezielt gemessen“ werden. „Das Netz ist nicht eng genug gezogen. Bauernhöfe dürfen nicht pauschal verantwortlich gemacht werden.“ Zudem reiche es nicht, die Messergebnisse alle fünf Jahre zu veröffentlichen, so wie es jetzt geschehe.

Lüdeke: Wir brauchen Planungssicherheit

Gegen eine tierfreundlichere Haltung hätten die Bauern nichts einzuwenden, „aber wir brauchen verbindliche Regelungen, mit denen wir mindestens eine Generation lang planen können“, sagt Lüdeke. „Die Rahmenbedingungen dürfen den Nachwuchs nicht verprellen.“

„Die Gesellschaft zeigt zum Großteil Verständnis für unsere Proteste – selbst die Menschen, die unseretwegen im Stau stecken“, sagt Lüdeke. Bei dem Protest in Hamburg soll eine Petition an die Umweltminister gerichtet werden.

Der Bauernpräsident betont, dass bereits die Demo vom 22. Oktober, als rund 450 Traktoren durch Hamburg und Tausende weitere durch andere deutsche Städte rollten, Wirkung gezeigt habe: „Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Bundeskanzlerin Angela Merkel wollen sich mit Vertretern der Bauern- und der Naturschutzverbände an einen runden Tisch setzen“, sagt der 54-Jährige.