ÖPNV

Kritik an Busverbindungen„Wir brauchen Mobilität“

Bezirksamtsleiter Arne Dornquast (4. v. rechts) und VHH-Geschäftsführer Jan Görnemann (3. v. rechts) mit weiteren Politikern und Referenten bei der Podiumsdiskussion in Aula der Schule Ochsenwerder.

Bezirksamtsleiter Arne Dornquast (4. v. rechts) und VHH-Geschäftsführer Jan Görnemann (3. v. rechts) mit weiteren Politikern und Referenten bei der Podiumsdiskussion in Aula der Schule Ochsenwerder.

Foto: thomas heyen

Bergedorf. Kritik von Politik und Bürgern im Regionalausschuss wegen schlechter Busanbindungen – VHH finden „Grundversorgung sehr gut“

Bergedorf.  Geänderte Verbindungen, Busse, die nur selten fahren: Die VHH sind für viele Menschen auf dem Lande ein Reizwort, besonders nachdem die Verbindung in die Hamburger Innenstadt durch die Buslinien 120 und 124 im vergangenen Jahr wegen Bauarbeiten auf der Amsinckstraße gekappt wurde. Allein die Landfrauen sammelten im März 2530 Unterschriften mit der Forderung, die Verbindung wieder aufzunehmen. Sämtliche Fraktionen der Bezirksversammlung hatten den durchgehenden Busbetrieb bis zum Hamburger ZOB gefordert. Knapp 150 Besucher erschienen nun zur Sitzung des Regionalausschusses. Die „ÖPNV-Versorgung in den Vier- und Marschlanden“ war einziges Thema der Sitzung, die eigens in die Aula der Schule Ochsenwerder verlegt worden war.

Froh über neue Route

In einem waren sich alle einig: Dass die Vier- und Marschländer ab dem 7. Juli wieder auf direktem Weg mit dem Bus in die Hamburger Innenstadt kommen, ist eine gute Nachricht (wir berichteten). Statt über die Amsinckstraße führt die neue Route vom Bahnhof Tiefstack über Ausschläger Allee, Vierländer Damm, Billhorner Deich, Billwerder Steindamm, Ausschläger Weg und Berliner Tor. „Der Weg zu diesem Ergebnis war allerdings nicht gut“, sagte Harald Martens (SPD).

Unzufrieden mit der Kommunikation

Der Regionalausschuss ist nach Auskunft des Vorsitzenden Bernd Capeletti nie über die Kappung der Innenstadt-Verbindung informiert worden. „Wir haben uns eingeschaltet, nachdem immer mehr Bürger uns auf das Problem ansprachen“, sagt Capeletti (CDU). Sein Parteifreund Jörg Froh und Linken-Politiker Ernst Heilmann kritisierten, dass Görnemann erst jetzt der Einladung in den Ausschuss gefolgt sei.

Bezirksamtsleiter Arne Dornquast sah das ganz anders: Die VHH seien ein Vertragspartner der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI), der nicht in den Ausschuss zitiert werden könne. Dies sei auch gar nicht notwendig gewesen, da „mit Hochdruck hinter den Kulissen“ an einer Lösung des Problems gearbeitet worden sei. Ein Besucher äußerte „das Gefühl, das Sie erst angefangen haben zu überlegen, als klar war, dass die S-Bahn für drei Wochen ausfallen wird“.

„Diese Art der Politik geht so nicht“

Görnemann bemerkte mehrfach, dass der Ansprechpartner für die Politik die Wirtschaftsbehörde sei. Sie finanziert den ÖPNV. „Es kam bisher auch kein Vertreter der BWVI in den Ausschuss. Diese Art der Politik geht so nicht“, sagte Capeletti. „Müssen wir Bürger nun immer protestieren, wenn so unsinnige Entscheidungen getroffen werden?“, fragte Manfred Seevers.

Jan Görnemann, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Hamburg-­Holstein (VHH), erläuterte „engmaschige Fahrplanbeziehungen“ und Probleme bei der jährlichen Aufstellung neuer Fahrpläne. Die neue Strecke in die City will er 2021 „neu bewerten“. Dann werde sich zeigen, ob die Umleitung über drei Jahre hinaus Bestand haben wird. Eine Fehlplanung gebe es bei den VHH „nur in Einzelfällen“.

Publikum nennt Probleme

Das Publikum schien nicht nur Einzelfälle zu kennen: Von „wachsenden Dörfern“ und „überfüllten Bussen“ war die Rede. „Wo ist der Fortschritt? Wir brauchen Mobilität“, meinte ein Besucher. Joachim Wiucha, Bereichsleiter Busverkehr beim Hamburger Verkehrsverbund (HVV), entgegnete dem Mann, dass er doch gerade deshalb aufs Land gezogen sei, „weil es hier so schön ruhig ist“. Die Grundversorgung sei „sehr gut“, dies würden automatische Fahrgastzählungen belegen. „Wir müssen an anderen Stellen nachsteuern, wo der Bedarf am höchsten ist“, sagte Markus Caspar (Wirtschaftsbehörde).

„Viele Menschen nehmen gar nicht erst den Bus, weil sie das Angebot nicht anspricht“, entgegnete Capeletti. Die Stadt müsse sich Gedanken über die Taktzeiten machen, fügte er hinzu – und erntete viel Applaus.