Naturschutz

Ausgleich für Elbvertiefung: Neuer Lebensraum entsteht

Der schmale Priel verläuft nahe am Elbdeich. Der Wasserlauf rechts des Süßwasserwatts (Bildmitte) wird verlängert.

Der schmale Priel verläuft nahe am Elbdeich. Der Wasserlauf rechts des Süßwasserwatts (Bildmitte) wird verlängert.

Foto: Holger Weitzel - Aufwind / aufwind-luftbilder

Zollenspieker. In Zollenspieker und Moorfleet werden neue Flächen für den Schierlingswasserfenchel geschaffen.

Zollenspieker/Moorfleet.  Der Ausgleich für die Elbvertiefung hat begonnen. An mehreren Stellen in den Vier- und Marschlanden wird neuer Lebensraum für den seltenen Schierlingswasserfenchel geschaffen: Auf der Billwerder Insel und im Deichvorland vor Zollenspieker.

In den vergangenen Wochen haben Arbeiter in Zollenspieker – in dem parallel zum Zollenspieker Hauptdeich verlaufenden Naturschutzgebiet zwischen dem Hafen Zollenspieker und der Einmündung Kirchwerder Mühlendamm – Bäume gefällt, Buschwerk gerodet und Wiesenflächen gemäht. Eine provisorische Überfahrt für die Baufahrzeuge über den Deich ist inzwischen zurückgebaut worden.

Gebiet wird täglich überflutet

Das Naturschutzgebiet Zollenspieker Deichvorland ist die Heimat eines Süßwasserwatts. Das Gebiet ist Ebbe und Flut ausgesetzt, wird täglich überflutet. Aufgrund seiner besonderen Lage ist das Areal ein wichtiges Refugium für viele Pflanzen- und Tierarten, die anderswo durch die Kultivierung der Landschaft längst verdrängt wurden. Es gilt als das artenreichste Naturschutzgebiet im Hamburger Raum.

Die Ufer des in einem Abschnitt von 1300 Metern bereits vorhandenen Priels sollen naturschutzfachlich optimiert und abgeflacht werden: Er wird in einer Länge von 830 Metern in seiner Achse vom Deich weg verlegt. Außerdem soll der Priel um 400 Meter nach Osten verlängert werden. Weiterhin sollen fünf Schlenzen (Buchten) geschaffen werden, um strömungsberuhigte Uferlebensräume zu schaffen.

Auf einer Fläche von 3,9 Hektar soll sich langfristig ein Tideauwald entwickeln. Diese Vegetationsform ist in Europa sehr selten zu finden. Für die Vergrößerung dieses Au-Waldes werden speziell gezogene Weiden gepflanzt.

Nur außerhalb der Sturmflutsaison

Die Bauarbeiten können nur außerhalb der Sturmflutsaison (15. September bis 31. März) erledigt werden, erläutert Morten Klöpper, Baureferendar der Behörde für Umwelt und Energie (BUE). „Der Beginn der Erdarbeiten ist für Anfang Mai geplant. Bis September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.“

Umweltsenator Jens Kerstan betont, dass ihm wichtig sei, „dass die Kompensationsmaßnahmen genauso zügig vorankommen wie die Baumaßnahmen der Elbvertiefung“.

Auf der Billwerder Insel wird die Hamburg Port Authority (HPA, ehemals Strom- und Hafenbau) zwei ehemalige Absetzbecken des alten Wasserwerkes umbauen, um auch hier dem Schierlingswasserfenchel neuen Lebensraum zu bieten. Bis zum Monatsende laufen auch dort vorbereitende Maßnahmen, etwa die Herrichtung von Baustraßen und Baumfällungen. Bis Februar 2021 sollen die Becken umgebaut sein.