Gleisdreieck

Viel Lob für die zweite Jobmesse im Kulturheim

„Hier gibt es ein großes Bedürfnis in Kontakt und ins Gespräch zu kommen“, sagt Senatorin Dr. Melanie Leonhard.

„Hier gibt es ein großes Bedürfnis in Kontakt und ins Gespräch zu kommen“, sagt Senatorin Dr. Melanie Leonhard.

Foto: Thomas Heyen

Firmen und Arbeitsuchende nutzen Kontaktbörse. Sozialsenatorin lobt einmaligen Ansatz.

Billwerder.  Unter den rund 2400 Menschen, die im Gleisdreieck leben, suchen viele einen Ausbildungsplatz oder Arbeit. Auf der anderen Seite müssen zahlreiche Unternehmen aus der Region freie Stellen besetzen. Deshalb gab es gestern, Freitag, bereits die zweite Jobmesse im Kulturheim Mittlerer Landweg – schräg gegenüber der Flüchtlingssiedlung. Die Premiere bescherte rund einem Dutzend Geflüchteten 2018 Arbeitsplatz oder Lehrstelle.

Bereits zum Start der Jobbörse war der „Kuller“-Saal voll. Jobcenter und Bundesagentur für Arbeit hatten rund 130 Bewohner des Gleisdreiecks, die über recht gute Deutschkenntnisse (B1) verfügen, gezielt eingeladen, zudem etwa 150 weitere Arbeitssuchende ohne Migrationshintergrund. Besucher, die der deutschen Sprache noch nicht ausreichend mächtig sind, konnten sich von Übersetzern helfen lassen.

Hilfe bei Bewerbungen

Die Mitarbeiter von Haus 23 (Internationaler Bund) und Aktive der Initiative Work and Integration for Refugees (Handwerks- und Handelskammer, Sozialbehörde, Arbeitsagentur) verabredeten sich mit Besuchern, die etwa Hilfe beim Schreiben von Bewerbungen benötigen.

Viele Eingeladene waren gleich zum Start da, um sich an den vielen Ständen von Unternehmen und Beratern zu informieren. Gesucht werden vor allem Lager-, Reinigungs- und Tiefbauhelfer, also Tätigkeiten, die von ungelernten Kräften ausgeführt werden können. Doch gerade im Handwerk werden händeringend auch Fachkräfte gesucht. Viele jüngere, geflüchtete Besucher ließen sich über Ausbildungsmöglichkeiten in den verschiedenen Gewerken informieren.

Einige vertretene Firmen wie Dachser und Budnikowsky beschäftigen bereits Geflüchtete. Sie können neuen Kollegen mit ihren Sprachkenntnissen hilfreich zur Seite stehen. „Wir suchen kurzfristig drei bis vier Kommissionierer und Lageristen sagt Michael Quitmann von Budni im benachbarten Gewerbegebiet Allermöhe. Seiner Meinung nach sollten die Geflüchteten „erstmal ankommen“ und in einfachen Jobs Standards wie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit vermittelt bekommen, bevor es im besten Falle die Karriereleiter hochgeht. Ähnlich sieht es Marlene Sandecki von der Wirtschaftsförderung Bergedorf: „Es geht darum zu schauen, wie man sich entwickeln kann.“

Drei Mitarbeiter aus Gleisdreieck

Quitmann hat sich vor kurzem sehr gefreut, als er wegen eines Vorbereitungstreffens durch das Gleisdreieck spazierte und von einem dort lebenden Mitarbeiter gegrüßt wurde. „Allein nach der ersten Jobmesse vor einem Jahr haben wir drei Mitarbeiter aus dem Gleisdreieck einstellen können“, berichtet der Budni-Mann.

„Die Netzwerkarbeit in Bergedorf funktioniert“, sagt Marc Wilken (Bergedorfer Wirtschaftsverband WSB). Er freute sich, dass viele Firmen bereits zum zweiten Mal dabei waren. Das Konzept, dorthin zu gehen, wo die Menschen wohnen, funktioniere, betonte Wilken. Ehrengast war Dr. Melanie Leonhard (SPD), Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. „Dieser nachbarschaftliche Ansatz ist ziemlich einmalig“, sagte sie nach ihrem Rundgang.