„Landvergnügen“

In Altengamme sind Camper kostenlos willkommen

Wolfgang Kahlbrock bietet am Horster Damm „Landvergnügen“-Stellplätze für Wohnmobile kostenlos an. Die Camper dürfen auch seinen Garten besichtigen.

Wolfgang Kahlbrock bietet am Horster Damm „Landvergnügen“-Stellplätze für Wohnmobile kostenlos an. Die Camper dürfen auch seinen Garten besichtigen.

Foto: Thomas Heyen

Altengamme. Ehepaar Kahlbrock ist als einziger Hamburger Gastgeber bei dem Wohnmobil-Projekt „Landvergnügen“ dabei.

Altengamme.  „Landvergnügen“ nennt sich ein Projekt, das vor fünf Jahren von Ole Schnack ins Leben gerufen wurde. Der Berliner importierte die Idee nach einem Wohnmobil-Urlaub mit seiner Familie in Frankreich: Grundeigentümer stellen kostenlos für 24 Stunden einen bis drei Stellplätze für Wohnmobile, Campingbusse oder Wohnwagen zur Verfügung.

Der Lohn der Gastgeber: Sie lernen Menschen aus ganz Europa kennen, knüpfen Kontakte und können Werbung für ihr Weingut, ihren Bauernhof mit Hofladen, ihren großen Gemüsegarten, ihre Schafzucht, ihre Molkerei oder ihre kleine Privatbrauerei betreiben. In ganz Hamburg beteiligt sich nur ein Gastgeber: Das Ehepaar Ulla und Wolfgang Kahlbrock aus Altengamme.

Seit 2015 bieten die Kahlbrocks drei Stellplätze am Horster Damm neben dem Sommerbad Altengamme an. Camper, die ihr Fahrzeug dort parken wollen, benötigen den aktuellen „Landvergnügen“-Katalog. Er ist jeweils vom 1. April bis zum 31. März gültig, kostet 29,90 Euro und enthält auch eine Vignette, die an die Windschutzscheibe geklebt wird.

Fast 600 Gastgeber

Inzwischen kann Ole Schnack mit dem Projekt Geld verdienen. „2014 betrug die Auflage des Stellplatzführers rund 4000 Exemplare, inzwischen sind es fast 26 000“, sagt „Landvergnügen“-Mitarbeiterin Anne Schikora. Damals gab es rund 200 Gastgeber, heute sind es fast 600.

Christian Günther, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Campingwirtschaft in Deutschland, erkennt in dem Projekt „keine Konkurrenz, sondern ein weiteres Angebot“. Den deutschen Camping- und Wohnmobilstellplatzvermietern würde das „Landvergnügen“ bisher keine finanziellen Einbußen bescheren, sagt Günther. Doch gebe es, wie überall, schwarze Schafe, betont er: In den meisten Bundesländern würden sogenannte Campingplatz- und Wochenend-Verordnungen den Umgang mit Stellplätzen regeln. „Meist gilt, dass ab vier Stellplätzen und mehreren Übernachtungen desselben Gasts das Grundstück baurechtlich wie ein Campingplatz zu behandeln ist. Doch die Auflagen hinsichtlich etwa Brandschutz, Wasser, Abwasser und Strom werden von einigen Anbietern ignoriert“, sagt Günther.

Gelegentlich selbst im Wohnmobil unterwegs

Das Ehepaar Kalbrock – im Katalog auf Seite 28 zu finden – hält sich an die Regeln. Wolfgang Kahlbrock (69) leiht sich gelegentlich selbst gern ein Wohnmobil von einer Bekannten, um mit seinem Schwager zu wandern. Übernachtet wird natürlich auf „Landvergnügen“-Plätzen.

Seine Gäste in Altengamme dürfen durch den riesigen, idyllischen Garten spazieren, können selbstgemachte Marmelade von Ulla Kahlbrock kaufen und für 1 Euro am Tag Dusche und WC im Schuppen benutzen. „Jedes Jahr haben wir über 100 Gäste“, sagt der Altengammer. „An den Wochenenden kommen häufig Ottensener zu uns. Dann stehen hier oft alte VW-Busse.“ Alle Gäste lernt er persönlich kennen, einige auch besser, manche haben schon einen Gegenbesuch von den Kahlbrocks erhalten. Mit einigen Campern, die auch aus Holland, Österreich, der Schweiz, England oder Frankreich kommen, sitzen die Eheleute abends lange auf ihrer Terrasse bei einer Flasche Wein zusammen. „Es ergibt sich gelegentlich ein nettes Beisammensein, aber nicht automatisch“, sagt der Viehhändler im Ruhestand.

Der Katalog ist im Buchhandel erhältlich, und im Netz: www.landvergnue gen.com.