Was macht eigentlich...?

Lebensmittel bringt er auch heute noch an die Tür

Kaufmann durch und durch: Lothar Grube ist mit seinem Auto jede Woche unterwegs, um für frühere Kunden Einkäufe zu erledigen.

Kaufmann durch und durch: Lothar Grube ist mit seinem Auto jede Woche unterwegs, um für frühere Kunden Einkäufe zu erledigen.

Foto: Thomas Heyen

Neuengamme. Lothar Grube versorgte mit seinem rollenden Supermarkt 40 Jahre lang die Menschen. Wir erzählen, was er heute macht.

Sie waren bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“. Und was machen sie heute? In unserer Serie berichten wir über bekannte Menschen aus den Vier- und Marschlanden und ihr heutiges Leben.

40 Jahre lang war Lothar Grube in den Vierlanden mit seinem rollenden Supermarkt unterwegs, versorgte die Menschen mit Brot, Obst, Milch, Gemüse, frischem Fisch, Wurst und Fleisch und vielen weiteren Produkten des täglichen Bedarfs. Vor knapp zehn Jahren trat er in seinem Mercedes-Lkw die letzte Tour an und ging in den Ruhestand. „Der TÜV des 29 Jahre alten Lkw war schon zwei Monate abgelaufen, aber ich bin ihn gefahren, bis fast alle Artikel ausverkauft waren“, sagt der 75-Jährige. Mit seiner Frau Ursula (75) lebt er im Neuengammer Stegelviertel, in einem Haus, das sein Vater 1949 gekauft hat.

Der gelernte Im- und Exportkaufmann Lothar Wilhelm Paul Grube war 1969 in das Geschäft seiner Eltern eingestiegen – und gleich mit eigenem Verkaufswagen unterwegs. Seine Frau stieg drei Jahre später mit ein, aber in den Verkaufswagen des Vaters. Später fuhr sie – wie ihr Mann – allein mit Lebensmitteln und weiteren Waren (mehr als 700 Artikel) im Rücken durchs Landgebiet. 1985, nach dem Tod seiner Eltern, übernahm Lothar Grube die Leitung. Sogar das NDR-Fernsehen habe über die rollenden Grubes berichtet.

Mehr als 100 Stopps pro Tour

Ende der 90er-Jahre reduzierten die Eheleute ihren „Wagenpark“ von zwei auf einen Lkw, mit dem sie abwechselnd durch Neuengamme, Altengamme, Kirchwerder und Curslack tourten. Pro Tour habe es mehr als 100 Stopps gegeben. „Dass wir getrennt unterwegs waren, war wohl ganz gut für unsere Ehe“, sagt der 75-Jährige und grinst.

Eine ganz tolle Zeit sei das gewesen, bis zum Schluss, erinnert sich Grube: „Gelegentlich treffe ich frühere Kunden. Dann wird ausgiebig geschnackt.“ Damals habe er „alle Familienangelegenheiten gekannt“. Wenn er einkaufen gehe, tue er dies in Neuengamme, betont der Senior: „Ich würde nie in ein Geschäft in der Bergedorfer Innenstadt gehen. Hier kennt man sich. Ich unterstütze die Geschäftsleute von nebenan, wie ich früher selbst unterstützt wurde.“

Einige Kunden werden noch immer beliefert

So ganz kann der Kaufmann die Finger auch heute nicht vom Handel mit Lebensmitteln lassen: Für acht Senioren erledigt er wöchentlich den Einkauf, bekommt dafür eine Aufwandsentschädigung. „Das sind alte Kunden, die nicht gut zu Fuß sind“, sagt Grube. Er lässt sie Einkaufszettel ausfüllen, liefert einige Tage später mit seinem Ford Mondeo die gewünschten Lebensmittel und Zeitschriften. „Die Menschen freuen sich, wenn ich sie besuche, und mir geht es nicht anders. Oft ist genug Zeit für eine Tasse Kaffee und einen Klönschnack“, sagt Grube, der sich freut, dass er rauskommt. Überhaupt fahre er gern Auto. Deshalb mache ihm auch der lange Weg nach Iffeldorf bei Garmisch-Partenkirchen nichts aus: „Dort fahren wir häufiger hin, um unsere Tochter und deren Familie zu besuchen“, sagt Lothar Grube, der drei Töchter und vier Enkelkinder hat.