Ruhestand

Annette Sandig: Als Pastorin hat sie viel bewegt

Pastorin Annette Sandig (65) aus Ochsenwerder geht in den Ruhestand.

Pastorin Annette Sandig (65) aus Ochsenwerder geht in den Ruhestand.

Foto: Thomas Heyen

Ochsenwerder. 65-Jährige hat an Neustrukturierung der Kirchengemeinden mitgewirkt. Nun geht sie in den Ruhestand.

Ochsenwerder.  Annette Sandig ist als Pastorin in vielen Teilen Hamburgs und Umgebung bekannt. Sie war viele Jahre als Vertretungs-Pastorin im Einsatz. Nun geht die 65-Jährige aus Ochsenwerder in den Ruhestand. In ihrer Heimatgemeinde wird sie am Freitag, 5. April, mit einem Gottesdienst verabschiedet.

Annette Sandig lebt seit ihrer Geburt in Ochsenwerder. Dort befindet sich ihre „Herzenskirche“: „Sie ist außer Konkurrenz, schließlich handelt es sich um meine Heimat“, sagt sie. Gefragt nach ihren Lieblingskirchengemeinden, nennt sie St. Maria Magdalena zu Moorburg und den Michel. „In Moorburg haben die eine unglaublich schöne Kirche.“ Zudem sei sie von den Menschen dort beeindruckt: „Die kämpfen auf mitreißende Weise um das Bestehen ihrer Gemeinde, deren Fortbestehen aufgrund der Hafenerweiterung immer wieder auf dem Spiel steht.“

Der Michel sei wiederum „ein Kosmos für sich mit unglaublich guten Musikern und internationalen Besuchern“. In Hamburgs bekanntester Kirche hat Annette Sandig viele Gottesdienste geleitet.

Das Jahr 2018 war für sie besonders gut

Das vergangenen Jahr sei ein besonders gutes Jahr für sie gewesen, sagt die 65-Jährige: Denn zum Ende ihrer beruflichen Laufbahn war sie als Vertretungspastorin in Ochsenwerder, Kirchwerder und Neuallermöhe eingesetzt. Annette Sandig vertrat jeweils für drei Monate Pastoren, die ein Sabbatical machten, also freigestellt waren. In Ochsenwerder habe sie als „Kind des Ortes“ auch hinter der Kanzel eine „große Akzeptanz“ erfahren, berichtet die Pastorin. In der Kirchengemeinde Bergedorfer Marschen in Neuallermöhe habe sie mit zwei weiteren Pastorinnen gearbeitet.

„Das war ein reines Frauenteam, für mich eine neue Erfahrung.“ Die Sabbatical-Vertretung im Kirchenkreis Hamburg-Ost war seit 2009 ihr letzter Einsatzbereich. „Diese Arbeit haben wir zu dritt gemacht.“ Sie bezeichnet sich rückblickend mit einem Schmunzeln als „Berufsfahrerin“: Mit den sechs Opel Corsa, die sie in den vergangenen 18 Jahren fuhr, legte sie einige Zehntausend Kilometer im Auftrag des Herrn zurück. Allein als Sabbatical-Vertretung sprang sie für 36 Kollegen ein.

Neustrukturierung der Kirchengemeinden

Die spannendste, wenn auch arbeitsintensivste Phase in ihrem Berufsleben sei jedoch die Neustrukturierung der Kirchengemeinden im früheren Kirchenkreis Alt-Hamburg gewesen, an der sie zwischen 1994 und 2001 entscheidend mitwirkte. Damals war für Annette Sandig eigens die „Kirchenkreis-Stelle für pfarramtliche Vertretungsdienste“ im Gesamtbereich des Kirchenkreises geschaffen worden – ein Posten, wie gemacht für die umtriebige Pastorin, die gut mit Menschen umgehen kann. Zwischen Altengamme und Fuhlsbüttel sprang sie in Kirchengemeinden ein, in denen die Pastoren wegen Krankheit, Krisen oder Schwangerschaft fehlten.

„Damals habe ich sehr intensiv in die Gemeinden geschaut und deren Vernetzung vorangetrieben.“ Viele Gemeinden hätten zuvor „für sich allein gewurschtelt“, etwa eigene Kirchenmusiker gehabt. Das habe das Budget überstrapaziert. „Meine Kollegen und ich haben durch die Neustrukturierung von Personal und Gebäudenutzungen um die Jahrtausendwende 10 Millionen Euro eingespart“, sagt die Pastorin.

„Das war für alle Beteiligten schmerzhaft, aber notwendig. Die Gemeinden haben sich damals nach außen geöffnet und die Zusammenarbeit untereinander verstärkt.“ So würden seitdem etwa Gebäude vermietet, die zuvor oft leer standen. Mit den Mieteinnahmen seien neue Stellen finanziert worden. Nach Sandigs (erster) Vertretungsstelle wurde die neue Abteilung Organisationsentwicklung gegründet. Die Marschländerin ging 2001 nach Winterhude/Uhlenhorst, wo sie bis 2009 Gemeindepastorin war.

Annette Sandig hat Theologie und Gesang in Hamburg studiert, absolvierte ihr Examen in St. Michael auf dem Gojenberg. 13 Jahre widmete sie der Kirchenmusik, war dann von 1990 bis 1994 knapp vier Jahre Pastorin in St. Michael.

Sandig hat nie geheiratet – und ist trotzdem Mutter eines 40-jährigen Sohnes. „Damals war ich bundesweit als erste Pastorin ledig mit Kind. Das war nicht ganz ohne. Die Kirchenführung musste meinetwegen schlucken.“

Endlich mehr Zeit für „kulturelle Genüsse“

Derzeit genießt Annette Sandig Resturlaubstage, dann geht sie in den Ruhestand. Dann hat sie mehr Zeit für ihre Katzen. „Außerdem kann ich mich intensiver den kulturellen Genüssen widmen“, sagt sie. Denn die Unruheständlerin geht gern ins Kino und Theater, besucht Ausstellungen und Konzerte – Klassik ebenso wie Rock. „Ich war 2018 im Stadtpark bei den Rolling Stones, das war super.“

Der Verabschiedungsgottesdienst mit der Harburger Pröpstin Carolyn Decke in der Kirche St. Pankratius zu Ochsenwerder (Alter Kirchdeich) beginnt um 15 Uhr. Anschließend, gegen 16 Uhr, lädt der Kirchenkreis Hamburg-Ost zu einem Empfang in die Wein- und Friesenstube am Ochsenwerder Kirchendeich 10. Dort gibt es einen kleinen Imbiss. Die Pastorin rechnet mit mehr als 100 Besuchern. „Jedermann ist zu beiden Terminen willkommen.“