Reitbrook.

Ein Denkmal, das keiner sieht

Schreiben verunsichert Empfänger, soll aber Klarheit bringen

Reitbrook. Fortsetzung von Seite 1


Dort, wo die Familie Langeloh ihre Wäsche zum Trocknen aufhängt oder die Kinder toben, soll sich ein Bodendenkmal befinden. Das kann Hofchef Jan-Hendrik Langeloh kaum glauben. Denn zu erkennen ist nichts auf der ebenen Rasenfläche. Und genau das ist laut Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss das Problem: „Die meisten Bodendenkmäler sind überwiegend oberirdisch nicht sichtbar und deshalb besonders gefährdet, weil ihre Existenz vielen Grundstückseigentümern nicht bekannt ist“, sagt der Direktor des Archäologischen Museums.

Bodendenkmäler sind archäologische Relikte wie Grabhügel, Siedlungsgrundrisse aus der Steinzeit oder Reste einer mittelalterlicher Befestigungsanlage. In den Vier- und Marschlanden seien vielfach Wurte und Warften nachgewiesen worden – Siedlungshügel, die Mensch und Tier Schutz vor Hochwasser bieten sollten – wie eben auch auf dem Gelände des Milchhofs Reitbrook am Vorderdeich.

Dort soll eigentlich demnächst mit dem Bau eines neuen Wohnhauses für den 42 Jahre alten Landwirt, seine Frau und zwei Kinder begonnen werden. „Die Baugenehmigung sollte demnächst kommen“, sagt Jan-Hendrik Langeloh. Der Brief des Museums bereitet ihm nun Sorgen. Er fürchtet, dass das Bauprojekt in Gefahr sein könnte.

Bodendenkmäler dürfen nach den Richtlinien des Hamburger Gesetzes bereits seit 1973 nicht zerstört werden, entsprechende Listen wurden bisher aber nur behördenintern geführt. „Daher konnte man sich als Grundstückseigentümer herausreden, man habe ja nichts gewusst. Jetzt geht das nicht mehr“, erklärt Direktor Weiss. Und: Wer fahrlässig das Denkmal zerstört oder Arbeiten daran ohne Genehmigung durchführt, kann mit Geldstrafe von bis 500.000 Euro belegt werden.

Dass die Grundeigentümer über die archäologischen Schätze auf ihrem Land informiert werden müssen, wurde bereits 2013 in ein Gesetz aufgenommen. Fünf Jahre später werden jetzt hamburgweit die Schreiben verschickt. Zwei Museumsmitarbeiter waren solange mit Kartierungen und Überprüfungen beschäftigt.

Für die Grundeigentümer bedeutet dies: Veränderungen müssen in jedem Fall bei der Bodendenkmalpflege angezeigt werden und unterliegen einer Genehmigungspflicht. Noch eine Institution, die Langeloh neben Bauamt und Denkmalschutz in seine Pläne auf dem Hof einbeziehen muss: „Das macht es nicht gerade einfacher“, sagt er.