Fahrgastärger

Umleitung verursacht Fahrplanchaos

Ärger um die umgeleiteten Busse der VHH in Ochsenwerder und Fünfhausen. Das Archivbild zeigt eine andere Linie, die auf dem Hauptdeich in Richtung Altengamme unterwegs ist.

Ärger um die umgeleiteten Busse der VHH in Ochsenwerder und Fünfhausen. Das Archivbild zeigt eine andere Linie, die auf dem Hauptdeich in Richtung Altengamme unterwegs ist.

Foto: Thomas Heyen

Fünfhausen/Ochsenwerder. Busfahrer kannten Ersatzfahrpläne nicht – Wechselnde falsche Aushänge.

Fünfhausen/Ochsenwerder. Wegen der Umgestaltung der Kreuzung Oortkatenweg/Ochsenwerder Landscheideweg werden die Busse der Linien 124 und 222 derzeit umgeleitet. Bei den Fahrplanänderungen habe der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) den Überblick verloren, berichtet Rechtsanwalt Dirk Emmermann, der am Homannring in Fünfhausen wohnt.

Die Busse der Linie 124 sollten laut Aushang am S-Bahnhof Tiefstack und nach dem HVV-Fahrplan im Internet nachmittags stündlich acht Minuten früher in Richtung Kirchwerder fahren. Doch die tatsächlichen Fahrzeiten seien von den angegebenen tagelang abgewichen. Emmermann: „Der Fahrplan war in sich schon widersprüchlich und die Anzeige für die Busfahrer war nochmals eine andere.“ Es habe auch eine fünfminütige Pause am Durchdeich in Fünfhausen geben sollen, sagt Emmermann. Statt dessen sei – zumindest als der Anwalt mitfuhr – die Pause an der Baustelle am Kreisel eingelegt worden.

Neuer Fahrplan älter und falsch

Drei Tage später habe es einen neuen Aushang für die Umleitungsstrecke gegeben. Kurz darauf sei dann der vermeintlich neue „Umleitungsfahrplan ab 15.7.19“ ausgehängt worden. Doch der sei noch älter und falsch gewesen, sagt Emmermann: „Der vermeintlich neue Fahrplan war der alte, ursprüngliche. Er wies die reguläre Strecke und die Fahrplanzeiten vor Beginn der Bauarbeiten in Ochsenwerder aus, widersprach bei der Umleitungsstrecke dem Fahrplan im Internet.“

Bei den Änderungen, die am S-Bahnhof Tiefstack angezeigt wurden, seien weder die Route noch die Fahrzeiten korrekt, meint der Fünfhausener. „Die Fahrer fuhren vermutlich noch nach dem alten Plan und die Bildschirme in den Bussen waren falsch programmiert“, sagt er.

„Bus vor heranrückenden Fahrgästen geflüchtet“

Am 16. Juli das nächste Ärgernis: „Nach Ausfall von zwei S-Bahnen kam ich erst um 16.27 Uhr an die Bushaltestelle. Der Bus wurde auf der dynamischen Anzeige noch für 16.30 Uhr angezeigt, ist aber vor den heranrückenden Fahrgästen geflüchtet“, sagt der genervte Kunde. Auf dem Fahrplan habe 16.34 Uhr als Abfahrtzeit gestanden. Erst einige Tage später sei der Aushangfahrplan – erneut und nochmals verändert – durch einen Plan mit der richtigen Umleitungsstrecke und den korrekten Zeiten ersetzt worden.

Anja Giercke, Sprecherin der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH), bestätigt: Emmermanns Vorwürfe seien im Kern richtig. „Aufgrund der Komplexität einzelner Baustellen und sich ständig ändernder Bauzustände ist es im Einzelfall möglich, dass sich Fahrpläne kurzfristig ändern oder nicht eingehalten werden können.“ Allerdings hätten die Verkehrsbetriebe die Fahrzeiten stets an die Baustelle im Kreuzungsbereich angepasst, „und auch eine entsprechende Meldung an den HVV ist stets erfolgt“.

„Einzelne Verzögerungen in der Umsetzung“

Aufgrund der technischen Komplexität der unterschiedlichen Informationskanäle sei es laut Anja Giercke „vereinzelt zu zeitlichen Verzögerungen bei der Umsetzung der Fahrgastinformation“ gekommen. Alle angeführten Widersprüche seien nun seitens der VHH behoben worden. „Zudem führen wir gerade ein neues Betriebsleitsystem ein, das die Abfahrtzeiten auf den Dynamischen Fahrgastinformationen noch zuverlässiger ausweisen soll.“

Nicht richtig sei Emmermanns Vorwurf, am 16. Juli sei ein Fahrer „vor den heranrückenden Fahrgästen geflüchtet“. Vielmehr habe es sich um einen deutlich verspäteten Bus gehandelt, der nicht für die Abfahrt um 16.30 Uhr vorgesehen gewesen sei, sondern für eine planmäßig frühere.

Chaos noch nicht im Griff

Der Hamburger Verkehrsverbund habe das Chaos noch immer nicht im Griff, meint dagegen Emmermann: Er habe vor wenigen Tagen in einem Bus der Linie 124 gesessen. Der Fahrer habe nicht gewusst, dass das Verbotsschild hinter der Einmündung Oortkatenweg/Ochsenwerder Elbdeich für ihn nicht gelte, sagt der genervte Fahrgast. „Er bog in den Ochsenwerder Elbdeich ein, versuchte es so zurück in die Stadt. Ein Fahrgast hielt ihn auf.“

Dazu Anja Giercke: „Unsere Fahrer werden auf vielfältige Weise geschult. Alle Streckeninformationen, insbesondere die, die Umleitungen betreffen, werden in Schaukästen ausgehängt, im Intranet veröffentlicht und auch in einer Mitarbeiter-App hinterlegt.“ Trotz dieser Maßnahmen ließen sich Fahrfehler manchmal nicht vermeiden. Dies sei bedauerlich, „aber auch menschlich“, so Anja Giercke: „Bei 1.400 Fahrern passiert auch mal ein Irrtum.“