Nachruf

Lutz-Michael Harder: Ende eines klangvollen Lebens

Lutz-Michael Harder bei seinem letzten Gedenkkonzert in dem ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme. Dort leitete er 20 Gedenkkonzerte in 23 Jahren.

Lutz-Michael Harder bei seinem letzten Gedenkkonzert in dem ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme. Dort leitete er 20 Gedenkkonzerte in 23 Jahren.

Foto: Gregor Bator

Neuengamme. Der Vollblutmusiker ist tot. Er prägte Generationen von Chorsängern.

Neuengamme. Die Kantorei der Kirchengemeinde Neuengamme bezeichnete Professor Lutz-Michael Harder als sein Lebenswerk. Gemeinsam mit seiner Frau Irene Maria baute er sie neu auf, leitete die Kantorei 42 Jahre lang und „ziemlich intensiv“, wie der Kirchenmusikdirektor kurz vor seinem Abschied als Kantor vor vier Jahren sagte.

Damals zählte die größte Kantorei im Bezirk Bergedorf etwa 130 Sänger. Harder und seine Frau arbeiteten mit Generationen von Chorsängern – und wurden dafür geliebt. Der Vollblutmusiker gab mit den Sängern große, vielbeachtete Konzerte, darunter 20 Gedenkkonzerte im ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme. Mit seiner Musik tröstete er zahlreiche Menschen.

Nun brauchen seine An­gehörigen Trost: Lutz-Michael Harder ist tot. Er starb nach schwerer Krankheit am 24. August, kurz vor seinem Geburtstag. Morgen, am 4. September, wäre er 77 Jahre alt geworden.

In Ostdeutschland aufgewachsen

Lutz-Michael Harder wurde 1942 in Langenfeld im heutigen Polen geboren. Die Familie floh 1945, Harder wuchs mit seinen vier Geschwistern in Ostdeutschland auf. 1962 lernte er in Halle an der Saale seine spätere Ehefrau kennen. Sie konnte 1963 in die Bundesrepublik übersiedeln und 1968 ihren Mann freikaufen. Im gleichen Jahr heiratete das Paar. 1973 zogen die beiden Pastorenkinder von Alfeld an der Leine nach Neuengamme.

In Halle hatte Harder sein Studium der Kirchenmusik mit der A-Prüfung abgeschlossen. In Hannover war er von 1969 bis 1973 Singleiter beim niedersächsischen Kirchenverband, studierte Gesang in Hamburg. Schon zwei Jahre später, 1975, debütierte er als Sänger in einer Mozart-Oper in Eutin. Denn die Leitung der Kantorei war ein Nebenamt: Sein Geld verdiente Harder als bekannter Opern- und Oratoriensänger. Der lyrische Tenor war von 1978 bis 1989 am Staatstheater Hannover angestellt.

Als Hans Scholl in moderner Oper

Besonders viel Aufmerksamkeit erntete er in der schwierigen Rolle des Hans Scholl in der modernen Oper „Die weiße Rose“. Sie wurde in ganz Deutschland und in Wien aufgeführt.

Von 1989 bis 2007 hatte Harder eine Professur für Gesang in Hannover. „Nach seiner Pensionierung hat er die Arbeit mit der Kantorei noch intensiver fortgesetzt“, sagt Irene Harder. Im Jahr 2003 hatten er und seine Frau dafür die Goldene Ehrennadel vom Bergedorfer Bezirksamt erhalten. Das Ehepaar Harder hat zwei erwachsene Kinder und vier Enkeltöchter. Die Kinder haben ebenfalls Musik im Blut: Tochter Juliane
Sandberger ist Sängerin und Sohn Sebastian Harder Schlag­zeuger.

Lutz-Michael Harder wird an diesem Donnerstag (5. September) auf dem Neuengammer Friedhof beigesetzt. Die Trauerfeier in der Kirche an der Feldstegel beginnt um 13.30 Uhr.