Altengamme

Hetzjagd auf Reh bleibt vorerst ungesühnt

Polizeiposten Martin Langfeld an der Stelle im Altengammer Deichvorland, von der aus er im April beobachtete, wie die Hunde das Reh totbissen.

Polizeiposten Martin Langfeld an der Stelle im Altengammer Deichvorland, von der aus er im April beobachtete, wie die Hunde das Reh totbissen.

Altengamme. Hundehalterin lässt Termin vor dem Bergedorfer Amtsgericht platzen. Dabei hatte sie Einspruch gegen Strafbefehl eingelegt.

Altengamme.  Zwei Hunde jagten und töteten im April im Altengammer Deichvorland ein Reh. Die Halterin, eine Geesthachterin (49), hatte den Terrier-Mischling und den Border-Collie-Mischling bei einem Spaziergang von der Leine gelassen, obwohl in Hamburg Leinenzwang herrscht. Außerdem befand sich die Frau mit ihren Hunden in einem Naturschutzgebiet – während der Brut- und Setzzeit (wir berichteten). Die Frau erhielt wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und Sachbeschädigung einen Strafbefehl über eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu jeweils 20 Euro. Dagegen erhob sie Einspruch. Gestern hatte die Geesthachterin vor dem Bergedorfer Amtsgericht die Chance, ihren Einspruch zu begründen. Doch sie blieb der Hauptverhandlung fern.

Der Richter wurde aus der schriftlichen Abwesenheitsbegründung, die der Rechtsanwalt der Frau überreichte, nicht schlau. Es handelte sich um ein ins Deutsche übersetztes Schreiben auf schlecht lesbarem Papier. Die Hundehalterin muss damit rechnen, die Mehrkosten – es waren auch Zeugen geladen – zu tragen, selbst wenn sie freigesprochen wird. Für die Verhandlung soll es einen Ersatztermin geben. Er steht noch nicht fest.

Angeklagte soll Zeugen hören

Auch der Verteidiger forderte einen zweiten Termin, „damit sich die Angeklagte äußern kann“. Sie sei kommende Woche wieder im Lande. Die beiden Zeugen wurden nicht angehört. Sie werden erneut erscheinen müssen. „Die Angeklagte soll hören, was die Zeugen sagen“, meinte die Staatsanwältin. Franz Marschall hatte das Drama verfolgt und den Notruf der Polizei gewählt. Martin Langfeld, Polizeiposten Altengamme, war kurz darauf vor Ort.

Langfeld beobachtete durch sein Fernglas, wie sich die Hunde in rund 100 Metern Entfernung hinter dem Zaun eines eingezäunten Priels in den Hinterläufen des Rehs verbissen hatten. „Die Hetzjagd war da bereits vorbei“, sagt der Polizist. Er hatte damals Jagdpächter Peter Karven „zur Verstärkung“ angerufen. Der rückte mit einer Schrotflinte an. Karven hätte die Hunde erschossen, wenn das Reh so hätte gerettet werden können oder wenn die Tiere im Blutrausch auf Menschen losgegangen wären.

Doch dazu kam es nicht. Der eine Mischling lief schnell zu seinem Frauchen auf der Deichkrone zurück, der andere ließ erst von der toten, hochtragenden Ricke ab, als Langfeld und Karven „mit der Flinte im Anschlag“ über den Zaun gestiegen waren. Die Halterin sei zwar geschockt gewesen, habe aber betont, dass Hunde auch mal kurz von der Leine gelassen werden müssten.

Hetzjagden „alle naselang“

Frank Köther, ebenfalls Jagdpächter in den Vierlanden, erlebt „nahezu täglich“ unangeleinte Hunde auf dem Deich oder im Deichvorland. „Ich spreche dann mit den Leuten. Meist sind sie einsichtig“, sagt er. Andere würden sich im Dunkeln mit ihren Vierbeinern rausschleichen. Auch Hetzjagden seien keine Ausnahme: „Ich habe selbst oft gesehen, wie Wildtiere von Hunden gehetzt werden. Dann rufe ich die Polizei. Leider passiert das alle naslang.“