Grabplatte

St. Severini: Ehrenplatz für den ältesten, großen Grabstein

Klaus Benszus und Walter Eckartsberg mit Hans-Jürgen Kühn, Leiter der Friedhofsverwaltung, Friedhofsgärtner Heiko Schmitt und Steinmetzmeister Jens Gothmann (v.li.) vor der verlegten Grabplatte von 1586.

Klaus Benszus und Walter Eckartsberg mit Hans-Jürgen Kühn, Leiter der Friedhofsverwaltung, Friedhofsgärtner Heiko Schmitt und Steinmetzmeister Jens Gothmann (v.li.) vor der verlegten Grabplatte von 1586.

Foto: Thomas Heyen

Kirchwerder. Der 1,6 Tonnen schwere Koloss von 1586 wird verlegt. Förderverein der Kirche organisiert die aufwendige Aktion.

Kirchwerder.  Die älteste der 84 großen Grabplatten auf dem Friedhof am Kirchenheerweg wurde aufwendig verlegt. Bisher befand sich die massive, etwa 1,6 Tonnen schwere Platte aus Kalksandstein am südlichen Ende des Friedhofs, abseits zwischen zwei Bäumen liegend. Nun befindet sie sich in Sichtweite des Haupteingangs des Gotteshauses. In den kommenden Wochen soll die Platte des Grabs der Familie Eggers aus dem Jahr 1586 von Steinen und einer Eiben-Hecke umrandet werden. Mehr als 1000 Euro kostet die Aktion, die von der Arbeitsgruppe Grabplatten des Fördervereins der Kirche organisiert worden ist.

„Wir haben die Grabplatte quasi in ihren Ursprungszustand zurückversetzt“, sagt Walter Eckartsberg aus der Projektgruppe. „Denn früher befanden sich die Bauerngrabplatten nicht abseits am Rand, sondern lagen prominent auf dem Friedhof.“ Durch die massiven, mit Ornamenten verzierten Steinplatten wurden die Gräber vor Sturmfluten und vor wilden Tieren geschützt.

Stein kostete damals drei Jahreslöhne eines Knechts

Mit einem Radlader, gesponsert von der in der Nachbarschaft ansässigen Firma Wolfgang Wehr, transportierte Friedhofsgärtner Heiko Schmitt die mehr als 400 Jahre alte Grabplatte zu ihrem neuen Liegeplatz. Dabei lag der Stein nicht auf der Gabel des Fahrzeugs, sondern baumelte an Strops (Spezialbändern), die um die Platte gewickelt worden waren. Überwacht und begleitet wurde die Verlegung des Kolosses von Steinmetzmeister Jens Gothmann.

Die Projektgruppe hat sich den Erhalt und die Instandsetzung der größten Ansammlung historischer Großgrabplatten in ganz Norddeutschland auf die Fahne geschrieben. Vor vier Jahren wurde mit dem Projekt begonnen. Unter anderem wurde am Friedhofseingang eine Infotafel aufgebaut, die über die Geschichte der historischen Kolosse informiert. Die Restauratorin Stephanie Silligmann unterstützt die Arbeitsgruppe. Sie wird im Frühjahr auch den Stein der Familie Eggers aufarbeiten.

Wo das Familiengrab war, ist nicht bekannt

Die anderen großen Grabplatten stehen aufgereiht am Rand des Friedhofs. Die zugehörigen Gräber befanden sich woanders. „Wo sich das Grab der Familie Eggers befand, ist nicht bekannt“, sagt Eckartsberg.

In der Mitte der verwitterten Vorderseite befindet sich ein Relief. Es zeigt die sogenannte Hausmarke, eine Art Wappen, der Bauernfamilie Eggers. „So ein Stein kostete damals ein Vermögen, etwa drei Jahreslöhne eines Knechts“, rechnet Klaus Benszus aus der Projektgruppe vor. Sie befindet sich stets
in enger Abstimmung mit dem Kirchenverwaltungszentrum und dem Denkmalschutzamt.