Peggy Berliner

Abschied von den bunten Börsen in Curslack

Organisatorin Peggy Berliner (48) hat bei den angebotenen Spielsachen etwas besonderes gefunden – ein Spiel, welches sie vor Jahren selbst verkauft hatte. Nun ist es erneut auf der Börse zu haben. Die Lampe hing früher im Kinderzimmer ihres Sohnes.

Organisatorin Peggy Berliner (48) hat bei den angebotenen Spielsachen etwas besonderes gefunden – ein Spiel, welches sie vor Jahren selbst verkauft hatte. Nun ist es erneut auf der Börse zu haben. Die Lampe hing früher im Kinderzimmer ihres Sohnes.

Foto: Florian Büh

48-Jährige organisiert nach 16 Jahren keine Edelflohmärkte für Kinderkleidung mehr. Sonnabend war ihre letzte Börse im Curslacker Gemeindehaus.

Curslack. „Hier ist alles sortiert, das ist der Unterschied zu privaten Flohmärkten“, sagt Peggy Berliner (48) Wer am Sonnabend das Gemeindehaus am Rieckweg betrat, bekam nicht nur von freundlichen Helferinnen eine Einkaufstasche in die Hand gedrückt, schnell fanden die Besucher sich auch zurecht: Große Schilder zeigten Kleidergrößen an, jedes Bekleidungsstück war einer Kategorie zugeordnet. Doch die von Peggy Berliner seit 16 Jahren organisierten Kinderbekleidungsbörsen, die es zweimal jährlich gab, sind nun Geschichte. Die bis zu 500 Besucher pro Börse müssen sich andere Orte für den Kauf von Kinderbekleidung und Spielsachen suchen.

„Ich habe mich beruflich verändert, arbeite jetzt als Betreuerin für Menschen mit Behinderung – und damit im Schichtdienst“, sagt Peggy Berliner. Sie ringt mit ihrer Fassung: „Bis Freitag ging alles. Aber seitdem alle mich darauf ansprechen, fühle ich doch Wehmut.“

Bis zu acht Börsen im Jahr

Eine bewegte Zeit liegt hinter der in Mecklenburg geborenen Wahl-Vierländerin, die über Curslack, Neuengamme und Kirchwerder nun in Altengamme gelandet ist, und ihren Bekleidungsbörsen: „Wir waren schon in Schulen in Curslack und Kirchwerder, in der Kita Neuengamme und auch in Eilbek und in Wandsbek.“ Früher organisierte Peggy Berliner bis zu acht Börsen pro Jahr, zuletzt nur noch vier, zwei davon im Landgebiet.

„Frauen kaufen mehr, wenn sie alleine hier sind“, ist sich Bianca Scharnberg sicher. Sie hat Baby und Mann zu Hause gelassen. Mit vollen Tüten voller Kleidung und einem Spielzeug für das Kind kehrt sie wieder heim. Drei Stunden war sie mit Freundinnen früh morgens bei dem Flohmarkt: „Es ist schrecklich, dass es nicht weitergeht. Es war immer alles super organisiert und alles da.“ Bianca Scharnberg und ihre Mädels wollen nun zwangsläufig auf andere Börsen ausweichen.

Das Konzept der Kleiderbörsen ist einfach und effektiv: Jeder Artikel bekommt ein Etikett. Darauf steht außer Größe und Preis auch eine Verkäufernummer. Diese Identifikation behielten die Teilnehmer auch dann, wenn sie einmal nicht persönlich anwesend waren – in Peggy Berliners Computer waren mehr als 850 Verkäufer registriert.

Verkäufe digital erfasst

Wer als Besucher etwas Passendes gefunden hat, packt es in die Tüte und bezahlt an der Kasse. Es wird digital erfasst, was verkauft wurde: „So konnte ich sicherstellen, dass alle am Ende ihr Geld erhalten, abzüglich einer Verkaufsprovision.“ Diese Prämie war gestaffelt. Geleistete Hilfe sparte Geld. „Drei Schichten mussten mit mindestens zehn Verkäufern besetzt werden. Aufbau, Verkauf und Abbau“, sagt Peggy Berliner.

So mancher kam dafür extra aus Boizenburg. „Einmal reiste eine Verkäuferin sogar aus Düsseldorf an.“ Rabea Bruhns (43) hatte nicht so einen weiten Weg: Sie kam aus Ochsenwerder, um ihre Sachen anzubieten und „neue“ Kleidung zu kaufen: „Jeder Verkäufer und Helfer hat seine Aufgabe. Ich habe am Sonnabend die Tische ordentlich gehalten.“Auch bei Peggy Berliners Börsen in Wandsbek war sie oft als Verkäuferin und Helferin dabei: „Stadt- und Landkinder tragen unterschiedliche Kleidung. Die einen mehr schick, die anderen eher praktisch.“

Auch Männer „verirrten“ sich

Auch Männer „verirrten“ sich ins Gemeindehaus – oft mit dem von ihrer Frau geschriebenen Einkaufszettel: Zu ihnen zählte Marc-Alexander Schmidt (48) aus Alt-Nettelnburg. Er kaufte dort schon oft Kleidung für seine vier Kinder: „Hier gab es viele hochwertige Sachen.“

Peggy Berliner bemüht sich um Nachfolger für die Organisation ihrer Börsen. Zumindest für Wandsbek konnte sie schon eine Nachfolgerin finden.