Kirchwerder

Naturschutz: Muss hier tatsächlich eine Schranke hin?

Der Fersenweg, 200 Meter hinter der Einmündung Kirchwerder Landweg, in Blickrichtung  Osten: Hier wollen Naturschutzverbände eine der beiden Schranken aufstellen lassen, die andere 2400 Meter weiter.

Der Fersenweg, 200 Meter hinter der Einmündung Kirchwerder Landweg, in Blickrichtung Osten: Hier wollen Naturschutzverbände eine der beiden Schranken aufstellen lassen, die andere 2400 Meter weiter.

Foto: Thomas Heyen

Kirchwerder. Nabu möchte die Amphibien im Naturschutzgebiet schützen, doch die Politiker bezweifeln ein nennenswertes Verkehrsaufkommen.

Kirchwerder.  Der Fersenweg zwischen Kirchwerder Landweg und Kirchenheerweg macht nicht den Eindruck, als wenn dort viele Autos fahren würden – zumal die Durchfahrt verboten ist. Die Straße liegt mitten im Naturschutzgebiet Kirchwerder Wiesen. Wohnhäuser gibt es an ihr nur wenige. Trotzdem sollen am Anfang und am Ende eines 2400 Meter langen Abschnitts, an dem es keine Wohnbebauung gibt, Schranken aufgestellt werden. Kosten: 150.000 Euro. Die Mitglieder des Regionalausschusses schluckten, als ihnen Volker Dinse, Referent der Umweltbehörde, diese Summe nannte – und signalisierten wenig Zustimmung zu dem Vorhaben.

Die automatischen, mit Chip-Karten (Transpondersystem) zu öffnenden Schranken sollen 200 Meter hinter der Einmündung zum Kirchwerder Landweg und 2400 Meter weiter in Richtung Kirchenheerweg, kurz hinter dem querenden Marschbahndamm aufgestellt werden. Chip-Karten würden knapp 20 Landwirte, deren Felder am Straßenrand liegen, sowie Polizei und Feuerwehr erhalten. Damit die Hightech-Systeme funktionieren, müssten die Transpondersysteme ans Stromnetz angeschlossen werden, was den Löwenanteil der Kosten ausmache. „Die Anlagen könnten im Herbst stehen“, sagte Dinse.

Zahlreiche Einwände

Doch die Politiker mochten dem Mitarbeiter des Naturschutzamtes keinen entsprechenden Auftrag erteilen. Sie fordern eine „qualifizierte und damit zuverlässige Verkehrszählung“, wollen sich dann erneut beraten. Sie hatten zahlreiche Einwände – von fehlenden Wendemöglichkeiten über bisher nicht erhobene Verkehrszählungen bis zur grundsätzlichen Sinnhaftigkeit der Maßnahme.

„Schließlich gibt es bereits Durchfahrt-verboten-Schilder“, sagte Markus Gronau (CDU). Sein Parteifreund Jörg Froh sprach von „Geld verbrennen“. Peter Gabriel (SPD) sah das ähnlich: „Wozu Schranken, wenn kaum jemand durchfährt?“ Es sei „keine hanseatische Politik“, wenn Entscheidungen ohne Grundlagen getroffen würden, meinte Harald Martens (SPD).

Nabu habe „Druck gemacht“

Dinse entgegnete, dass schon wenige Fahrzeuge viele Frösche, Kammmolche und Ringelnattern überfahren würden. Deshalb hätten Naturschutzverbände wie der Nabu „Druck gemacht“. Er zeigte sich über den plötzlichen Meinungswechsel der Politiker überrascht: „Die Beschrankung wurde 2009 von der Bezirksversammlung angestoßen und steht auch im Pflegeplan, den unsere Behörde 2012 veröffentlicht hat. Dem hat damals der Umweltausschuss zugestimmt, der Regionalausschuss war zugeladen und auch präsent“, sagte Dinse. Schon damals sei über die Kosten der Schranken, die die Umweltbehörde trägt, diskutiert worden.