Versteigerung

Schnäppchen nur unter Vorbehalt

Curslack. Kaum die Hälfte des zur Versteigerung stehenden Inventars der ehemaligen Traditionsgaststätte "Schiefe Brücke" fand bei der Auktion am Mittwochvormittag einen Abnehmer. Vermeintliche "Schnäppchen" wurden nur "unter Vorbehalt" verkauft.

Manche wollten einfach nur Abschied nehmen, viele hofften auf private, kleine Schnäppchen, andere kamen von Berufs wegen: Ganz unterschiedlich waren die Beweggründe, gestern zur Auktion in die Gaststätte „Zur schiefen Brücke“ zu gehen.

Vom elektrisch angetriebenen, dauerwackelnden Weihnachtsmann – er war vor zwölf Jahren der erste in der großen Sammlung von Waltraut Hube – bis zum Massivholztresen samt schmucker Zapfanlage sollte alles unter den Hammer kommen. Etwa 50 Interessierte inspizierten das riesige Angebot von mehr als 330 Positionen, das sich von dem Keller bis auf den Dachboden verteilte. Manch’ einer machte sich schon einmal Notizen zum hübschen Vierlanden-Aquarell oder den Barhockern und merkte sich die Auktionsnummer.

Doch die Auktion lief zäh. Kaum die Hälfte fand Interessenten, zumal viele Gebote Auktionator Jens Peter Bergstädt nicht hoch genug waren. Wer es wagte, nur geringe Summen zu bieten, steckte verblüfft Rüffel ein wie: „Von ihnen hatte ich auch nichts anderes erwartet.“ Nicht nur einmal brummte Bergstädt: „Das machen wir nicht. Das ist alles viel mehr wert. Dafür geht das nicht weg. Dann bleibt es eben hier.“ Der erhoffte Spaß einer Versteigerung, bei der sich eifrig Hökernde immer wieder gegenseitig überbieten und am Ende doch mit fröhlichem Gefühl meinen, ein Glückslos gezogen zu haben, blieb weitgehend aus. Offenbar wollte der Auktionator möglichst viel für Familie Hube herausholen. Und so folgte dem klopfenden Auktionshammer nach dem letzten Gebot oftmals die Einschränkung: „Zuschlag unter Vorbehalt.“ Ungläubig schüttelten Bieter ihre Köpfe.

Dennoch freute sich am Ende mancher über ein Schnäppchen oder ein ersehntes Erinnerungsstück. So ersteigerten Gastronomen aus der Umgebung günstig Teile aus der Küche, kann sich der Jugendkeller in Neuengamme über neue Gläser freuen. Glücklich ist Elke Stapelfeldt über den uralten, weißen Kachelofen, der jetzt ihr gehört. „Den kenne ich noch aus meiner Kindheit“, sagt die 72-Jährige. Auch für Klaus Puck (69) ist der Besuch eine Reise in die Vergangenheit. Wie oft hat er in seinem Stammlokal gesessen und „Ziegen“ gespielt, mit dem Spielmannszug Vierlandria geprobt oder fröhliche Familienfeiern erlebt. Und dann macht er etwas, was früher wohl eine Lokalrunde gekostet hätte: Er geht hinter den Tresen. Dort zapft er ein Bier – symbolisch nur, denn das Glas bleibt trocken. Der Gasthof „Zur schiefen Brücke“ ist endgültig Geschichte.