Festival

Beats und Sonne: Wutzrock lockt die Massen

Foto: Kerstin Völling

Allermöhe. Mehr als 15.000 Besucher feierten beim Wutzrock-Festival am Eichbaumsee. Veranstalter und Gäste kamen auf ihre Kosten.

Blauer Himmel, Sonne satt, nur winzige Schauer zwischendurch. Schon das zweite Jahr in Folge Traumwetter! Mehr konnten sich die Wutzrock-Organisatoren kaum wünschen. Bands wie „Herrenmagazin“, „I-Fire“, „Karamello Santo“ und „Skatalites“ brachten die Hauptbühne zum Wackeln. Deutlich mehr als 15.000 Besucher genossen das Angebot aus Livemusik, DJ-Beats im Disco-Zelt und Spielen für Kinder.

Dabei hatte es im Vorfeld noch Ärger über die Terminierung gegeben: „Wutzrock oder Wacken?“, fragten sich viele Rockmusik-Fans in Internet-Foren. Denn beide Open-Airs wurden am gleichen Wochenende gefeiert. Horst Milbrodt (59) aus Niedersachsen war bei beiden dabei: Am Sonnabendnachmittag düste er von Wacken schnurstracks an den Eichbaumsee.

Mit dabei in Allermöhe waren auch Jannis, Benny, Jassi und Laura aus Lüneburg sowie Anne aus Bayreuth. „Man trifft hier immer wieder Freunde. Wir mögen die familiäre Atmosphäre, außerdem müssen wir fürs Campen und die Bands nichts bezahlen“, sagt Jannis. Ähnlich sieht das Tanja aus Bergedorf: „Ich habe eine vierjährige Tochter. Die ist hier durch das kostenlose Kinderfest bestens bespaßt.“ Und tatsächlich kreischte der Nachwuchs vor Vergnügen, als er bei tropischen Temperaturen über die Wasserrutschbahn schoss.

Mehrmals Getränke nachbestellt

Der Höhepunkt für den Nachwuchs waren jedoch „Deine Freunde“. Sie machen Hip-Hop für Kinder. Unter anderem rappten Florian Sump, Markus Pauli und Lukas Nimscheck das Lied „Schokolade“ – ein Lied über Kinder, die kein Obst und Gemüse mehr sehen können. Auf dem Festival-Gelände war kaum auszumachen, wer die Lieder lustiger fand: die großen oder die kleinen Zuschauer.

Mitorganisator Hans-Jörg Gerken verkaufte reichlich Getränke. Daraus wird das Wutzrock-Festival finanziert. „Diesmal haben wir vorgesorgt“, sagt Gerken. Denn im vergangenen Jahr hatten 30 Grad im Schatten und ein dementsprechend durstiges Publikum Wutzrock zeitweise trockengelegt. „Unser Lieferant musste diesmal die Nachbestellung der Nachbestellung ranschaffen“, sagt Mitorganisatorin Sabine Vielhaben.

Für die „Skatalites“ gab‘s Hühnersuppe

Nicht zu vergessen: die politische Botschaft des Wutzrock-Festivals. Schon seit 1979 engagiert sich Wutzrock gegen Faschismus. An zahlreichen Ständen konnten sich die Besucher auch über andere politische Themen wie etwa den Streitum Hamburgs Stromnetz informieren. Besonders im Fokus stand Jamaika. Die seit 51 Jahren währende Unabhängigkeit von der englischen Kolonialherrschaft feierten die Wutzrocker mit den „Skatalites“. Das Wutzock-Team hatte für die betagten Musiker aus Jamaika eigens eine Hühnersuppe zubereitet, damit sie gestärkt ihren Ska zum Besten geben konnten. So, wie die Altmeister sich gestern ins Zeug legten, schien es genau das richtige Essen gewesen zu sein.

Die Polizei verzeichnete „keine besonderen Vorkommnisse“. Die Helfer vom Arbeiter-Samariter-Bund hatten gut zu tun: etwa 250 Mal mussten sie Erste Hilfe leisten – meist wegen Schnittverletzungen an den Füßen oder wegen Alkoholmissbrauchs. Eine 17-Jährige musste nach Alkohol- und Drogenmissbrauch am Sonntagabend mit dem Rettungshubschrauber ins Wilhelmstift gebracht werden.