Forum Tideelbe

Existenzangst entlang der Dove-Elbe

Im Mai protestierten 150 Anwohner und Sportschiffer auf dem Fluss gegen eine Öffnung der Dove-Elbe.

Im Mai protestierten 150 Anwohner und Sportschiffer auf dem Fluss gegen eine Öffnung der Dove-Elbe.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Mitarbeiter vom Forum Tideelbe nehmen Sorgen von Wassersportlern auf. Sie fließen in die Machbarkeitsstudie, die im Sommer 2020 fertig sein soll.

Allermöhe. Die Sorgenfalten stehen Ruderern, Kanuten und Drachenbootsportlern schon seit Anfang des Jahres auf der Stirn. Damals haben sie das erste Mal öffentlich von der Idee des Forums Tideelbe erfahren, die Dove-Elbe wieder Ebbe und Flut auszusetzen. Und seitdem sehen sie – ebenso wie viele andere Nutzer des Flusslaufes – ihre Existenz in Gefahr. „Das würde das Aus für uns bedeuten“, sagt Karl-Joachim Meißner, Vorsitzender des Ruder-Clubs Bergedorf.

Weder ein geregelter sportlicher Betrieb wäre dann aufgrund der unterschiedlich hohen Wasserstände möglich, noch eine Nachwuchsförderung umsetzbar – da man weder feste Trainingszeiten anbieten, noch die Kinder allein aufs Wasser lassen könnte, da die Strömung viel zu schnell werden würde.

Insgesamt werden fünf Maßnahmen geprüft

Doch bisher haben die Wassersportler das Empfinden, dass ihre Sorgen nicht gehört werden. Um diese und viele weitere Ängste loszuwerden, hatten sie nun Manfred Meine ins Bootshaus am Schleusendamm eingeladen. Der Leiter der Geschäftsstelle Forum Tideelbe nahm die Einladung bereitwillig an, brachte auch Diplomingenieur Joachim Möller mit, der mit seinem Büro die Machbarkeitsstudie als Moderator betreut.

Für insgesamt fünf Maßnahmen – neben Dove-Elbe auch für die Alte Süderelbe, Borsteler Binnenelbe, Haseldorfer Marsch und Kiesteiche zwischen Billwerder Billdeich und der S-Bahnstrecke Mittlerer Landweg – werden bis nächstes Frühjahr die Studien angefertigt. Ziel ist, geeignete Maßnahmen zu finden, um das Tidevolumen der Stromelbe zu erhöhen und damit der Erosion am Hauptstrom und der Verlandung zu begegnen.

Machbarkeitsstudie soll als vernünftige Entscheidungsgrundlage dienen

Aus dem Umfeld der Dove-Elbe gab es in den vergangenen Monaten bereits lautstarken Widerstand. Und der kam durchaus bei Manfred Meine und seinem Team an: „In Sachen Resonanz ist die Dove-Elbe ganz oben im Ranking.“ Die Machbarkeitsstudie aufgrund von so viel Gegenwind und wie von mehreren politischen Akteuren gefordert daher direkt zu stoppen – davon hält er aber nichts: „Wir machen das vernünftig fertig und haben dann die Grundlage, um eine Entscheidung zu treffen. Und wenn die Dove-Elbe dann vom Tisch ist, dann ist sie auch vom Tisch“, so Meine.

Öffnung der Dove-Elbe würde „gesamte Nutzerlandschaftschaft wegfegen“

Damit klang an, dass die Sorgen und Existenzängste entlang der Dove-Elbe nicht nur gehört, sondern auch verstanden werden. „Wir verstehen schon ziemlich viel“, betonte Joachim Möller. Seit Juni habe er bereits 15 Gespräche geführt, darunter mit Werften, Ent- und Bewässerungsverband, Anwohnern oder Wassersportlern. Und würde die Dove-Elbe wieder geöffnet und damit einem Tidenhub von 1,50 Meter ausgesetzt werden, wäre für ihn eins klar: „Dieses Szenario ist nicht realisierbar, ohne die gesamte Nutzerlandschaft wegzufegen.“ Unter dem Punkt „Realisierbarkeit“ werde man das entsprechend in der Machbarkeitsstudie darstellen.

Alternative: Weitere Schleuse in Höhe der Reit

Eine Alternative könnte sein, nicht die gesamte Dove-Elbe zu öffnen, sondern etwa auf Höhe vom Naturschutzgebiet Die Reit eine weitere Schleuse zu bauen. Damit wäre die Regattastrecke aber nach wie vor der Tide ausgesetzt. Und auch wenn man die Schleuse in Tatenberg zu Zeiten von Wettkämpfen geschlossen halten könnte, „auch Training ist undenkbar bei Strömung“, kritisiert ein Ruderer.

Bis zum Frühjahr sollen weitere Daten zusammengetragen werden, anschließend ausgearbeitet und im Sommer 2020 mit einer Empfehlung der Politik übergeben werden. Die wird dann letztlich entscheiden, ob die Maßnahme umgesetzt werden soll.