Buntes Programm

Wohnprojekt: Viel los in Rieges Gasthof

Nina Seifert (33) und ihre Tochter Alma (8 Monate) aus dem Wohnprojekt im Saal von Rieges Gasthof, der von dem Verein KulturVielfalt Stadt.Land.Fluss belebt wird.

Nina Seifert (33) und ihre Tochter Alma (8 Monate) aus dem Wohnprojekt im Saal von Rieges Gasthof, der von dem Verein KulturVielfalt Stadt.Land.Fluss belebt wird.

Foto: Thomas Heyen

Ochsenwerder. Wohnprojekt organisiert im verwalteten Saal des alten Hauses Konzerte und Feiern.

Ochsenwerder. Als das genossenschaftliche Wohnprojekt Stadt.Land.Fluss sich 2013 bei der Stadt um den Kauf von Rieges Gasthof am Ochsenwerder Kirchendeich 1 bewarb, hieß es vonseiten der künftigen Eigentümer, dass der Saal wieder für das Dorf geöffnet werde. „Hier gibt es ja sonst kaum Räume für Kultur-Events“, sagte Axel Schult (38) aus dem Wohnprojekt damals. Die neuen Bewohner hielten Wort: In dem wesentlich kleineren Teil des alten Saals, der nach dem Umbau des Gasthofes in ein Wohnhaus übrig geblieben war, gab es schon diverse Konzerte und Feiern.

Nun haben die Mitglieder des Wohnprojekts sogar ein ganzes Programm für die kommenden Monate auf die Beine gestellt.

Organisiert werden die Konzerte für jedermann von dem Verein KulturVielfalt Stadt.Land.Fluss, in dem die
30 Mitglieder des Wohnprojektes zusammengeschlossen sind. Der Verein betreibt die Gemeinschaftsflächen und entscheidet über jede Veranstaltung. Denn den Saal mit etwa 120 Quadratmetern Grundfläche und weiteren 80 Quadratmetern Nutzfläche auf der Empore können und sollen auch Menschen aus dem Dorf beleben, die nicht zum Wohnprojekt gehören.

Private Partys sind Bewohnern vorbehalten

Privatpartys sind allerdings den Stadt.Land.Fluss-Aktiven vorbehalten. Sie zahlen auch einen monatlichen Beitrag für den Unterhalt und Betrieb der Gemeinschaftsflächen. Alle anderen Saalnutzungen müssen öffentlich, also für jedermann zugänglich sein, betont Nina Seiffert (33) aus dem Wohnprojekt.

„Im Mai hat ein aus Syrien stammendes Paar, das in Ochsenwerder lebt, zu einem Fest in den Saal gebeten. Da haben viele Nachbarn mitgefeiert“, sagt Nina Seiffert. Axel Schult freut sich auf die Konzerte, die von September bis Dezember geplant sind – jeden Monat eines. „Wir sind an Kultur interessiert, wollen Kultur im Dorf fördern, Gemeinschaftserlebnisse schaffen“, sagt er.

Der 38-Jährige und seine Nachbarn zahlen nicht nur für den Erhalt des Restsaals, sondern arbeiten dafür auch an den Konzertabenden: „Wir stehen hinter der Bar, helfen den Bands beim Auf- und Abbau, reinigen die Toiletten“, sagt Nina Seiffert. Zudem kochen Mitglieder des Wohnprojektes Abendessen für die Künstler: Speis und Trank sind Teil der Gage der Musiker.

„Die Bands, die bisher hier aufgetreten sind, hatten viel Spaß“, berichtet Schult. „Sie spielen nämlich lieber hier vor 30 Konzertbesuchern, die sich wirklich für ihre Musik interessieren, als vor doppelt so vielen Clubbesuchern auf dem Kiez, die nur feiern wollen – egal, wer da auf der Bühne steht.“ Probleme mit den Nachbarn gebe es nicht: „Der Raum ist sehr gut isoliert, deshalb dringt Lärm nicht nach draußen“, sagt Nina Seiffert. Bisher habe es auch keine Beschwerden gegeben, wenn die Musiker noch deutlich nach 22 Uhr auf der Bühne standen.

Fördermitglieder für neue Anschaffungen gesucht

Grundsätzlich wird kein Eintritt verlangt, deshalb bekommen die auftretenden Künstler auch keine Gage. Statt dessen geht der Hut rum. Wer den Saal mit Kultur beleben möchte, etwa ein Konzert, eine Lesung oder eine Theateraufführung auf die Beine stellen will, schickt eine E-Mail an info@kulturvielfalt-slf.de. Der Verein freut sich über Fördermitglieder. „Wir wollen den Saal besser ausstatten, etwa eine Küche und eine Heizung einbauen und die Licht- und Tontechnik verbessern. Dafür benötigen wir viel Geld“, sagt Nina Seiffert.

Immer donnerstags ab 19.30 Uhr ist der Saal geöffnet, können die Besucher bei einem Bierchen oder einem Rhabarbersaft (gegen Spende) klönen und Karten spielen. „Manchmal haben wir bis zu 30 Gäste, von denen der Großteil nicht im Wohnprojekt organisiert ist“, sagt Schult.

Die Konzerte: Am 14. September, 19 Uhr, wird eine „Stadtflucht“-Party gefeiert. Den Ton werden mindestens zwei Bands und ein DJ vorgeben. Wer genau am Start ist, wird noch geklärt. Außerdem soll es leckeres Essen und Cocktails geben.

Die Gruppe The Morning After aus Berlin spielt am
12. Oktober, 20 Uhr, Indie-Rock und -Pop sowie Folk. Stoner- und Alternative-Rock mit 70er-Jahre-Einschlag hat sich die Band D-Machine verschrieben. Die Hamburger traten bereits Ende 2018 in Rieges Gasthof auf, spielen am
2. November, 20 Uhr. Den Jahresabschluss bildet der Auftritt von My Sister Grenadine am 1. Dezember, 16 Uhr. Bei dem Sonntagskonzert warten die Berliner mit fragilen Folkklängen auf.