Bauflächen

Politisches Geschacher auf dem Rücken der Bevölkerung

Das Archivbild zeigt die Entstehung der neuen Siedlung auf dem früheren BIG-Gelände am Ochsenwerder Landscheideweg. Dort wird noch immer fleißig gebaut. Geht es nach den Grünen und der SPD, werden elf von 20 ursprünglich geplanten Potenzialflächen doch nicht bebaut.

Das Archivbild zeigt die Entstehung der neuen Siedlung auf dem früheren BIG-Gelände am Ochsenwerder Landscheideweg. Dort wird noch immer fleißig gebaut. Geht es nach den Grünen und der SPD, werden elf von 20 ursprünglich geplanten Potenzialflächen doch nicht bebaut.

Foto: Thomas Heyen

Bergedorf. Bürger gehen gegen Vorhaben der Politik auf die Barrikaden – GVM initiiert „Zukunftswerkstatt“.

Bergedorf.  Die Streichliste von Grünen und SPD erhitzt die Gemüter: Die Fraktionen wollen elf der 20 Flächen, die das Bergedorfer Wohnungsbauprogramm im Landgebiet auflistet, unangetastet lassen. Besonders in Ochsenwerder gehen die Bürger auf die Barrikaden. Sie hatten an der Herausarbeitung der Potenzialflächen für Wohnungsbau in ihrem Dorf an fünf Stadtwerkstatt-Sitzungen in 2013 und 2014 mitgearbeitet. Am Donnerstag, 26. Januar, 18 Uhr, soll in der Bezirksversammlung im Rathaus an der Wentorfer Straße über die Streichungen abgestimmt werden.

Der Vorstand des Vereins Unser Dorf erhalten wandte sich mit einem Protestschreiben an die Bezirksversammlung. „Was haben die Menschen in Ochsenwerder, ihre Lebensqualität und ihre Zukunftsperspektiven, die beispielhaft in der Stadtwerkstatt festgelegt wurden, mit dem Plangebiet Oberbillwerder zu tun?“, heißt es darin. Denn damit die Grünen bei dem 120 Hektar großen, neuen Stadtteil mitziehen, kommt ihnen die SPD mit ihrer Zustimmung zur Streichung kleinteiliger Wohnbebauung entgegen. „Politisches Geschacher“ nennt der Unser-Dorf-Vorstand dies, „auf dem Rücken der Bevölkerung“. Die Menschen im Dorf würden „über den Tisch gezogen“.

Unverständnis für Verhalten der Sozialdemokraten

„Die SPD steht ja gar nicht hinter ihrer Entscheidung. Es kann doch nicht sein, dass einige wenige Grüne über die Zukunft Ochsenwerders entscheiden – wo es doch eigentlich um Oberbillwerder geht“, sagt Simone Vollstädt aus dem Vereinsvorstand. Sie hofft darauf, das die Politiker am Donnerstag wenigstens die Flächen in Ochsenwerder aus der Streichliste nehmen, „denn deren Entwicklung wurde mit den Bürgern abgestimmt“.

Auf das Schreiben an die Bezirksversammlung, das in Kopie auch an die Hamburgische Bürgerschaft ging, bekam der Vereinsvorsitzende Karsten Paulssen schon eine Rückmeldung aus dem Hamburger Rathaus: In der Antwort sei von weiterem „Gesprächsbedarf“ die Rede. Paulssen wundert sich, das etwa auch die Potenzialfläche Butterberg in Ochsenwerder gestrichen werden soll: Dort ist bisher ein Neubaugebiet mit Nahversorger geplant. „Die Verhandlungen mit dem Investor sollen weit fortgeschritten sein. Es gibt auch schon drei interessierte Nahversorger“, sagt Paulssen, der sich auf ein Gespräch mit dem Investor beruft.

1978 war Infrastruktur intakt

„Wir als Bürger sitzen am kürzeren Hebel“, sagt Dr. Kurt Schröder aus Ochsenwerder. Als er 1978 mit seiner Familie nach Ochsenwerder zog, sei die Infrastruktur intakt gewesen: „Damals gab es Supermärkte, Geschäfte, Kneipen, ein Ortsamt und eine Post. Mit den Jahren ist das alles entschwunden. Deshalb ist die Entwicklung des Dorfes so wichtig.“ Heute befände sich das Zentrum Ochsenwerders im Einkaufszentrum Fünfhausen: „Dort kaufen die Leute ein, klönen sie bei einer Tasse Kaffee. Aber das ist fünf Kilometer entfernt und mit dem Bus schlecht zu erreichen.“

Noch sei ein Umdenken möglich

Auch die Gemeinschaft Vier- und Marschlande (GVM) mischt sich ein: Noch sei ein Umdenken möglich, betont Willy Timmann, Vorsitzender des Vereins. „Die Planung von Oberbillwerder hat noch nicht richtig begonnen.“ Timmann versteht die Argumente von Rolf Wobbe (Grüne) nicht: „Herr Wobbe sagt, dass alle elf gestrichenen Flächen weit außerhalb der Dorfkerne liegen würden. Das ist falsch. Beispielsweise liegt die Potenzialfläche ‘Curslack, nördlich der Schule’ zentral und schulnah.“ Auch werde dort kein Feld an Investoren übertragen. „Meines Wissens handelt es sich dort um private Eigentümer der Flächen“, sagt Timmann.

Die GVM möchte eine „Zukunftswerkstatt „Vier- und Marschlande“ nach dem Vorbild der Stadtwerkstatt in Gang bringen, Bürger und Stadtplaner wieder an einen Tisch bringen. Eine GVM-Arbeitsgruppe arbeitet an der Einrichtung der Werkstatt, die sich um die Entwicklung des gesamten Landgebietes kümmern soll. „Wir sehen uns als Anstifter“, sagt Timmann.