Herbst-Schau

Nach warmen Sommern: Wühlmäuse durchlöchern die Elbdeiche

Teilnehmer der Deichschau überprüfen gestern einen Abschnitt des 34 Kilometer langen Bauwerks in Altengamme.

Teilnehmer der Deichschau überprüfen gestern einen Abschnitt des 34 Kilometer langen Bauwerks in Altengamme.

Foto: Thomas Heyen

Bergedorf. Das Bezirksamt geht massiv gegen die Nager vor und legt Gift. Experten sprechen trotzdem von „gutem Zustand“ der Deiche.

Bergedorf. Nach den warmen Sommern 2018 und 2019 ist die Wühlmaus-Population in ungeahnte Höhen geschnellt. Der Grund dafür ist Hamburgs Umweltbehörde zufolge das ausgezeichnete Nahrungsangebot für die Nager. „Eicheln, Buchen, Kastanien, Haselbäume und Fichten tragen reiche Mast. Damit zusammen hängt eine geradezu explosionsartige Vermehrung in diesem Fall der Wühlmäuse“, sagte Behördensprecher Björn Marzahn der Deutschen Presse-Agentur.

Schädlinge auf dem Vormarsch

Das locke auch Räuber wie Milan und Weiher oder Fressfeinde wie Störche in die städtischen Bereiche. Marzahn: „Erstmalig brütete sogar ein Paar Schwarzmilane auf Hamburger Staatsgebiet in den Vier- und Marschlanden.“

Doch der hohe Wühlmausbestand hat auch negative Folgen – für die Deiche. „Im Bezirk Mitte/Wilhelmsburg wurden in diesem Jahr fünf bis acht Prozent mehr Schäden durch Wühlmäuse als in den vergangenen Jahren gemeldet“, sagte Marzahn. In Bergedorf seien es sogar 15 Prozent mehr gewesen.

54 Prozent der Deiche sind befallen

Dort waren etwa 54 Prozent des Binnen- und Außendeiches von Wühlmäusen befallen. Die Deichlinie in Bergedorf ist 34 Kilometer lang. Die betroffenen Dämme werden der Umweltbehörde zufolge mit einer pastenartigen Substanz verfüllt, die sogenannte Kleie-Suspension.

Dies bestätigt Andreas Pohl vom Bergedorfer Bezirksamt, der bei der gestrigen Herbst-Deichschau dabei war. „Wir starten jetzt mit der Verpressung.“ Mitarbeiter des Bezirksamtes hätten zudem Gifttabletten in die Mäuselöcher gelegt.

Gifttabletten gelegt

Durch den massiven Mäusebefall und durch die Trockenheit habe die Grasnarbe gelitten, berichtet Pohl. „Mittlerweile erholt sie sich allerdings schon wieder.“ Auch weise der Deich zwischen Tatenberg und Altengamme nicht so viele Risse auf wie im vergangenen Jahr. Kommende Woche soll Rasen nachgesät werden, „sofern das Wetter mitspielt“.

Verantwortliche des Artlenburger Deichverbandes in Niedersachsen waren gestern bei der Deichschau in den Vier- und Marschlanden als Gäste dabei. Sie berichteten, dass der Mäusebefall in ihrem Zuständigkeitsgebiet, zwischen Walmsburg im Landkreis Lüneburg und Hoopte im Landkreis Harburg, noch heftiger sei als der im Bezirk Bergedorf.

Riesenschäden südlich der Elbe

Michael Schaper, Fachbereichsleiter Deichverteidigung und -Aufsicht beim Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer, war ansonsten mit dem Zustand des Deichs zufrieden: „Er ist in einem guten Zustand.“ Lediglich „Kleinkram“ wie schiefe Schilder habe er gestern auf seiner Mängelliste vermerkt.