Zweites Standbein

Deichschäfer der Vier- und Marschlande wird zum Hühnerwirt

Deichschäfer Volker Derbisz (53) hat nun auf seinem Neuengammer Schäferhof auch drei mobile Hühnerställe für jeweils 360 Hühner.

Deichschäfer Volker Derbisz (53) hat nun auf seinem Neuengammer Schäferhof auch drei mobile Hühnerställe für jeweils 360 Hühner.

Foto: Thomas Heyen

Neuengamme. Schon mit 15 Jahren hatte er eine eigene Schafherde. Nun hat sich Volker Derbisz ein weiteres Standbein aufgebaut: Hühner.

Die Schafe von Volker Derbisz halten die Grasnarbe des Hauptdeichs zwischen Altengamme und Spadenland kurz. Das ist wichtig, denn der Deich schützt bei Sturmfluten vor Überschwemmungen. Der 53-Jährige ist seit zwölf Jahren Deichschäfer in den Vier- und Marschlanden. Im Sommer sind seine Schafe zur Landschaftspflege auch in der Boberger Niederung, zudem halten sie das Gras auf diversen Mülldeponien und einem Moor kurz. Doch Derbisz hat inzwischen ein weiteres Standbein: Hühner.

Eier waren sehr gefragt

Der gelernte Schäfermeister hat auf seinem Schäferhof in Neuengamme bis zu drei Herden mit jeweils 360 Legehennen. „Hühner habe ich schon lange, aber bis vor Kurzem waren es nur wenige“, sagt Derbisz. Die Eier, die er auf seinem Hof verkaufte, waren so gefragt, dass der Schäfer drei mobile Hühnerställe kaufte. „In Hamburg bin ich der einzige Hühnerhalter mit solchen Ställen“, sagt er.

Wenn die Hühner die Rasenfläche im Bereich der mobilen Ställe abgefressen haben, werden die Konstrukte aus Metall und Kunststoff ab- und einige Meter weiter wieder aufgebaut. „So haben die Tiere immer frisches Gras“, sagt Derbisz, der die Hühner auch mit Getreide sowie Brot- und Gemüseabfällen füttert.

Türen öffnen und schließen automatisch durch Solarmodule

Die Stallanlagen haben Solarmodule auf dem Dach, die die Schließmechanismen der Türklappen autark mit Strom versorgen. Die Türen öffnen sich jeden Tag um 10 Uhr und schließen sich um 22 Uhr. So können die Hühner tagsüber draußen sein, während sich nachts keine Füchse und weiteren Wildtiere in die Ställe schleichen können. Dort schlüpfen die Hühner in sogenannte Familiennester. „Das mögen sie lieber, als allein im Nest zu sitzen“, sagt Volker Derbisz, der auch sechs Esel und vier Hütehunde hält.

Ein Huhn kann an 95 Eier in 100 Tagen legen

Die Hühnereier vermarktet er direkt ab Hof. Zehn Eier aus der Freilandhaltung kosten 2,50 Euro. „Die Eier sind mindestens 28 Tage lang haltbar. Aber in der Regel liegen die Eier bei uns keine zwei Tage“, sagt der Schäfer. Volker Derbisz beschäftigt zwei weitere Schäfer in Vollzeit, außerdem Saisonkräfte. Weil auch das Geschäft mit den Hühnern gut läuft, will der 53-Jährige nun eine Teilzeitkraft einstellen.

Die Hühner stammen aus einem Zuchtbetrieb in Schleswig-Holstein. „Ich bekomme die Tiere, wenn sie 18 Wochen alt sind“, sagt Derbisz. Nach einer zweimonatigen Eingewöhnungsphase liege die Legeleistung bereits bei mehr als 90 Prozent. Im besten Fall lege ein Huhn an 100 Tagen 95 Eier.

Sorge um Zukunft des Schäfers unbegründet

In der jüngsten Bezirksversammlung stellte die SPD eine Kleine Anfrage zum Thema „Schäfereien“. Weil das Schäfergewerbe rückläufig ist und anderswo Betriebe aufgeben, sorgen sich die Sozialdemokraten um die Pflege der Bergedorfer Deiche. „Dafür gibt es keinen Grund“, sagt der Deichschäfer, der auf dem Bauernhof seiner Eltern in Rheinland-Pfalz schon im Alter von 15 Jahren eine eigene, kleine Schafherde hatte. „Ich werde frühestens in zehn Jahren in Rente gehen und möchte hier gern weiterarbeiten.“

Pflegegeld für den Einsatz der Schafe

Derbisz führt den einzigen Schäferbetrieb im Landgebiet. „Auch bevor ich hier anfing, gab es nur einen Deichschäfer“, sagt er. Die Hansestadt zahle ihm ein sogenanntes Pflegegeld für den Einsatz der tierischen Rasenmäher, stelle ihm zudem die beiden Schäferhöfe in Neuengamme und Spadenland zur Verfügung. Mit der Stadt habe der Schäfermeister einen unbefristeten Vertrag, der aber jährlich beidseitig kündbar sei.