Hubertus Meyer-Burckhardt

Holprige Hommage an die starken Frauen

 Hubertus Meyer-Burckhardt liest beim Landfrauenverband aus seinem Buch "Frauengeschichten“.

Hubertus Meyer-Burckhardt liest beim Landfrauenverband aus seinem Buch "Frauengeschichten“.

Foto: NEWS & ART

Moorfleet. Hubertus Meyer-Burckhardt stellt sein Buch bei den Landfrauen vor und steht vor unerwarteten Herausforderungen.

Es sollte ein fast philosophischer Abend „über das Leben“ werden. Er wollte der Frage nachgehen: „Was bleibt von der Person ohne ihre Funktion?“, wollte berichten, was er von starken Frauen gelernt hat. Hubertus Meyer-Burckhardt, Film- und TV-Produzent, Journalist, Autor – den meisten wohl als Moderator der „NDR-Talkshow“ an der Seite von Barbara Schöneberger bekannt –, war mit seinem Buch „Frauengeschichten“ am Dienstagabend zur Lesung bei den Landfrauen im Kompetenz- und Beratungszentrum für Gartenbau und Landwirtschaft am Brennerhof zu Gast.

Nachfrage war so groß, man hätte auch die Elphi füllen können

Der Abend mit dem prominenten Medienmann war rasant ausgebucht. „Bei 100 Teilnehmern mussten wir Schluss machen, wir hätten mit Ihnen wohl fast die Elphi füllen können“, scherzte und flirtete Landfrauen-Chefin Angela Becker zur freudigen Begrüßung von Meyer-Burckhardt.

Der ging mit seinen Gastgeberinnen weniger charmant um, obwohl er als fast einziger Mann im Saal doch den „Hahn im Korb“-Bonus hatte. „Dies ist die erste von 300 Lesungen, in der ich mangels Ständer mit einem Mikrofon in der Hand lesen soll“, brüskierte er den Landfrauenverband: „Das ist eine Herausforderung hier. Wenn ich mich hinsetze, können sie mich nicht sehen. Wenn ich ohne Mikro lese, auch nicht hören.“

Mischung aus Lesung, flacher Witze und Liebeslyrik

Vielleicht hätte Hubertus Meyer-Burckhardt das Lebensmotto seiner Großmutter beherzigen sollen: „Wir rechnen mit dem Schlimmsten und hoffen auf das Beste“, oder das von ihm zitierte Credo der Soziologin Annelie Keil: „Das Leben muss nicht halten, was es Dir verspricht.“ Vielleicht wollte er den „starken Landfrauen“ auch nur demonstrieren, dass Frauen und Männer mit den Herausforderungen des Lebens, von der kleinen Technikpanne bis zum lebensbedrohlichen Schicksalsschlag, offenbar völlig anders umgehen. Burckhardt: „Frauen brechen auf, Männer brechen ein im Alter.“

Die Lesung erwies sich als zufällig erscheinende Mischung aus Lesung des eigenen Buches „Frauengeschichten“ und dem Heraushauen flacher Mann-Frauen-Witze. Dazu reihte er fast inflationär Lebensmottos mehr oder minder bekannter Frauen (und Männer) aneinander, rezitierte etwas zusammenhanglos Liebeslyrik. Als „roter Faden“ zog sich dagegen das Technikproblem durch den Abend.

Schweinwerferlicht fehlt, Rednerpult kracht zusammen

Dabei hätte Meyer-Burckhardt als gestandener Profi die goldene Moderatoren-Regel „Thematisiere niemals technische oder organisatorische Unzulänglichkeiten“ kennen müssen. Doch er fühlte sich offenbar alles andere als wohl im nicht vorhandenen Scheinwerferlicht: „Können Sie mich noch sehen, ich kann kaum noch lesen – das Licht schwindet zusehends.“

Spätestens als das höhenverstellbare Rednerpult mit lautem Krachen in sich zusammensackte, nachdem Meyer-Burckhardt sich mit aufgekrempelten Hemdsärmeln betont locker dagegen lehnte, hatte die Technik den starken Frauen die Bühne geklaut. „Sie lassen auch gar nichts aus, in dieser Anstalt für Landwirtschaft und Viehzucht, in diesem Hollywood der Bühnentechnik“, polterte Meyer-Burckhardt und hatte mit dem Fauxpas, die Gartenbauer mit Viehzüchtern zu verwechseln, nun bei vielen Zuhörerinnen den Sympathievorschuss vollends aufgebraucht.

In Zumutung steckt auch Mut

Dabei hatte der Autor durchaus Interessantes von seinen Begegnungen mit starken Frauen zu berichten. Exemplarisch griff er sich die österreichische Schauspielerin, Sängerin und Schriftstellerin Erika Pluhar heraus. Ihr erster Mann, das Enfant terrible der österreichischen Gesellschaft, Udo Proksch, wurde wegen sechsfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt und starb im Gefängnis. Ihre Tochter starb bei einem Asthmaanfall. Doch Pluhar bleibt lebensfroh, sagte einmal: „Das Leben ist auch ein Geschenk, selbst wenn dir nichts geschenkt wird.“ Oder auch: „Das Leben ist zwar eine Zumutung. Aber darin steckt auch das Wort Mut.“

Hubertus Meyer-Burckhardt zollt solchen Frauen höchsten Respekt, sieht darin eine besondere Stärke des weiblichen Geschlechts: „Frauen werden nicht in Würde alt, sie bleiben in Würde jung“ betont er.

Was wir von den Amerikanern lernen können

Und was sagen ihm die vielen Begegnungen mit starken Frauen für sein eigenes Leben? „In keinem Land werden so viele Versicherungen abgeschlossen wie in Deutschland, da könnten wir von Amerikanern doch etwas lernen“, holt er aus: „Ein Leben, das nur aus Siegen besteht, ist ein armes Leben.“ Und damit trifft Meyer-Burckhardt am Ende des Abends auch und gerade bei den Landfrauen doch noch ins Schwarze.

In einer früheren Version dieses Artikels haben wir von einem suizidalen Tod André Hellers, dem zweiten Ehemann von Erika Pluhar, geschrieben. Dieser Fehler wurde berichtigt.