Wohnungsbau

Warten auf die richtige Gelegenheit

In der neuen Siedlung auf dem ehemaligen BIG-Gelände am Ochsenwerder Landscheideweg wird derzeit noch fleißig gebaut. Der Bau neuer Häuser soll im Landgebiet aber künftig eher die Ausnahme sein, von Oberbillwerder einmal abgesehen.

In der neuen Siedlung auf dem ehemaligen BIG-Gelände am Ochsenwerder Landscheideweg wird derzeit noch fleißig gebaut. Der Bau neuer Häuser soll im Landgebiet aber künftig eher die Ausnahme sein, von Oberbillwerder einmal abgesehen.

Foto: Thomas Heyen

Bergedorf. SPD angeblich für Erweiterung der Dörfer – Streichliste sei den Grünen geschuldet.

Bergedorf.  Die Vertreter der Grünen und der SPD im Regionalausschuss mussten sich lautstarke Kritik anhören – von Bürgern, die zur öffentlichen Fragestunde erschienen waren, und von den anderen Parteien. Grund für die massive Schelte war die geplante Streichung von elf der 20 Flächen, die das Bergedorfer Wohnungsbauprogramm im Landgebiet auflistet (wir berichteten).

„Wir werden zurück in das Jahr 2000 gebombt“, sagte Karsten Paulssen, Vorsitzender des Vereins Unser Dorf erhalten in Ochsenwerder. Die Planungen in der Stadtwerkstatt Ochsenwerder (fünf Sitzungen) und in all den Jahren zuvor würden „ad absurdum geführt“, empörte sich Paulssen. Wegen der Streichliste würden viele Probleme ungelöst bleiben – vom fehlenden Gemeinschaftsraum bis zum Mangel an Geschäften. Für den Standort Butterberg (soll gestrichen werden) im Ortskern von Ochsenwerder würden Gespräche mit drei Einzelhändlern geführt.

„Es gab einen Konsens über die Flächen.“

Peter Gabriel (SPD), der im Stadtentwicklungsausschuss den Vorsitz inne hat, versuchte die Wogen zu glätten: „Die Flächen wären sowieso erst in zehn, 20, 25 Jahren in Angriff genommen worden.“ Rolf Wobbe (Grüne) betonte, dass der Kirchendeich in Ochsenwerder für die Entwicklung von Einzelhandel auf der Liste stehen bleibe. „Es gab außerdem kein eindeutiges Votum, die vorgeschlagenen Flächen ins Wohnungsbauprogramm zu nehmen“, sagte Wobbe. Dem widersprach Bernd Capeletti (CDU): „Es gab einen Konsens über die Flächen.“ Sogar die Reihenfolge der Bebauung sei festgelegt worden.

Dass es wichtig sei, die „Planungshoheit für Oberbillwerder“ zu behalten, betonte Heinz Jarchow (SPD). „Dafür brauchen wir Mehrheiten.“ Die Grünen hätten im Gegenzug die Streichliste vorgelegt.

„Wovor habt ihr Angst?“

„Es wurde ein Abkommen geschlossen, um Oberbillwerder durchzuwinken“, sagte Ernst Heilmann (Linke). Dafür werde neben dem Erhalt Ochsenwerders, „ein sterbendes Dorf“, auch die Glaubwürdigkeit der Politik aufs Spiel gesetzt und der Bürger verhöhnt. „Wieso diese Eile? Wovor habt ihr Angst?“, fragte Heilmann.

„Wie wollen Sie dem Bürger nun noch eine Bürgerbeteiligung an der Entwicklung von Oberbillwerder schmackhaft machen?“ Jörg Froh (CDU) attestierte „schlechten Stil“, forderte SPD und Grüne auf: „Machen Sie diesen Beschluss rückgängig.“

Dies haben zumindest die Sozialdemokraten im Sinn, signalisierte Harald Martens: „Im Moment müssen wir Rücksicht auf unseren Koalitionspartner nehmen“, sagt der SPD-Politiker. Capeletti: „Und bei nächstbester Gelegenheit macht die SPD die Entscheidung rückgängig?“ Martens: „Manchmal ist das so.“ Peter Gabriel setzte noch eins drauf, gab CDU und Linken die Schuld an der Streichliste: „Wenn Sie für Oberbillwerder gestimmt hätten, gäbe es dieses Problem nicht.“