Kollision

Tödlicher Unfall auf der Elbe: Kapitän vor Gericht

Die Bergung des Motorboots gestaltete sich schwierig. Der 53-jährige Eigner hatte die „Karo“ erst kurz vor dem Unglück gekauft. Er überlebte den Unfall nicht.

Die Bergung des Motorboots gestaltete sich schwierig. Der 53-jährige Eigner hatte die „Karo“ erst kurz vor dem Unglück gekauft. Er überlebte den Unfall nicht.

Foto: Daniel Bockwoldt / picture alliance / dpa

Ochsenwerder. Der 46-Jährigesoll mit seinem Schubverband auf Höhe der Bunthäuser Spitze ein Sportboot überrollt haben. Ein Mann starb.

Ochsenwerder. Trümmerteile eines Sportbootes schwimmen auf der Elbe, über der Unglücksstelle in der Nähe der Bunthäuser Spitze bei Ochsenwerder kreist unablässig ein Hubschrauber, große Lichtmasten leuchten das Areal aus, rund 180 Retter aus Niedersachsen und Hamburg sind an diesem Abend im Einsatz, um einen vermissten Mann zu suchen.

Am 3. November 2016 gegen 18 Uhr war ein Schubverband aus zwei Schuten und einem Schubboot mit einem Sportboot kollidiert. Bei dem Unglück wurde das zehn Meter lange Stahlboot, auf dem sich zwei Personen befanden, völlig zerstört. Trotz groß angelegter Suche fehlte von einem 53-Jährigen jede Spur. Erst ein Jahr später wurde sein Leichnam entdeckt. Nun beginnt der Prozess gegen den damaligen Kapitän des Schubverbandes „Elbe 1“.

Am Montag beginnt die Verhandlung

Der heute 46 Jahre alte Mann muss sich von Montag an vorm Amtsgericht Hamburg verantworten. Dem Angeklagten werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und Gefährdung des Schiffsverkehrs vorgeworfen.

„Er soll als Schiffsführer des Schubverbandes ,Elbe 1’ das vorausfahrend mit zwei Personen besetzte Sportboot ,Karo’ überholt und es dabei pflichtwidrig unterlassen haben, mindestens fünf rasch aufeinanderfolgende Pfeiffentöne abzugeben, um den Führer des Sportboots auf das Manöver aufmerksam zu machen“, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Beim Passieren soll der Kapitän der „Elbe 1“ das kleine Boot aus dem Blick verloren haben. Laut Staatsanwaltschaft überrollte er das Sportboot mit seinem fast 100 Meter langem Schubverband und drückte es unter Wasser.

Leichnam wurde erst ein Jahr später gefunden

An Bord des Sportboots „Karo“ befanden sich zwei Männer. Ein 50-Jähriger fiel bei der heftigen Kollision in die Elbe, konnte aber rechtzeitig aus dem 13 Grad kalten Wasser gerettet werden. „Er erlitt lediglich eine Unterkühlung“, heißt es vonseiten der Staatsanwaltschaft.

Für seinen Begleiter endete der Bootsunfall tödlich. Ihm sei es nicht mehr gelungen, sich aus dem Wrack zu befreien, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Stundenlang hatten die Rettungskräfte im Wasser und am Ufer nach dem Vermissten gesucht – ohne Erfolg. Der Leichnam des 53-Jährigen wurde erst ein Jahr später, am 29. Oktober 2017, am Ruschorter Hauptdeich gefunden.

180 Retter waren am Unglücksabend im Einsatz

Am Abend des Unglücks hatte sich eine riesige Maschinerie in Gang gesetzt, um den vermissten 53-Jährigen zu retten. Über Stunden hatten 180 Feuerwehrleute, THW- und DLRG-Helfer die Elbe abgesucht. 13 Boote der niedersächsischen und Hamburger Feuerwehr waren auf dem Wasser unterwegs, ein Kilometer Deich wurde ausgeleuchtet, auf einer Länge von vier Kilometern wurde die Elbe und die angrenzenden Böschungen nach dem Vermissten überprüft.

„So einen Einsatz bei einer Wasserrettung habe ich noch nicht erlebt“, sagte ein Feuerwehrmann damals.