Musikspektakel

Kult-Festival „Wutzrock“ feiert 40. Geburtstag

Auf der Bühne standen bei Wutzrock schon Musikgrö´en wie Deichkind und Geier Sturzflug. Auch in diesem Jahr wird Programm geboten.

Auf der Bühne standen bei Wutzrock schon Musikgrö´en wie Deichkind und Geier Sturzflug. Auch in diesem Jahr wird Programm geboten.

Foto: Wutzrock/Galactic Entertainment

Allermöhe. Runde Ausgabe des Musikspektakels steigt vom 10. bis 12. August am Eichbaumsee.

Die kleinen Kinder aus den großen Wohnsiedlungen Bergedorf-West und Lohbrügge-Nord waren Ende der 70er-Jahre zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen
herangewachsen. Doch in den neuen Wohnanlagen gab es keine Orte, an denen sich junge Menschen treffen konnten. Die Planer hatten schlichtweg nicht daran gedacht. Die jungen Menschen forderten damals ein Jugendzentrum in Selbstverwaltung – und bekamen es in Form von Unser Haus mit dem Café Flop an der Wentorfer Straße 26.

Am Anfagen stand eine Solidaritätsparty

Um das Jugendzentrum und die Initiative „Unser Haus – Verein für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum in Bergedorf“ finanzieren zu können, wurde im Dezember 1978 im Juz Reinbek eine Solidaritätsparty gefeiert. Für das Jahr darauf wurde ein Musikfestival im Billtal-Stadion organisiert – die Geburtsstunde von Wutzrock. 39 Jahre ist das mittlerweile her. Deshalb soll die 40. Ausgabe des „Umsonst & draußen“-Spektakels vom 10. bis zum 12. August am Eichbaumsee besonders bunt gefeiert werden.

Deichkind und Geier Sturzflug standen auf der Bühne

Weil es ein Fest so groß und legendär wie das amerikanische Woodstock-Festival werden sollte, weil sich in der Nähe des Stadions ein Wildschwein-Gehege befand, und weil die Organisatoren „die Sau rauslassen“ wollten, hieß schon die erste Ausgabe am 30. Juni 1979 „Wutzrock“. Sie lockte 2000 Menschen an.

Wutzrock wurde in den folgenden Jahrzehnten an wechselnden Orten gefeiert, etwa auf den Billewiesen, am Havighorster Weg, im Gewerbegebiet Allermöhe und in einem Zelt auf dem Frascatiplatz. Bands mit großen Namen traten auf, etwa Jan Delay mit Absolute Beginner (1997) und zweimal die Bergedorfer Hip-Hop-Combo Deichkind (1999, 2004). Geier Sturzflug sangen am 28. Mai 1983 ihren Hit „Bruttosozialprodukt“ vor der Wutzrock-Community. „Die hatten ihren Auftritt bei uns zugesagt, als sie noch recht unbekannt waren, bevor das Lied Platz eins der Charts eroberte“, sagt Jörn Höller (60), der bei allen Festivals dabei war – beim ersten als Besucher, danach als Mitarbeiter. „Das passiert öfter: Wir buchen Bands, die spielen bei Wutzrock und werden dann bekannt“, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu.

Zum 40. kommen Bands aus jedem Jahrzehnt

Schriftsteller Max Goldt („Wissenswertes über Erlangen“) war 1988 mit Foyer des Arts am Start. Die Goldenen Zitronen, Hamburgs Kult-Punker, spielten im September 1987 im Zelt auf dem „Fras“. Damals wurde Wutzrock in den Abendstunden fast eine Woche lang gefeiert. Das Kabarett-Duo Herrchens Frauchen, die Cucumber Men, die Sam Ragga Band, Isolation Years, Fehlfarben, Monsters Of Liedermaching, Reimzig, X-Agenten, Big Light („Trouble Is“), Tito & Tarantula, Feine Sahne Fischfilet, Rainer von Vielen, Slime, Panteón Rococó und viele gute Acts mehr waren dabei.

300 Mitarbeiter sind ehrenamtlich am Werk

Bei der 40. Auflage tritt eine Band aus jedem Wutzrock-Jahrzehnt auf, also Gruppen, die in den verschiedenen Dekaden des Festivals gespielt haben: die Druckknöpfe (Punkrock), das Brunstorfer Stallohrchester (Rock), das sich in TempoZoo umbenannt hat, die Punkrocker von Dritte Wahl und die Bergedorfer Reggae-Hip-Hop-Formation I-Fire. Die Bands bekommen kleine Gagen, die 300 Wutzrock-Mitarbeiter sind ehrenamtlich unterwegs.

„Wir planen wieder Sonne“, sagt Sabine Vielhaben (59) und lacht. Bei schlechtem Wetter ist Wutzrock ein Minusgeschäft, so geschehen 2015 und 2016. „Vergangenes Jahr war das Wetter zum Glück in Ordnung“, sagt Sabine Vielhaben. „Doch die Finanzierung ist immer eine Hängepartie“, sagt Marianne Weis (56). „Wir können generell nie ein Festival vorfinanzieren.“

Finanziert durch den Verkauf von Speisen und Getränken

Seit einigen Jahren ist das Open-Air-Spektakel am Eichbaumsee in Allermöhe beheimatet, wo auch die 40. Ausgabe gefeiert wird. Nicht immer war das Festival „umsonst & draußen“: Für die ersten zehn Ausgaben wurde (ein geringer) Eintritt verlangt. Doch seitdem finanziert sich Wutzrock ausschließlich durch den Verkauf von Speisen und Getränken. Deshalb sind mitgebrachte Durstlöscher vor den beiden Livebühnen nicht gestattet.

„Nach der zehnten Ausgabe wurde fast die gesamte Organisatorengruppe durchgetauscht“, sagt Jörn Höller. „Die Nachfolger waren mit Unser Haus nicht so eng verbunden.“