Fracking

Aufsuchungserlaubnis: ExxonMobil zieht sich zurück

Ein Plakat mit dem Schriftzug „Stop Fracking“.  Europaweit wird gegen diese umstrittene Form der Förderung von Erdöl und Erdgas demonstriert und mobil gemacht.

Ein Plakat mit dem Schriftzug „Stop Fracking“. Europaweit wird gegen diese umstrittene Form der Förderung von Erdöl und Erdgas demonstriert und mobil gemacht.

Foto: Martin Gerten / dpa

Bergedorf. Die Konzerntochter BEB verzichtet auf die Verlängerung ihrer Aufsuchungserlaubnis. „Kein Potenzial“, sagt Sprecher Klaus Torp.

Bergedorf.  Aufatmen bei den Gegnern von Fracking, der umstrittenen Förderung von Erdöl und Erdgas nach Einpressen eines Chemikalien-Wasser-Sand-Gemischs in poröse Gesteinsschichten: Die BEB Erdgas und Erdöl GmbH, eine Tochterfirma der Mineralölkonzerne ExxonMobil und Shell, wird keine Verlängerung seiner Aufsuchungserlaubnis für das „Erlaubnisfeld Vierlande“ beauftragen. Dies teilt ExxonMobil-Sprecher Klaus Torp mit.

Umweltschützer hatten befürchtet, dass die BEB in dem 150 Quadratkilometer großen „Erlaubnisfeld“, das sich von Harburg über Wilhelmsburg bis Zollenspieker erstreckt, Fracking anwenden könnte. Jetzt zunächst einmal Entwarnung: Es wird weiterhin keine seismischen Untersuchungen oder Bohrungen durch die BEB geben – wie seit Erteilung der Erlaubnis zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen zum 1. Januar 2013.

Entwarnung kann es noch nicht geben

„Völlige Entwarnung kann es allerdings erst geben, wenn Fracking gesetzlich verboten ist“, sagt Carin Schomann, Anti-Fracking-Aktivistin aus Altengamme. Sie engagiert sich in der Bürgerinitiative FrackingFreies Hamburg – eine von rund 100 Initiativen bundesweit. Gemeinsam mit Fracking-Gegnern in der gesamten Bundesrepublik machen die BI-Mitglieder, die zum Großteil in den Vier- und Marschlanden leben, gegen Gesetzesänderungen mobil, die Fracking unter bestimmten Umständen ermöglichen könnten.

„Fakt ist, dass das Erlaubnisgebiet Vierlande am 1. Januar wieder auf dem Markt ist und jederzeit ein neuer Antrag auf Exploration oder Förderung des hier eventuell vorhandenen Schiefergases und Schieferöles gestellt werden kann“, sagt Carin Schomann. Björn Völlmar, Sprecher des zuständigen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG, obere Bergbehörde), bestätigt, dass Unternehmen eine Aufsuchungserlaubnis beantragen können. „Bisher gibt es keine neuen Anträge“, sagt Völlmar.

Energiekonzerne sind vorsichtiger geworden

Die Unternehmen sind vorsichtiger geworden. Seitdem Fracking-Gegner bundesweit mobil machen, überlegen sich die Energiekonzerne noch genauer, ob sie angesichts fallender Energiepreises Geld in Aufsuchungsgenehmigungen investieren sollen. Mehrere Unternehmen hätten dieses Jahr Erlaubnisbescheide zurückgegeben – „deutlich mehr als in den Vorjahren“, berichtet Völlmar. Als Beispiel nennt er die kanadische Firma PRD Energy. Sie hatte sich im Zuständigkeitsgebiet des LBEG – Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen – für mehrere „Erlaubnisfelder“ interessiert, sich dann aber im August ganz aus Deutschland zurückgezogen. Auch das „Erlaubnisfeld Schwarzenbek“ haben die Kanadier aufgegeben.

Von der Aufsuchungs- bis zur Fördergenehmigung sind es fünf Schritte. Für die Genehmigungen zuständig sind dien jeweiligen LBEG nach dem Bundesberggesetz: 1. Informationen über den geologischen Untergrund im Erlaubnisfeld sammeln; 2. Erkundungsbohrungen oder seismische Messungen (Kosten in Millionen-Höhe); 3. Sicherung eines Bewilligungsfeldes (kleiner als das Erlaubnisfeld) 4. Einreichen der Pläne für Förderbohrungen; 5. Förderung.

Alte Bohrkerne wurden mit neuen Technologien analysiert

Die BEB hatte im „Erlaubnisfeld Vierlande“ nach Aussage von Sprecher Torp „alte Bohrkerne mit neuen Technologien analysiert“. Nach der Analyse sehe das Unternehmen laut Torp „kein Potenzial“ mehr für die Förderung.

Erfreut darüber ist auch Dr. Dorothee Liehr: „Hamburgs Gegner umstrittener Fördermethoden wie Fracking haben diese Information erleichtert zur Kenntnis genommen“, sagt die Geschäftsführerin der Bergedorfer Grünen. Gemeinsam mit zahlreichen Nicht-Regierungsorganisationen haben sie sich gegen Fracking gestemmt. „Auf Initiative der Bergedorfer Grünen hat sich schließlich auch die Bundespartei von Bündnis 90/Die Grünen im Dezember 2014 zur Korbacher Resolution bekannt“, sagt Dorothee Liehr.

Die Korbacher Resolution haben auch vier der sieben Hamburger Bezirksversammlungen unterzeichnet, darunter die in Bergedorf. Sie lehnen damit Fracking zur Förderung von Erdgas oder Erdöl ausnahmslos ab.