Bauarbeiten

Billwerder Insel: Ausgleich für die Elbvertiefung beginnt

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Moorfleet. Bauarbeiten auf der Billwerder Insel starten Anfang November. In den kommenden drei Wintern wird gearbeitet.

Mit der Sondierung und Räumung von Kampfmitteln in der Elbe haben die ersten vorbereitenden Maßnahmen zur Elbvertiefung bereits begonnen. Nun soll auch die Umsetzung der Ausgleichsmaßnahme starten. „Wir dürfen und wollen jetzt bauen“, sagt Jörg Oellerich, Chefplaner der Hamburg Port Authority (HPA) für die Elbvertiefung.

Auf der Billwerder Insel ist ein grünes Refugium geplant, das insbesondere für den Schierlingswasserfenchel perfekte Lebensbedingungen bieten soll. Gutachten gehen davon aus, dass das geschützte Pflänzchen, das nur an der Elbe vorkommt, durch die Vertiefung der Fahrrinne negativ beeinflusst wird. Als Ausgleich müssen daher 200 Pflanzen an einem neuen Standort angesiedelt werden. Auch im bestehenden Naturschutzgebiet Zollenspieker soll dafür ein verlandeter Priel aufgeweitet werden.

Erste Lastwagen rollen am 1. November an

Auf der Billwerder Insel werden in den kommenden drei Wintern zwei von insgesamt vier Absetzbecken des ehemaligen Elbwasser-Filterwerks umgebaut. Die jeweils 1,5 Hektar großen Becken sollen so hergerichtet werden, dass sie unter den Einfluss von Ebbe und Flut kommen und der Schierlings-Wasserfenchel dort wachsen kann.

Ab dem 1. November sollen die ersten Lastwagen auf der Billwerder Insel anrollen: Bis Februar werden auf dem Gelände unter anderem Baustraßen angelegt. Über den Sommer wird das Areal dann wieder der dort brütenden Kormoran-Kolonie überlassen. In den folgenden zwei Wintern soll dann jeweils ein Becken hergerichtet werden. Im März 2021 soll die Maßnahme fertiggestellt sein. Bis dahin fließen laut HPA „einige Millionen Euro“ in die Ausgleichsmaßnahme der Elbvertiefung.

Durch die Anpassung der Fahrrinne soll diese so ausgebaut werden, dass Containerschiffe mit einem Tiefgang bis zu 13,5 Metern unabhängig von Ebbe und Flut in den Hamburg Hafen einfahren können.

Anfahrt der Baufahzeuge über die Autobahn 1

Es soll Grün werden auf der Billwerder Insel: Dort wo einst ein erster Schritt zur Trinkwassergewinnung gemacht wurde, soll in den kommenden drei Jahren ein Lebensraum für Weiden, Auwald und vor allem den Schierlings-Wasserfenchel entstehen. Als Ausgleich für die Elbvertiefung baut die Hamburg Port Authority (HPA) dort zwei ehemalige Absetzbecken um.

Versteckt im Winkel zwischen Autobahn 1 und Dove-Elbe sollen dort ab dem 1. November die ersten Baumaschinen anrollen. Der Anfahrtsverkehr wird über die A1 abgewickelt: Lastwagen werden von Norden anfahren und dürfen in Absprache mit der Autobahnmeisterei eine Behelfsausfahrt kurz vor der Norderelb­brücke nutzen. Über den Moorfleeter Hauptdeich gelangen sie so zum Gelände.

Abfahrt über Moorfleeter Hauptdeich und Tatenberger Weg

Abfahren werden die Lkw allerdings nicht auf diesem Weg: „Die Auffahrt wäre für die Beschleunigung zu kurz“, erklärt Marc Kindermann, bei der HPA federführend verantwortlich für das Projekt Billwerder Insel. Deswegen werden die Lastwagen über den Moorfleeter Deich und Tatenberger Weg abfahren. Die Anwohner müssen aber kein Verkehrschaos: „Zu Spitzenzeiten werden maximal zwölf Lkw pro Tag vorbeifahren“, sagt Jörg Oellerich, HPA-Chefplaner für die Elbvertiefung. Diese Anzahl sei nicht tagtäglich zu erwarten, sondern nur wenn Transporte anstehen.

In den kommenden drei Wintern soll dort gearbeitet werden, in den Sommermonaten wird das Areal dann den Kormoranen überlassen. „Mehr als 300 Paare brüten dort“, sagt Marc Kindermann. Bis Februar werden vorbereitende Maßnahmen erledigt: Baustraßen hergerichtet und Durchflüsse abgedichtet.

Wald wird schnell wachsen

Im Winter 2019/2020 (September bis Februar) sowie 2020/2021 erfolgt jeweils der Umbau eines Absetzbeckens. In die 1990 stillgelegten Becken wurde früher Wasser aus der Elbe gepumpt, damit sich Schwebstoffe am Boden absetzen. Der heute enthaltene Schlamm auf dem Boden soll getrocknet und entsorgt werden. Die Bodenplatte aus Ziegelsteinen und Beton wird zerkleinert und zum Aufbau von Inseln, und Prielen genutzt.

Der Tideanschluss ist über einen vorhandenen Graben unter der A1 und einen Durchstich zum Holzhafen geplant. Mit der Zeit soll so neben den einstigen Pumpenhäuschen der Filteranlage eine Auenlandschaft entstehen. Anfangs werde man nachhelfen und Weiden sowie Schierlingswasserfenchel pflanzen und säen. „Die Erfolge werden schnell sichtbar werden. Schon nach zehn Jahren wird ein Wald gewachsen sein“, sagt Kindermann. Er erkennt darin ein besonderes Nebeneinander: „Ein Elbdschungel zwischen alter Industrie-Architektur.“

Naturschutzgebiet, aber auch frei zugänglich?

Die Planer sind überzeugt, dass das Areal künftig zum Naturschutzgebiet ernannt wird. Ob das Gelände, das derzeit nicht frei zugänglich ist, dann geöffnet wird, ist noch nicht entschieden.