Brutsaison

Rekord: 50 Jungstörche werden flügge

Foto: BGZ/Monika Witt

Kirchwerder. Ein derart gutes Ergebnis gab es zuletzt vor 51 Jahren: 23 Storchenpaare zogen in dieser Saison exakt 50 Jungtiere in den Vier- und Marschlanden groß und machen Hamburg damit zur Storchen-Hauptstadt.

Im Frühjahr sah es für die Brutsaison noch alles andere als rosig aus. Rolf und Maria, die Webcam-Stars vom Achterschlag, verloren ihre drei Jungen wegen der widrigen Wetterverhältnisse. Auch andere Frühheimkehrer litten unter dem Winter, der nicht enden wollte, und der Nässe im Mai. Vier Paare mussten ihre Brut aufgeben, weitere vier Paare zogen nur ein Junges auf.

Weißstörche scheinen nach Hamburg zu flüchten

Dass es dann doch noch ein Rekordergebnis gab, könnte nach Ansicht des Naturschutzbundes (Nabu) an der dramatischen Verschlechterung der Lebensräume in Norddeutschland liegen. „Die Weißstörche scheinen regelrecht nach Hamburg zu flüchten“, sagt Jürgen Pelch, Storchenbetreuer beim Nabu Hamburg. „Denn in Mecklenburg-Vorpommern hat der Brutbestand wegen des Maisanbaus um 30 Prozent abgenommen.“ Die Störche seien deshalb gezwungen, auf andere, noch intakte Brutgebiete auszuweichen.

Somit bewährt sich jetzt, dass der Nabu bereits seit Jahrzehnten 50 fertige Nester in Hamburg zur Verfügung stellt und entsprechende Vorkehrungen für die gefiederten Gäste trifft: Auf ihren eigenen Flächen in den Kirchwerder Wiesen stauen die Naturschützer die Gräben an, damit Frösche und andere Tiere gute Lebensbedingungen haben. Im Winter stellte der Nabu fünf neue Storchenmasten auf, von denen bereits zwei von den Zugvögeln angenommen wurden. Zudem brachte die Firma Vattenfall nach dem Tod zweier Jungstörche durch Stromschlag auf Initiative des Nabu Windfahnen an einer Starkstromleitung an, um künftig solche Unfälle zu vermeiden.

Nur einer von vieren schafft den Weg zurück ins Brutgebiet

Die vier Jungstörche vom Biohof Eggers, in deren Sichtweite die Naturschützer gestern die erfreuliche Brutbilanz vorstellten, werden in den nächsten Tagen flügge – bis auf den Nachzügler, der als Letzter schlüpfte: „Er wird wohl noch etwas länger brauchen“ sagt Georg Eggers. Aus den Vorjahren weiß er, dass sich der Nachwuchs zwischen dem 20. und 25. August sammelt, um zum ersten Mal in Richtung Süden ins Winterquartier zu fliegen. „Die Altstörche bleiben meistens bis um den 8. September herum“, sagt Eggers.

Jürgen Pelch wirft einen melancholischen Blick in Richtung Horst zu den vier Jungvögeln. „Nur einer von vieren schafft den Weg zurück ins Brutgebiet“, sagt er. Auf ihren Zugrouten seien sie vielen Gefahren ausgesetzt.