Fundsachen

Im Bus verloren, im Regal entdeckt

Foto: BGZ / Wiebke Schwirten / Schwirten

Bergedorf. Täglich landen etwa 20 Fundsachen im VHH-Info-Shop. In den Bussen bleiben von der Querflöte bis zum Hund die verschiedensten Gegenstände liegen. Verlorenes lässt sich nicht nur über das Fundbüro wieder bekommen.

Ob Rucksack, Kinderkarre oder gar ein Hund: Es ist schon erstaunlich, was alles in Bus und Bahn vergessen wird. So einfach es ist, etwas zu verlieren, so einfach kann auch das Wiederbekommen sein.

Gerade Mütter aus dem Landgebiet können sicherlich ein langes Lied des Nachforschens singen. Viele Kinder aus den Vier- und Marschlanden nutzen beispielsweise die Buslinien 222 und 124, um nach Bergedorf oder Hamburg zu kommen – sei es zur Schule oder zu Freizeitangeboten. Und da bleiben Handschuhe, Sportbeutel oder gar die Querflöte nach langer Busfahrt schon mal auf dem Nebensitz liegen, während das Kind bereits ausgestiegen ist.

Besagte Querflöte lag erstaunlicherweise tagelang im Fundbüro-Regal, bis sich endlich jemand danach erkundigte. Manchmal läuft die Sache aber auch gerade anders herum. Da fahnden Mütter aufgeregt nach Turnbeuteln, die letztlich doch am Garderobenhaken in der Schule auf den jungen Sportler warten.

Durchschnittlich landen zehn Fundsachen aus VHH-Bussen im Info-Shop Bergedorf, etwa die gleiche Anzahl kommt aus Geesthacht und Lauenburg dazu. Die Zentrale der „Fundsachen-Welt“ von VHH und PVG (Verkehrsbetriebe Hamburg Holstein und Pinneberger Verkehrsgesellschaft) ist das Hamburger Fundbüro an der Bahrenfelder Straße, wo im Monat etwa 210 Fundsachen erfasst werden.

Nicht nur dort bestehen gute Chancen, Verlorenes wieder zu bekommen. „Manche bemerken sofort nach dem Aussteigen, dass sie etwas im Bus vergessen haben“, erzählt VHH-Sprecher Rolf Westphalen. Oft klappt es, dass der Kollege über die Leitstelle angefunkt und die Fundsache schon an der Endstation wieder abgeholt werden kann. Manche Busfahrer kennen auch ihre „Pappenheimer“ und bringen dem Kind die verlorene Mütze einfach am nächsten Tag auf derselben Tour wieder mit.

„Meistens ist es besser, erst am Folgetag anzurufen“, rät Westphalen. Dann liegen die Sachen bereits mit einer Fundnummer versehen in den Regalen des Info-Shops und sind vielleicht auch schon in der Internet-Datenbank des Fundbüros Hamburg zu finden. Bei der VHH/PVG bleiben Fundsachen eine Woche lang, gehen dann an die Hamburger Zentrale.

Häufig finden Mitarbeiter Liegengelassenes beim Reinigen der Busse in der Pflegehalle. „Da war schon alles dabei, Bücher, Jacken, Brillen, prall gefüllte Rucksäcke und auch immer wieder Abo-Karten“, sagt Mitarbeiter Timo Büschler. Ist auf den Sachen eine Adresse oder Telefonnummer zu finden, bemühen sich die Mitarbeiter auch selbst um Kontakt zum Besitzer. „Bei etwa 20 Prozent aller Fälle gibt es ein Happy End“, sagt Rolf Westphalen, kann das Verlorene an den Eigentümer zurück gegeben werden.

Bei Bernd Jagalski, Mitarbeiter vom VHH-Info-Shop auf dem ZOB Bergedorf, wurden auch schon im Bus entdeckte Vierbeiner abgegeben. Doch vermutlich war nicht menschliche Schusseligkeit der Auslöser: „Das sind meistens Schwarzfahrer“, sagt Jagalski und lacht. Manch’ Hund fährt eben gern Bus, steigt irgendwo unbemerkt zu und weiß an der Endstation doch nicht viel mit seiner Freiheit anzufangen. Sie landen natürlich nicht im Regal, sondern werden zur Polizei und ins Tierheim gebracht.