Stadtwerkstatt

Zwischen Angst vor Gewerbe und Stolz auf die Heimat

Zum Auftakt der Stadtwerkstatt Moorfleet waren in St. Nikolai alle Kirchenbänke voll besetzt.

Zum Auftakt der Stadtwerkstatt Moorfleet waren in St. Nikolai alle Kirchenbänke voll besetzt.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Moorfleet. die Moorfleeter sind in Sorge um ihr Dorf. Und wollen mitgestalten. Gut 200 kamen zum Auftakt der Stadtwerkstatt.

Alle Kirchenbänke waren voll besetzt. Wer den Auftakt der Stadtwerkstatt Moorfleet am Donnerstagabend verfolgen wollte, der musste kurz vor Beginn des Abends schon auf die Empore der Kirche St. Nikolai ausweichen. „Mindestens 200 Menschen sind gekommen, ein tolles Signal zum Auftakt“, sagte Bergedorfs Baudezernent Uwe Czaplenski.

Politischer Auftrag nach fast zwei Jahren umgesetzt

Vor fast zwei Jahren hatte die Lokalpolitik dem Bezirksamt den Auftrag erteilt, eine Stadtwerkstatt in Moorfleet durchzuführen, um Perspektiven für die Zukunft des Dorfes im nordwestlichen Teil Bergedorfs zu erarbeiten. Denn das 120 Quadratkilometer große Moorfleet, mit etwa 1300 Einwohnern, weist einige Besonderheiten auf: Einerseits mit historischem Dorfkern idyllisch gelegen direkt an der Norderelbe und mit zugleich nur fünf Kilometern Entfernung zum Hauptbahnhof, wird es andererseits durchkreuzt von wichtigen Verkehrsadern wie A 1 und A 25, liegen Industrie und Gewerbegebiet direkt vor der Haustür, schlummern noch einige Altlasten im Untergrund.

Moorfleeter sind in Sorge und wollen mitgestalten

All dem zum Trotz: Die Moorfleeter sind stolz auf ihre Heimat. Das bewies nicht nur das große Interesse zum Auftakt der Stadtwerkstatt, das verdeutlichten auch diverse Wortbeiträge: „Wir fühlen uns hier wohl“, betonte Harald Martens von der Arbeitsgemeinschaft Moorfleet. Freiwillige für den Kreis zu finden, der in den kommenden Monaten Perspektiven entwickeln soll, war daher kein Problem.

Neues Gewerbe soll verträglich mit dem Wohnumfeld sein

Doch eines wurde zum Auftakt genauso deutlich: Die Sorge um eine weitere gewerbliche Entwicklung in der Moorfleeter Wanne schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Dorf. Und die Sorgen konnte auch Ole Jochumsen von der Behörde für Stadtentwicklung nicht zerstreuen. Er bestätigte: „Mittel- bis langfristig möchte die Stadt dort Gewerbe ansiedeln.“ Verborgene Pläne oder Verhandlungen mit konkreten Unternehmen gebe es ausdrücklich nicht. Daher könne auch der Zeithorizont nicht genauer eingegrenzt werden, so Jochumsen. Fest stehe allerdings: Am Moorfleeter Deich soll weiterhin gewohnt werden. Neues Gewerbe – keine Industrie – müsse daher bei Lärm und Verkehr verträglich mit dem Wohnumfeld sein.

Zwei weitere Termine für kleinen Kreis in 2019

In den kommenden Monaten (Juni sowie September/Oktober) soll es zwei weitere Werkstätten geben, in denen ein Kreis aus etwa 35 Personen im Gemeindehaus zusammenkommt. Am runden Tisch sollen Bürger sowie Vertreter von Verwaltung, Politik, Moorfleeter Institutionen, Landwirtschaft, Gartenbau und Gewerbe Ideen zu den Themen wie Wohnen, Stadtentwicklung, Landwirtschaft und Gartenbau, Mobilität, oder Grün und Erholung entwickeln. Im Januar 2020 soll darauf eine Präsentation in der Kirche folgen.