Hannoverscher Bahnhof

Gedenkstätten-Team erarbeitet Ausstellung für HafenCity

Dr. Oliver von Wrochem (50) leitet das Projekt Dokumentationszentrum.

Dr. Oliver von Wrochem (50) leitet das Projekt Dokumentationszentrum.

Foto: Thomas Heyen

Hamburg. Vom Hannoverschen Bahnhof aus, heute HafenCity, wurden von den Nazis Tausende Menschen in den Tod geschickt.

Neuengamme. Der Hannoversche Bahnhof befand sich früher dort, wo heute die HafenCity wächst. Von dort aus deportierten die Nationalsozialisten 8076 Menschen.

2017 wurde im Lohsepark in der HafenCity ein Gedenkort mit 20 Tafeln mit den Namen der Deportierten entlang dem ehemaligen Bahngleis 2 eingeweiht. Das „denk.mal“ soll aber noch erweitert werden – unter Mitwirkung der Experten der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Projektleiter Dr. Oliver von Wrochem (50) und sein Team sind die Kuratoren der Dauerausstellung, die dort ab 2022 in einem noch zu bauenden Informations- und Dokumentationszentrum zu sehen sein wird.

Das Dokumentationszentrum entsteht Am Lohsepark/Ecke Steinschanze. „Ein privater Investor hat das Areal gekauft und entwickelt dort einen Bürokomplex“, sagt von Oliver von Wrochem. „Im Erdgeschoss entsteht auf 1000 Quadratmetern das Dokumentationszentrum.“ Für 2,9 Millionen Euro hat die Stadt Hamburg ein 200-jähriges, mietfreies Nutzungsrecht von dem Investor erworben. Der Innenausbau werde voraussichtlich weitere 1,6 Millionen Euro kosten, berichtet der Historiker. Hinzu kommen die Kosten für die Ausstellung. „Ihre Höhe ist noch unklar.“ Finanziert wird das Projekt von Bund und Hansestadt.

Dargestellt wird auch die heutige Zeit

Klar ist bereits, dass das Doku-Zentrum ein etwa 100 Quadratmeter großes Foyer haben wird. Darin steht ein Medientisch, auf dem Infos etwa über Deportationswege und Gedenkorte angeklickt werden können. In einer Lernwerkstatt können kleine Gruppen an Computern arbeiten. Infotafeln, Fotos, Filme und Objekte (etwa Dokumente, Koffer, Lampen) bilden das Herz der Ausstellung. Auch Biografien von Deportierten werden gezeigt. Dargestellt werden nicht nur die NS-Verbrechen, sondern auch die Zeit danach – bis heute.

Die Nationalsozialisten deportierten zwischen 1940 und 1945 vor allem Juden, Sinti und Roma aus Nordwestdeutschland in Gettos, Konzentrations- und Vernichtungslager in besetzten Ländern in Mittel- und Osteuropa. Im November 1941 wurden mehr als 1400 Hamburger nach Minsk im damaligen Weißrussland (heute Belarus) gebracht.

Die Deportierten wurden ins Getto von Minsk gesperrt. Viele von ihnen wurden in einem nahe gelegenen Vernichtungslager ermordet, andere starben an Unterernährung oder Krankheiten. Kaum ein Deportierter überlebte. Nach unterschiedlichen wissenschaftlichen Einschätzungen wurden in Minsk zwischen 60.000 und 200.000 Menschen aus ganz Europa umgebracht.

Hauptbahnhof löste die kleinen Bahnhöfe ab

Der Hannoversche Bahnhof war vor der Eröffnung des Hamburger Hauptbahnhofs die Bahnverbindung zwischen Hamburg und Hannover. Der Hauptbahnhof löste dann die kleinen Bahnhöfe – in der heutigen HafenCity gab es auch einen Berliner Bahnhof – bei den Personenverkehr-Fernverbindungen ab. Sie waren nur noch für den Güterverkehr relevant.

Die Nationalsozialisten nutzten den Hannoverschen Bahnhof auch, um etwa 1000 politische Gegner und sogenannte Kriminelle erst in ein Ausbildungslager in Heuberg (Baden-Württemberg) und dann an die Front zu befördern. „Diese Soldaten vom Bewährungsbataillon 999 wurden für Himmelfahrtskommandos eingesetzt, mussten etwa Minen räumen“, sagt Daniel Bernhardt (35), ebenfalls Kurator des in Neuengamme entstehenden „denk.mal“- Projekts.

Im Abaton-Kino, Allendeplatz 3, wird am Sonntag, 1. September, 11 Uhr, der Dokumentarfilm „Sonderghetto“ (52 Minuten, Belarus 2018) gezeigt. Er berichtet von Schicksalen deportierter Juden aus Hamburg. Nach der Vorführung sprechen Nachfahren der jüdisch verfolgten, in Minsk ermordeten Irmgard Posner. Eintritt: 8,50 Euro.