Wasserproben

Nur Badegewässer in gutem Zustand

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Bergedorf. Multiresistente Keime in der Alster nachgewiesen – Umweltbehörde nimmt weitere Proben

Bergedorf.  Die gute Nachricht zuerst: multiresistente Erreger (MRE), die auch gegen sogenannte Reserve-Antibiotika resistent sind, konnten in Hamburgs Badegewässern aktuell nicht nachgewiesen werden. Dies teilte die Behörde für Umwelt und Energie (BUE) gestern mit. Außer aus allen Bergedorfer und Hamburger Badegewässern wurden auch Proben in ausgewählten Fließgewässern (Alster, Elbe) entnommen. Die Proben waren ebenfalls negativ – bis auf eine Ausnahme: An der Entnahmestelle „Außenalster Mitte“, nahe dem Schiffsanleger Rabenstraße, wurden die Experten vom Institut für Hygiene und Umwelt fündig.

In der Alster fanden die Wissenschaftler den multiresistenten Erreger Citrobacter freundii. Bei diesen Bakterien handelt es sich um eine Gruppe Stäbchenbakterien, sie werden als in der Regel nicht krankheitserregend eingestuft. Trotzdem soll eine Nachbeprobung zur Kontrolle erfolgen. „Wir wollen wissen, ob der Keim dort nur kurzfristig nachzuweisen war“, sagt Björn Marzahn, Sprecher der Umweltbehörde.

Weitere Proben zur Kontrolle

Auch die anderen bereits beprobten Gewässer sollen in den kommenden Wochen zur Kontrolle nachbeprobt werden, berichtet Marzahn. Jedoch: „Ein kontinuierliches Überwachungsprogramm auf antibiotikaresistente Bakterien über die Überwachung der Badegewässer hinaus wird derzeit dagegen nicht als erforderlich erachtet.“

Multiresistente Bakterien wurden in Seen in Niedersachsen nachgewiesen. Diese Nachricht mobilisierte Bergedorfs Bezirkspolitiker. Sie forderten eine einmalige Untersuchung aller Bergedorfer Badegewässer vor Beginn der Badesaison. Doch die Situation in Hamburg sei nicht dramatisch, heißt es aus der Umweltbehörde: „In anderen Bundesländern gibt es mehr Äcker und Gülle, die in den Gewässern landet“, sagt Marzahns Kollege Jan Dube.

Untersuchungen alle drei Wochen

Die Wasserqualität der Hamburger Badegewässer wird während der Badesaison alle drei Wochen kontrolliert. Entsprechend der EG-Badegewässerrichtlinie werden die Gewässer auf die Darmbakterien „Intestinale Enterokokken“ und „Escherichia Coli“ untersucht. „Die Bakterien dienen als Anzeichen für eventuelle gesundheitliche Risiken durch Belastungen im Gewässer“, heißt es in einer Mitteilung der BUE. Falls nötig, werden die Gewässer auch auf Cyanobakterien (Blaualgen) und Zerkarien (Saugwurmlarven) untersucht.

BUND kritisiert Zustand der Gewässer

Wer sich in einem See abkühlen möchte, der nicht als Badegewässer ausgewiesen ist, der sollte vorsichtig sein: Laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sei die Qualität vieler Gewässer in Deutschland generell schlecht. Intensive Landwirtschaft und Baumaßnahmen würden auch in Hamburg die Gewässer mit Schadstoffen belasten. Ursache seien etwa zu viel Dünger und Pestizide in der Landwirtschaft. Der BUND will ein Aufweichen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie verhindern: Danach sollen alle EU-Mitgliedsstaaten ihre Gewässer bis 2027 in einen guten Zustand bringen. Von den 33 Hamburger Gewässern, die bei dieser Richtlinie berücksichtigt werden, erreicht nach BUND-Informationen keines die Einstufung „guter Zustand“.