Landwirtschaft.

Milchquote entfällt – und was nun?

Foto: Heyen, Thomas

Reitbrook. Noch knapp 100 Tage – dann ist endgültig Schluss. Nach 31 Jahren gibt es in der Europäischen Union ab 1. April 2015 keine Milchquote mehr. Wie gehen unsere Milchbauern damit um?

Die Milchquote war schon lange kein Garant mehr für stabile Preise“, sagt Matthias Steffens, der am Neuengammer Hausdeich einen Betrieb mit 170 Milchkühen bewirtschaftet. Die Zahlen geben ihm recht: Erhielten die Bauern Ende 2013 noch stattliche 40,5 Cent für das Kilogramm (entspricht etwa 0,98 Liter) Milch, sind es aktuell nur 30 Cent.

Milch ist ein globaler Rohstoff

„Zu wenig“ sind sich Steffens und seine Kollegen Wilhelm Lüdtke (55 Kühe), Gerd Langeloh und Sohn Jan-Hendrik (150 Kühe) einig. Der niedrige Preis hänge aber nicht nur mit dem Einfuhrverbot für Milchprodukte zusammen, das Russland unter anderem als Antwort auf die Sanktionen aus dem Westen wegen des Ukraine-Krim-Konfliktes verhängte. Denn im Gegensatz zu 1984, als die Milchquote eingeführt wurde, um den europäischen Markt vor Milchüberschüssen zu schützen und so die Einnahmen der Bauern zu stabilisieren, wird die Milch von Steffens, Lüdtke und Langeloh heute rund um den Globus verkauft. 48 Prozent, also fast die Hälfte der deutschen Milch, wird als veredelte Milchprodukte exportiert. Und das Angebot auf dem Weltmarkt reguliert auch die Preise. „Das europaweite Quotensystem hat nie so richtig funktioniert“, sagt Lüdtke und erinnert an den starken Preiseinbruch im Jahr 2009. Ebenso habe es eine Überproduktion nicht verhindern können.

Im Trend: Größere Produktionmengen

Ein Überangebot an Milch herrscht aktuell auch auf dem Weltmarkt. Selbst wenn ein Land wie China mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern immer mehr westliche Milchprodukte importiert. Neuseeland, der wichtigste Milchexporteur weltweit, konnte seine Milchproduktion nach mehreren mageren Jahren – lange Dürreperioden brachten schlechte Futtererträge – im Dezember 2013 wieder um 14,2 Prozent steigern. Jan-Hendrik Langeloh beobachtet aber auch in der Nachbarschaft kontinuierliches Wachstum: „Während der vergangenen fünf Jahre sind die Betriebe in Schleswig-Holstein jährlich durchschnittlich um fünf Kühe gewachsen. Pro Betrieb gibt es dort im Durchschnitt 100 Milchkühe.“ Auch Gerd Langeloh registrierte, dass in Norddeutschland „sehr viele Betriebe erweitern, und im Pinneberger Raum richtig Gas gegeben wird“. Offenbar liege für viele Berufskollegen die Zukunft in größeren Produktionsmengen.

Landwirte fürchten Betriebsschließungen

Trotzdem glaubt Steffens nicht, dass es nach dem Wegfall der Quote viel mehr Milchkühe geben wird. „Es wird gar nichts passieren“, sagt er, „weil bis April mit fallenden Milchpreisen und sinkenden Produktionsmengen zu rechnen ist.“ Auch Lüdtke geht nicht von einem gravierend größeren Milchkuh-Bestand aus. „Dafür fehlen den Landwirten die Flächen“, sagt er. Denn jede Kuh brauche 6000 Quadratmeter Land als Futterfläche. Er vermutet eher, dass in den nächsten zwei Jahren mit „überdurchschnittlich vielen Betriebsschließungen“ gerechnet werden müsse. Das seien vor allem diejenigen, die wegen des guten Milchpreises bis jetzt durchgehalten haben.

Wie die Landwirte mit mehreren Standbeinen das Zukunftsrisiko für ihre Betriebe minimieren wollen, lesen Sie in der Printausgabe der Bergedorfer Zeitung / Lauenburgische Landeszeitung vom 2. Januar. ePaper / Abo