Sabrina Yavuz

Eine Lotsin für die Bergedorfer Kitas

Sabrina Yavuz ist eine von zwei „Kita-Kulturlotsinnen“ im Bezirk Bergedorf.

Sabrina Yavuz ist eine von zwei „Kita-Kulturlotsinnen“ im Bezirk Bergedorf.

Foto: Thomas Heyen

Erzieherin unterstützt Eltern bei der Suche nach der geeigneten Betreuung für den Nachwuchs.

Billwerder. Sabrina Yavuz ist „Kita-Kulturlotsin“, eine von zweien in Bergedorf, die sich um alle Kitas im Bezirk kümmern. Die 38-Jährige vermittelt freie Plätze in Kindertagesstätten, etwa wenn Familien innerhalb Hamburgs umziehen, hat „niedrigschwellige Angebote“ für sie parat, „damit auch Eltern eine grundlegende Vorstellung von einer Kita haben, die so etwas bisher nicht kannten“. Denn oft müsse Sabrina Yavuz Eltern erklären, was eine Kindertagesstätte überhaupt ist, „denn in Ländern wie Afghanistan gibt es diese Art der Kinderbetreuung nicht“.

Derzeit hat sie besonders viel zu tun, denn in der Geflüchteten-Siedlung Gleisdreieck ist viel Bewegung: „Viele Familien ziehen aus“, sagt Sabrina Yavuz. Sie helfe dabei, eine neue Kita in der Nähe des neuen Wohnorts zu finden, „anzudocken“. Dafür arbeitet die Erzieherin eng zusammen mit den weiteren zehn „Kita-Kulturlotsen“ in Hamburg. Auch mit den anderen Häusern der Kinder- und Jugendarbeit in Bergedorf sei sie „gut vernetzt“.

Angebote sind für alle Familien

Die Angebote der „Kita-Kulturlotsen“ gelten für alle Familien, nicht nur für solche mit Migrationshintergrund, betont Sabrina Yavuz. Bei den geflüchteten Familien, die in erster Linie zu den Nutzern der Angebote zählen, käme es darauf an, die Kinder möglichst schnell in einer Kita unterzubringen, „damit die Eltern Zeit für Deutsch-Kurse haben“, sagt die 38-Jährige. Parallel lernen die Kinder die deutsche Sprache in der Kita. Denn Sprache ist der Schlüssel zur Integration.

Das Kinderhaus MiLa , Am Gleisdreieck 7 a, ist Sabrina Yavuz’ „Anker-Kita“. Dort hat die 38-Jährige eine Büro-Ecke, in der sie ihre Einsätze organisiert und Besucher empfängt – etwa bei der „Office Hour“ (donnerstags, 9 bis 12 Uhr), einer offenen Beratung, die die Besucher nichts kostet. Sie können sich zum Beispiel über das Kitagut-schein-System informieren, sich beim Ausfüllen von Anträgen helfen lassen und sich bei der Suche nach einem Platz für ihren Nachwuchs helfen lassen. Wenn nötig, telefoniert Sabrina Yavuz mit Kitas in ganz Hamburg. Dolmetscher stehen stets zur Verfügung. Wenn es Fragen zum Thema Erziehung gibt, vermittelt sie die Eltern an die zuständigen Kollegen, etwa von der Familienhilfe.

Die Erzieherin ist allerdings auch viel unterwegs, informiert auch in einer Flüchtlingseinrichtung am Curslacker neuen Deich über ihre Angebote. „Wir ,Kulturlotsen’ bekommen in diesen Einrichtungen Räume zur Verfügung gestellt, in denen wir mit den Kindern etwa spielen, backen oder Morgen- und Singkreise organisieren – wie in einer Kita.“ Auch in den drei weiteren Kindertagesstätten im Gleisdreieck ist sie häufig anzutreffen. „Ich spreche auch Schwangere und Mütter mit Babys an, berichte ihnen von unseren Angeboten.“

Schnupperangebote sind kostenlos

Ein weiteres Angebot in einem der Räume im Kinderhaus MiLa ist ein „Mini-Treff“ (mittwochs, 9 bis 11 Uhr) für Eltern mit Kindern (bis drei Jahre) ohne Kita-Platz. In der „Schnupper-Kita“ würden Eltern zwanglos darüber informiert, was Kita eigentlich bedeutet. Eltern, deren Kind noch keinen Betreuungsplatz hat, sind auch bei einer „Eltern-Kind-Bewegungsgruppe“ (freitags, 9 bis 12.30 Uhr) in der Turnhalle am Mittleren Landweg 40 willkommen. Beide Schnupperangebote sind ebenfalls kostenlos.

Mitarbeiter des Projekts Kita-Einstieg, die sich nur in Hamburg „Kita-Kulturlotsen“ nennen, gibt es seit 2007 in ganz Deutschland. Finanziert werden sie durch Mittel des Bundesfamilienministeriums. Sabrina Yavuz’ Arbeitgeber ist der Verein Rudolf-Ballin-Stiftung, der die Arbeit der Lotsen in Hamburg und Schleswig-Holstein im Auftrag des Bundes organisiert.

Sabrina Yavuz ist gelernte Heilerzieherin. Als Lotsin ist sie seit einem halben Jahr im Einsatz. Ihr Spezialauftrag ist bis Ende 2020 bewilligt. Eigentlich arbeitet sie als Erzieherin im Kinderhaus MiLa. Derzeit macht die Mutter von drei Kindern neben ihrer Arbeit (25 Stunden/Woche) ein Fernstudium zur Heilpädagogin. Sie lebt mit ihrer Familie in Billstedt. Internet: www.kita-einstieg.de.