Come In

Wo suchtkranke Kinder und Jugendliche Hilfe finden

Dominique Dahlmann (39) und Milan Perkusic (49) leiten gemeinsam die Fachklinik Come In für junge Menschen mit Suchterkrankungen.

Dominique Dahlmann (39) und Milan Perkusic (49) leiten gemeinsam die Fachklinik Come In für junge Menschen mit Suchterkrankungen.

Foto: Gabriele Kasdorff

Fachklinik in Moorfleet baut Angebot aus – Neue Leitung komplett.

Moorfleet. Das neue Leitungsteam der Fachklinik Come In für junge Menschen mit Suchterkrankungen am Moorfleeter Deich 341 ist komplett. Nachdem der pädagogische Leiter, Dominique Dahlmann (39), Anfang Mai seine Tätigkeit aufgenommen hat, ist nun mit Milan Perkusic (49) als ärztlichem Klinikleiter die neue Doppelspitze der Klinik für Entwöhnung, Rehabilitation und Re-Integration vollständig.

Dominique Dahlmann war zuvor zehn Jahre in einer Beratungsstelle für substituierte Opiatabhängige tätig: „Dort habe ich Gespräche geführt und im Grunde all das gemacht, was nicht ärztlich ist.“ Milan Perkusic, zuvor Oberarzt in der Klinik für Abhängigkeitserkrankungen an der Langenhorner Chaussee, sieht in dem neuen Aufgabenbereich eine Chance: „Zuvor war ich in der Erwachsenentherapie. Hier kann ich jungen Menschen den Weg ebnen und ihnen nicht erst nach 20 Jahren Suchterkrankung helfen. Ich möchte jungen Menschen die Möglichkeiten zeigen, die das System bietet.“

Von 20 auf 26 Plätze aufgestockt

In der sogenannten ersten Phase der Rehabilitation für Zwölf- bis 18-jährige wurde von der neuen Leitung die Zahl der Plätze von 20 auf 26 aufgestockt. Derzeit nutzen das Angebot 14 männliche und neun weibliche Patienten. Dahlmann: „Die jüngste ist 13 Jahre alt.“ Schutz und Geborgenheit, die Analyse der Hintergründe der Sucht und das Einüben neuer, konstruktiver Verhaltensmuster stehen hier im Vordergrund. In der internen Schule können Konzentrations- und Lernstörungen besonders berücksichtigt werden.

Für die zweite Phase, die Re-Integration, stehen zwölf Plätze zur Verfügung, sieben sind derzeit belegt. „Ende des Jahres werden es mehr sein. Um in diese Phase zu kommen und auf dem Klinikgelände zu wohnen, müssen die Suchterkrankten einen Platz in einer Schule oder einen Ausbildungsplatz nachweisen können“, sagt Dahlmann. Ab 17 Uhr beginnt hier das Angebot mit Gesprächsrunden und Einzelgesprächen, aber auch Hausputz und der Anbau des Salates im Gewächshaus steht auf dem Programm.

Acht Monate dauert die erste, mindestens ein Jahr die zweite Phase. Rund um die Uhr werden die jungen Patienten dabei von dem rund 30-köpfigen Team betreut. Perkusic und Dahlmann planen zudem eine Elterngruppe vor Ort. Hier sollen die Eltern der Suchtkranken mit ins Boot geholt und informiert werden.

Einen weiteren Standort plant der Klinikträger, die Therapiehilfe e.V., in Tonndorf . Dort wird eine alte Stadtvilla für fünf bis sieben Betten gerade umgebaut. Geplant ist die Eröffnung für die zweite Jahreshälfte 2020.

„Generell sind etwa 75 Prozent der chronisch suchtkranlen Jugendlichen Jungen und 25 Prozent Mädchen. Bei uns ist das Verhältnis während der ersten Phase derzeit ganz untypisch: 14 Jungen zu neun Mädchen“, berichtet Dominique Dahlmann. Konsumiert werde laut Dahlmann „alles, was schnell macht und gegen die Müdigkeit hilft – Speed, Kokain, Amphetamine. Und um wieder runterzufahren wird Cannabis konsumiert, gelegentlich auch Alkohol.“

Personal gesucht

Da Milan Perkusic als ärztlicher Leiter der Klinik erst seit einigen Wochen dabei ist, befindet er sich noch in der Einarbeitungsphase. Dahlmann und er haben ehrgeizige Pläne für die Zukunft, aber auch ein Personalproblem: „Wir brauchen neben Sozialpädagogen für unsere Schule auch einen Mathematiklehrer und eine Nachtwache.“