Zu schnell unterwegs

Nach Unfall: Polizei nimmt Ersthelfer fest

Feuerwehrleute kümmern sich um den VW Passat.

Feuerwehrleute kümmern sich um den VW Passat.

Foto: christoph leimig / Christoph Leimig

Curslack. VW Passat Limousine rast in Haus – Ingo W. (60) will Beamten anzeigen.

Curslack.  Schwerer Unfall auf dem Curslacker Deich: Ein 30-jähriger Mann war Freitag gegen 23.20 Uhr vermutlich zu schnell und alkoholisiert in Richtung Autobahn 25 unterwegs. Mit einer VW Passat Limousine kam er in einer Linkskurve nach rechts von der Fahrbahn ab. Er raste über den Gehweg, durchbrach einen Zaun und prallte frontal gegen das Haus Nummer 372 (Vierländer Volksbank). Bei dem Unfall wurde der Rumäne im Fahrzeug eingeklemmt und schwer verletzt, unter anderem am Brustkorb. Er wurde von einem Notarzt versorgt und kam mit einem Rettungswagen ins Unfallkrankenhaus nach Boberg.

Helfer wollte sich nicht entfernen

An dem Fahrzeug mit rumänischem Kennzeichen und an dem Haus entstand ein Schaden in Höhe von etwa 58.000 Euro.

Die Polizei berichtete gestern von einem Ersthelfer, der sich geweigert habe, sich vom Fahrzeug zu entfernen. Weil er nach einem Beamten geschlagen haben soll und versucht habe, den Polizisten wegzudrücken, um dem Verletzten weiter zu helfen, wurde Ingo W. (60) „zu Boden gebracht“ und in Handschellen abgeführt. Bei der Durchsetzung des Platzverweises habe ein Polizist leichte Verletzungen an Bein und Hand erlitten, berichtet Daniel Ritterskamp, Sprecher der Polizei. Der 32-Jährige habe sich im Boberger Klinikum untersuchen lassen.

Faustschläge ins Gesicht

Dorthin habe sich auch Ingo W. von einem Taxi bringen lassen, nachdem er etwa eineinhalb Stunden in einer Verwahrzelle des Bergedorfer Polizeikommissariats verbracht habe, teilte er gestern der bz mit. Am Unfallort sei er von einem Polizisten zweimal „mit der Faust direkt ins Gesicht geschlagen“ worden.

W., der viel Erfahrung mit Unfallopfern hat, kann die Vorgehensweise der Polizei nicht nachvollziehen: „Das ist komplett aus dem Ruder gelaufen.“ Er habe den Eindruck, als einer der vielen Schaulustigen eingeordnet worden zu sein. „Deshalb habe ich, als ich fixiert auf dem Boden lag, immer gerufen, dass ich Ersthelfer bin“, sagt W. Er habe gemeinsam mit einem weiteren Ersthelfer Kopf, Nacken und Schulter des Verletzten gestützt, weil er Verletzungen der Halswirbelsäule vermutete. „Ich habe der Polizei gesagt, dass ich nicht loslasse, bis ein Profi übernimmt. Doch da bot niemand die Übernahme des Verletzten an. Trotzdem musste ich mich entfernen“, sagt W. „Die Polizei hatte es versäumt, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen.“

Der 60-Jährige rechne nun mit einer Anzeige – und wird seinerseits Strafanzeige gegen den Polizeibeamten erstatten.