Heimatkunde

Zu spät gefeiert: Ochsenwerder ist älter als gedacht

Simone Vollstäd ist leidenschaftliche Heimatforscherin.

Simone Vollstäd ist leidenschaftliche Heimatforscherin.

Foto: Thomas Heyen

Ochsenwerder. Ochsenwerder wurde bereits vor mindestens 775 Jahren gegründet. Zur 750-Jahr-Feier passte diese Erkenntnis allerdings nicht.

Ochsenwerder.  Die Geschichte von Ochsenwerder muss umgeschrieben werden, denn das Dorf ist mindestens neun Jahre älter als bisher angenommen. Dies fand Heimatforscherin
Simone Vollstädt heraus. Sie berichtet über ihre Forschungsergebnisse in der aktuellen Ausgabe des „Lichtwark-Heftes“.

Die älteste bisher bekannte Urkunde, in der Ochsenwerder erwähnt wird, stammt aus dem Jahre 1253. Simone Vollstädt entdeckte jedoch eine Urkunde aus dem Jahr 1244, die nachweist, dass das Dorf in den Marschlanden mindestens 775 Jahre alt ist.

In dem „Urkundenbuch der Bischöfe und des Domkapitels von Verden“ (Band 1) stieß Simone Vollstädt in der Hamburger Staatsbibliothek auf die Urkunde aus dem Jahr 1244. „Ochsenwerder lag damals im Bistum Verden“, sagt die Hobbyforscherin.

Auf Urkundenbuch gestoßen

Simone Vollstädt habe in der Stabi geforscht, um ein sogenanntes Regestenbuch, eine Übersicht urkundlicher Erwähnungen, für Ochsenwerder zu erstellen, „als Überblick für meine weitere Forschung“. Im Verlauf ihrer Recherche stieß sie auf das Urkundenbuch.

Darin befindet sich die Urkunde, die inhaltlich zwar nichts mit Ochsenwerder zu tun habe. Von Interesse sei aber, dass die Rede von einem Rodolfo plebano de Avenburch ist, laut Simone Vollstädt damals der Pfarrer von Ochsenwerder. Er wird in einer Liste von Personen aufgeführt, die damals bezeugten, dass der Verdener Domherr Amelung von Wittenburg seine Güter in Rade und Diersdorf an den Propst der Klosters Buxtehude verkauft hatte.

So nah wie möglich

„Da Rodolfo als Zeuge des Verdener Domherrn auftrat, gehörte Ochsenwerder schon 1244 zum Bistum Verden“, schreibt sie im „Lichtwark-Heft“. Die Urkunde belege, „dass es in Ochsenwerder bereits 1244 einen Pfarrer und mithin auch eine Kirche gab, die Insel also bereits bedeicht und besiedelt war und zum Bistum Verden gehörte“, schreibt Simone Vollstädt.

Aus dem Niedersächsischen Landesarchiv Stade besorgte sie sich eine digitale Kopie der Originalurkunde. „Schließlich will man dem Original ja so nah wie möglich kommen.“

Simone Vollstädt hat bereits vor 16 Jahren in dem Urkundenbuch geblättert und weiß seitdem, dass Ochsenwerder mindestens neun Jahre älter als bisher angenommen ist. Seitdem nennt sie in ihren Veröffentlichungen das Jahr 1244 als das Jahr der ersten urkundlichen Überlieferung. „Damals, als ich das herausfand, war aber gerade die Planung für die Feier des 750-jährigen Bestehens des Dorfes in vollem Gange“, sagt sie, „und niemand wollte davon wissen.“ Sie selbst sei in die Vorbereitungen eingebunden gewesen, habe das „nicht weiter verfolgt und aus den Augen verloren“. Erst vor Kurzem sei sie dann tiefer in die Materie eingestiegen.

Zum 777-jährigen Bestehen ist die nächste Feier geplant

Gefeiert wird das 775-jährige Bestehen Ochsenwerders wohl aber nicht: „Wer soll das organisieren?“, fragt die Heimatforscherin. Alle Helfer, die in Frage kämen, seien bereits mit den Vorbereitungen für die Feier (31. August/1. September) anlässlich des 300. Todestages des Orgelbauers Arp Schnitger beschäftigt. „Wir wollen in zwei Jahren das 777-jährige Bestehen Ochsenwerders feiern“, sagt Simone Vollstädt.

Das Dorf und seine St.-Pankratius-Kirche, die urkundlich erstmals im Jahr 1254 erwähnt wurde, sind vermutlich bereits in der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts oder in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden. „Das genaue Datum kennen wir nicht“, sagt Vollstädt. „Aber eine Urkunde aus dem Jahr 1142 lässt vermuten, dass Ochsenwerder damals noch nicht besiedelt war. In dem Dokument ist von „Neusiedelland“, also unbesiedeltem Land zwischen Harburg und Aweneberge die Rede.

Vor der Haustür ist es am spannendsten

Simone Vollstädt interessiert sich schon seit 30 Jahren für Regionalgeschichte, veröffentlichte zahlreiche Publikationen. „Am liebsten bin ich im Mittelalter und in der frühen Neuzeit unterwegs“, sagt sie und fügt hinzu: „Am spannendsten ist, was sich vor unserer Haustür ereignet hat.“

Die gelernte Vermessungstechnikerin , die im Landesbetrieb Geoinformation arbeitet, wurde in Aachen geboren. Sie wuchs in Moorfleet auf und lebt seit 1993 in Ochsenwerder.