Umsonst und draußen

Am Knotenpunkt von Wutzrock

 Anni Rieck engagiert sich schon viele Jahre für Wutzrock

Anni Rieck engagiert sich schon viele Jahre für Wutzrock

Foto: Thomas Heyen

Allermöhe. 50-jährige Bergedorferin gehört zum harten Kern der ehrenamtlichen Festival-Organisatoren

Allermöhe.  Becher spülen, Kühlschränke putzen, Getränke und Kuchen verkaufen, andere Helfer vermitteln, Festival-Bänder an Musiker vergeben, Geld ein- und auszahlen, auf- und abbauen: Bei Wutzrock gibt es kaum einen Arbeitsbereich, in dem Anni Rieck noch nicht mitangepackt hat. Auch bei der 38. Ausgabe des nicht

kommerziellen Open-Air-Spektakels am Eichbaumsee vom 12. bis zum 14. August ist die 50-Jährige von Anfang bis Ende im Einsatz – so wie viele andere Ehrenamtliche auch.

Der harte Kern trifft sich regelmäßig

Doch Anni Rieck engagiert sich nicht nur während des Musikfestivals, beim Auf- und Abbau, sondern das ganze Jahr über. Sie gehört zum harten Kern von knapp 30 Ehrenamtlichen, die sich regelmäßig treffen, um Wutzrock zu organisieren.

„Mein erster Wutzrock-Besuch war 1990. Damals wollte ich gern die Bergedorfer Band Abraxas hören. Als Helferin bin ich aber erst 18 Jahre später eingestiegen – aber dann richtig“, sagt Anni Rieck.

Suche nach sinnvoller Beschäftigung

„Damals war ich auf der Suche nach einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung, die mit Menschen zu tun hat. Mit fehlte Engagement in meinem Leben. Privat war mir damals alles zu oberflächlich. Mein damaliger Freund und ich hatten uns getrennt, Freundschaften brachen auseinander.“

Die Buchhalterin und Assistentin der Geschäftsführung bei einem Immobilienmakler besuchte eine Wutzrock-Sitzung im Café Flop. „Ich habe gefragt, was ich tun kann – und wurde der Finanzgruppe zugeteilt.“

Finanzgruppe trifft sich regelmäßig

Alle zwei Monate traf sie sich mit den beiden anderen Mitgliedern der Finanzgruppe im Büro im Café Flop oder in den eigenen vier Wänden, um Jahresabschlüsse fürs Finanzamt und Budgetpläne zu erstellen, sich um Versicherungen für die teure Technik und andere Zahlenspiele zu kümmern.

Bei den monatlichen Wutzrock-Sitzungen an der Wentorfer Straße 26 – an jedem ersten Donnerstag im Monat, 20 Uhr und in den beiden Monaten vor dem Festival wöchentlich – hielten die Finanzplaner dann Rücksprache mit dem Rest der Organisations-Crew.

Mit vielen Mitstreitern befreundet

Als sie 2008 bei Wutzrock einstieg, kannte Anni Rieck kaum einen der anderen Organisatoren, heute ist sie mit vielen ihrer Mitstreiter befreundet. „Deshalb hat es mir auch niemand verübelt, als ich im vergangenen Jahr nicht mitgeholfen habe. Ich brauchte eine Auszeit, war auch aufgrund meines Berufs erschöpft.“ Sie habe lieber rechtzeitig eine lange Pause einlegen, statt sich zu einem späteren Zeitpunkt für immer ausklinken wollen.

Aus der Finanzgruppe hatte Anni Rieck sich schon im Jahr zuvor verabschiedet. „Ich möchte nun in anderen Bereichen mitanpacken. Aber beim diesjährigen Wutzrock werde ich auch wieder eine Schicht im Bauwagen der Finanzgruppe schieben“, sagt sie.

Spesen gibt es im Bauwagen

In dem Bauwagen werden die Einnahmen verwaltet, Spesen an die Bands ausbezahlt und Nachkäufe für Speisen und Getränke berechnet.

Die meiste Zeit aber wird die 50-Jährige am Knotenpunkt verbringen. „Dort vermitteln wir unter anderem die Vor-Ort-Helfer, geben wir Backstage-Ausweise aus.“

Zur unmittelbaren Vor- und Nachbereitung des dreitägigen Spektakels gehört das Reinigen von Kühlschränken und das Spülen von rund 10 000 Mehrwegbechern aus Plastik und das Verpacken aller Wutzrock-Utensilien – vom Geschirr bis zur Sicherheitsweste – auf Rollwagen.

Wer kann, zahlt Sprit und Telefon selbst

Geld bekommen die Wutzrocker nicht. „Im Gegenteil. – wer es sich leisten kann, zahlt seine Sprit- und Telefonkosten aus eigener Tasche.“ Warum sie das alles macht? „Ich bin ein Organisationstalent. Und Wutzrock ist ein einzigartiges, unterstützenswertes Projekt.“