Frischemarkt Stoof

Eine mehr als 100-jährige Tradition geht Sonnabend zu Ende

Anja Stoof und Rainer Niedoba vor ihrem Frischemarkt am Süderquerweg. Mit einem Glas Sekt verabschieden sie sich am Sonnabend von den Kunden.

Anja Stoof und Rainer Niedoba vor ihrem Frischemarkt am Süderquerweg. Mit einem Glas Sekt verabschieden sie sich am Sonnabend von den Kunden.

Foto: Thomas Heyen

Kirchwerder. Von Koloninalwaren bis Lebensmittel: Mehr als 100 Jahre war am Süderquerweg 348 Einzelhandel heimisch. Das hat nun ein Ende.

Am Süderquerweg 348 endet eine mehr als 100-jährige Tradition: Der Hower Frischemarkt Stoof öffnet am heutigen Sonnabend zum letzten Mal. In dem Haus, das mindestens 111 Jahre alt ist, habe sich vermutlich von Anfang an ein Kolonialwarenhandel befunden, berichtet die heutige Eigentümerin Anja Stoof (56) – erst die dritte Hauseigentümerin und Lebensmittelhändlerin an dieser Adresse.

Ehepaar Helwig als Vorgänger

Anja Stoof und ihr Mann Gerhard Stoof, der 2004 starb, übernahmen das Geschäft am 1. August 1995 mit dem Kauf des Hauses. Vorher gehörte es jahrzehntelang Thea und Rudi Helwig, die beide inzwischen gestorben sind, berichtet Anja Stoof. Das Ehepaar Helwig betrieb auch den Markt. „Thea Helwig hat nach dem Tod ihre Mannes weitergearbeitet, bis sie 74 war.“ Rudi Helwig muss ein Spaßvogel gewesen sein, sagt Anja Stoof: „Er war Geiger – und hat gelegentlich wohl auch im Laden gespielt.“

Alte Aufnahmen zeugen von der Geschichte des Hauses

Die Helwigs hatten Haus und Geschäft laut Anja Stoof „Ende der 1950er-/Anfang der 60er-Jahre“ von der Familie Oldenburg erworben. Johannes Oldenburg, Jahrgang 1889, vermutlich der Sohn des ersten Eigentümers, ließ die Räume im Jahre 1927 umbauen, so dass er 100 Quadratmeter mehr Verkaufsfläche hatte. Anja Stoof besitzt alte Baupläne und Urkunden, die dies dokumentieren. „2005, als wir zehn Jahre vor Ort waren, schenkte mir ein Freund der Familie alte Fotografien, Außenaufnahmen von dem Gebäude“, sagt Anja Stoof. Ein Heimatforscher habe ihr von der Geschichte des Hauses und des Kolonialwarenladens berichtet.

Mit der Eröffnung von Rewe ging der Umsatz zurück

Doch seit der Eröffnung des Rewe-Marktes nur wenige Kilometer entfernt am Süderquerweg vor gut vier Jahren sei der Umsatz „um bis zu fast 50 Prozent zurückgegangen“. Es sei aber sowieso an der Zeit, kürzer zu treten, betont die Kauffrau.

Mit dem Partyservice geht es weiter

Ganz aus dem Geschäft zurückziehen wollen sich die Eheleute jedoch nicht: Der Partyservice läuft weiter. „Zwei Monate lang wird in der bisherigen Küche gekocht und zubereitet, danach in neuen Räumen“, sagt Anja Stoof. Denn ihr Partyservice zieht 50 Meter weiter, um die Ecke, an den Kirchwerder Landweg 552. Dort, in der ehemaligen Gaststätte Garbers, mietet das Paar den früheren Kneipenbereich. „Auf knapp 100 Quadratmetern werden wir einen Event-Raum einrichten“, sagt Anja Stoof. Er soll an Gesellschaften für Feiern vermietet werden – mit und ohne Speisen, die vom Partyservice-Team angeboten werden.

Zum Abschied gibt es ein Glas Sekt

In die Edeka-Räume zieht Anja Stoofs Tochter mit ihrer Familie ein – 2020, nachdem alles entkernt worden ist und neue Wände gezogen wurden. Anja Stoof und ihr Ehemann und Geschäftspartner Rainer Niedoba (60) wohnen im Obergeschoss, das Stockwerk direkt über dem Markt ist vermietet.

Zum Abschied laden Anja Stoof und Rainer Niedoba die Kunden heute zwischen 6 und 12 Uhr zu einem Glas Sekt ein.