Prozessauftakt

Missbrauchte ein Nachhilfelehrer eine Siebenjährige?

Die  Statue der Justitia hält  eine Waage in ihrer Hand. Am Montag geht es vor dem Landgericht Hamburg umn das Thema Kindesmissbrauch.

Die Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Am Montag geht es vor dem Landgericht Hamburg umn das Thema Kindesmissbrauch.

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Kirchwerder. Der 56-jährige M. ging bei Familie S. in Kirchwerder als Nachhilfelehrer ein und aus. Missbrauchte er die kleine Tochter?

Kirchwerder.  Wegen „schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern“ muss sich am Montag der 56-jährige M. aus dem Bezirk Bergedorf vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Hamburg verantworten. Der Mann wird angeklagt, „sexuelle Handlungen“ an einer Siebenjährigen aus Kirchwerder vorgenommen zu haben.

Noch nicht klar, ob das Verfahren öffentlich geführt wird

Was genau unter „schwerem sexuellen Missbrauch“ zu verstehen ist, könne derzeit nach Auskunft von Oberstaatsanwältin Nana Frombach öffentlich noch nicht näher benannt werden. Erst bei Eröffnung der Hauptverhandlung werde sich zeigen, ob das Verfahren öffentlich geführt und entsprechende Details öffentlich genannt werden.

Täter nutzen ihre Machtposition aus

Eine sozialwissenschaftliche Definition besagt, dass Täter mit den sexuellen Handlungen ihre Macht- und Autoritätsposition ausnutzen, um eigene Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen. Diese sexuelle Gewalt geschah im konkreten Fall an „fünf jeweils nicht näher feststellbaren Tagen“, während der 56-Jährige im Haus der Familie S. war. Er gab dem Kind Nachhilfe in Deutsch und Mathe.

Nachhilfelehrer im Internet kennengelernt

Die Eltern hatten den Mann per Internet auf einer Plattform für Babysitter und Betreuung entdeckt und dann auch persönlich kennengelernt. Er sei ihnen sympathisch erschienen und wurde als Nachhilfelehrer engagiert.

Oftmals dauert es eine Weile, bis ein Missbrauch angezeigt wird, so die Erfahrung von Nana Frombach. Denn missbrauchte Kinder vertrauen sich oftmals nicht sofort Eltern oder anderen Menschen an. Diesmal sei der Verdacht jedoch vergleichsweise schnell angezeigt worden. Der Verdächtige sitzt derzeit in Hamburg in Untersuchungshaft.

Lehrerin informierte die Eltern

Das Kind hatte sich offenbar indirekt einer Lehrerin anvertraut. Die Klasse hat ein Theaterstück zum Thema sexueller Missbrauch angeschaut und die Siebenjährige hat daraufhin sinngemäß gesagt: „Das kenne ich.“ Die Lehrerin informierte die Eltern, die schalteten die Polizei ein.

Hier gibt es Hilfe und Informationen

Beratungsstellen wie Zornrot oder Allerleirauh haben fast täglich mit Formen sexuellen Missbrauchs zu tun. Was können Eltern tun? Was sind Hinweise auf einen Missbrauch?

Wichtig ist: Hinschauen, hinhören, ernst nehmen. Sabine Christiansen, Diplom-Pädagogin und seit vielen Jahren bei der Beratungsstelle Allerleirauh tätig, rät, bei auffälligen Verhaltensänderungen des Kindes aufmerksam zu werden. Ist ein eher zurückhaltendes Kind plötzlich sehr offen oder aggressiv, will etwa Küsse verteilen oder auf den Schoß klettern, könne dies ein Zeichen sein – allerdings nicht zwingend. Ähnlich sei es, wenn bisher offene Kinder plötzlich traurig und in sich gekehrt reagierten. Doch weder Eltern oder andere vertraute Menschen müssten nun Ermittler sein und „die Wahrheit“ herausbekommen. Keinesfalls solle das Kind unter Druck gesetzt werden. Angebracht sei ein Gesprächsangebot, etwa: „Ich sehe, du bist anders als sonst (traurig/aufgewühlt). Willst du mit mir sprechen? Kann ich dir helfen?“

Beratungsstellen bieten Hilfe, beraten auch anonym und immer vertraulich. Etwa Zornrot e.V., (040) 721 73 63, oder Allerleirauh, (040) 29 83 44 83. Infos auch im Netz unter www.beauftragter-missbrauch.de

Beratungsstellen wie Zornrot oder Allerleirauh haben fast täglich mit Formen sexuellen Missbrauchs zu tun. Was können Eltern tun? Was sind Hinweise auf einen Missbrauch?

Wichtig ist: Hinschauen, hinhören, ernst nehmen. Sabine Christiansen, Diplom-Pädagogin und seit vielen Jahren bei der Beratungsstelle Allerleirauh tätig, rät, bei auffälligen Verhaltensänderungen des Kindes aufmerksam zu werden. Ist ein eher zurückhaltendes Kind plötzlich sehr offen oder aggressiv, will etwa Küsse verteilen oder auf den Schoß klettern, könne dies ein Zeichen sein – allerdings nicht zwingend. Ähnlich sei es, wenn bisher offene Kinder plötzlich traurig und in sich gekehrt reagierten. Doch weder Eltern oder andere vertraute Menschen müssten nun Ermittler sein und „die Wahrheit“ herausbekommen. Keinesfalls solle das Kind unter Druck gesetzt werden. Angebracht sei ein Gesprächsangebot, etwa: „Ich sehe, du bist anders als sonst (traurig/aufgewühlt). Willst du mit mir sprechen? Kann ich dir helfen?“

Beratungsstellen bieten Hilfe, beraten auch anonym und immer vertraulich. Etwa Zornrot e.V., (040) 721 73 63, oder Allerleirauh, (040) 29 83 44 83. Infos auch im Netz unter www.beauftragter-miss brauch.de