Naturschutz

Schierlings-Wasserfenchel bekommt neue Heimat

Stiftungsvorstand Dr. Elisabeth Klocke und Bezirksamtsleiter Arne Dornquast mit Schierlings-Wasserfenchel aus Lohbrügge, den sie in den neuen Priel setzen.

Stiftungsvorstand Dr. Elisabeth Klocke und Bezirksamtsleiter Arne Dornquast mit Schierlings-Wasserfenchel aus Lohbrügge, den sie in den neuen Priel setzen.

Foto: Thomas Heyen

Kirchwerder. 50 Schierlings-Wasserfenchel in den Schlick gepflanzt. Seltene Pflanze soll sich im Deichvorland verbreiten.

Kirchwerder. Der vom Aussterben bedrohte Schierlings-Wasserfenchel wächst im Deichvorland in den Vier- und Marschlanden an mindestens vier Prielen. Denn neben zwei Prielen in Ochsenwerder und einem in Kirchwerder finden sich die zarten Pflanzen seit Dienstag auch am Rande des neuen Priels am Warwischer Hauptdeich in Höhe Wrauster Bogen.

Er befindet sich in direkter Nachbarschaft eines Priels, der vor 28 Jahren durch die Deichrückverlegung entstanden ist (wir berichteten). Bei der Neupflanzung von 50 Schierlings-Wasserfenchel-Pflanzen packte auch Bezirksamtsleiter Arne Dornquast mit an.

Pflanzen in Lohbrügge vorgezogen

Der Bezirksamtsleiter tauschte seine Halbschuhe gegen Gummistiefel, stapfte mit Dr. Elisabeth Klocke, Geschäftsführerin und Vorstand der Stiftung Lebensraum Elbe, durch den neuen, etwa 135 Meter langen Priel.

Das Gewässer wurde auf einer Fläche von rund 3000 Quadratmetern künstlich angelegt. Die Arbeiten endeten vor zwei Wochen. Die Kosten – rund 250.00 Euro – trägt die 2010 durch Beschluss der Hamburgischen Bürgerschaft gegründete Stiftung.

Gepflanzt wurden wenige Wochen und etwa ein Jahr alte Pflanzen. Vorgezogen hat sie Elisabeth Klocke in ihrem Garten an der Stormarnhöhe in Lohbrügge. Denn der Schierlings-Wasserfenchel muss nicht zwangsläufig in einem der Tide ausgesetzten Gebiet leben.

„Doch da wird er nicht von anderen Pflanzen überwuchert“, sagt die studierte Chemikerin. Anderswo würden Pflanzen wie Brennnesseln und Brombeeren dem zarten Gewächs keine Chance lassen, es schlicht überwuchern.

Kommendes Frühjahr sollen Pflanzen blühen

Deshalb gibt es den Schierlings-Wasserfenchel ausschließlich entlang der Tideelbe und an ihren von den Gezeiten geprägten Nebengewässern mit lichten Auwäldern, Halbschatten und schlickigen Bereichen mit geringer Strömung. Im den vergangenen Jahren wurden nur noch 3000 bis 50000 Exemplare pro Jahr gezählt. Die Zahl der blühenden Pflanzen, die die Verbreitung und damit das Überleben dieser seltenen Art sichern, ist deutlich kleiner.

Im kommenden Frühjahr sollen die jetzt gepflanzten Schierlings-Wasserfenchel bis zu 1,60 Meter groß sein und blühen. Dann verteilen sich die Samen. „Im Winter sind sie kaum zu sehen“, sagt Elisabeth Klocke, zumal die Pflanzen, die 20 Zentimeter bis 1,30 Meter unter dem mittleren Hochwasser stehen, von jeder Flut für rund zwei Stunden komplett überspült werden.

Mit dem neuen Priel wurde auch der Nahrungs- und Rückzugsraum für Elbfische erweitert.