Grossfeuer

Kurzschluss löst Inferno aus - 220 Helfer im Einsatz

Moorfleet. Ein Kurzschluss hat vermutlich das Feuer in der Bootshalle der "GTS Bootslagerung" am Moorfleeter Deich ausgelöst. Die 1500 Quadratmeter große Halle ist eingestürzt. Etwa 50 Sportboote und mehreren Oldtimer-Autos sind komplett zerstört. Insgesamt 220 Feuerwehrleute waren 24 Stunden lang im Einsatz.

Als am Dienstagmorgen über der Dove Elbe orangerot die Sonne aufgeht, blicken die Feuerwehrleute auf eine befremdliche Szenerie: Auch zwölf Stunden nach Ausbruch des Großfeuers im Bootslager steht noch ein dichter Rauchpilz über der Halle am Moorfleeter Deich. Die Gerippe der ausgebrannten Yachten schwimmen in einem Meer aus Löschschaum. Immer wieder züngeln in dieser „weißen See“ Flammen empor. Wenige Meter weiter bilden sich bizarre Eisskulpturen aus gefrorenem Löschwasser.

Der Kampf der Elemente – diese unglaubliche zerstörerische Hitze der bis zu 20 Meter hohen Flammen und die extreme Winterkälte, die Ventile einfrieren lässt und Löschwasser in eisige Rutschbahnen verwandelt – hat die insgesamt 220 Feuerwehrleute an die Grenzen ihrer Kräfte gebracht.

Der Alarm geht am Montagabend um 20.30 Uhr ein: Feuer in der Halle der „GTS Bootslagerung“. Als der erste Löschzug eintrifft, ist das Inferno schon nicht mehr aufzuhalten. Aus der 1500 Quadratmeter großen Lagerhalle sind mehrere Detonationen zu hören. Tanks der etwa 50 dort lagernden Boote explodieren. Meterhoch züngeln die grellen Flammen aus dem Wellblechdach in den schwarzen Nachthimmel. Als das Feuer auf eine am Bootssteg liegende Yacht übergreift, platzt der Tank. Das brennende Benzin fließt als Feuerwalze auf die Löschtrupps zu. Die Männer lassen Spritzen und Schläuche liegen und nehmen ihre Beine in die Hand.

„Wir haben dann schnell auf die sechste Alarmstufe erhöht“, erklärt Feuerwehrsprecher Hendrik Frese: „Doch die Halle mit Booten und Oldtimer-Autos war nicht mehr zu retten.“ Neun Züge der Berufswehren, freiwillige Helfer aus Allermöhe, Reitbrook, Moorfleet, Fünfhausen, Warwisch, Neudorf, Kirchwerder, Curslack und die FF-Bille, sowie ein Löschboot, Spezialisten der Technik- und Umweltwache und Helfer des THW waren im Einsatz. Es gelingt ihnen, ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude zu verhindern. Die Nachlöscharbeiten dauern noch bis zum Dienstagabend.

Der Eigentümer eines der Boote war in der Halle, als das Feuers ausbrach. Bei dem vergeblichen Versuch, den Entstehungsbrand zu löschen, sengte er sich die Haare an. Mit einer Rauchvergiftung kam der 49-Jährige ins Krankenhaus. Ansonsten entstand nur Sachschaden, der aber wohl in deutlicher Millionenhöhe. „Vermutlich hat ein elektrischer Defekt das Feuer ausgelöst“, bestätigt Polizeisprecher Holger Vehren: „Wir haben keinerlei Hinweise auf Brandstiftung.“ Doch die Arbeit der Brandermittler vom Landeskriminalamt wird noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. „Die Verwüstung ist enorm“, so Vehren: „Dort hat ein Feuersturm gewütet“.

Geschockte Blicke auf die Brandruine - Hohe Verluste für Bootseigner am Moorfleeter Deich – Noch ist Wiederaufbau der Halle unklar

Die Luft riecht nach feuchtem Qualm und verbranntem Kunststoff. Rußig-vereiste Schiffsgerippe dampfen am Moorfleeter Deich in der Sonne. Die Feuerwehr löscht letzte Brandnester in einem Trümmerfeld, dort, wo 16 Jahre lang die GTS-Bootshalle gestanden hat. Am Deich stehen gestern Morgen Anwohner und Bootseigner, fassungslos, geschockt, neugierig. „Von meinem Tuckerschiff ist nichts übrig geblieben“, sagt Rainer Lenzen (69) und schaut ins Leere, „das ist das Ende meiner Schipper-Karriere“.

Der Norderstedter ist nicht der einzige, der mit seinem Boot sein Hobby verloren hat. Etwa 50 Schiffe standen in der 1500 Quadratmeter großen Halle, sagt Günther Michael, neben Thomas Tegtmeyer und Sven Michael Miteigentümer der GTS-Bootslagerung. Er weiß noch nicht, ob am gleichen Ort wieder eine Halle aufgebaut wird. Der Schaden an Halle, Inventar, Trailern, Zugmaschine und Kran gehe in die Millionen.

Zumeist hochwertige Yachten hatten in der Halle ihr Winterlager. So auch die Bavaria 38 von Tim Schulz aus Buchholz. Seine „Harmonia“ hatte noch nicht einmal 40 Betriebsstunden auf dem Buckel. Wie schlimm es um sein Schiff steht, kann er gestern Morgen nicht abschätzen. Noch hat die Polizei das Gelände nicht zum Betreten frei gegeben, kleben orangefarbene Zettel mit der Aufschrift „Tatort“ am Eingangstor.

Als Brandursache kursiert „Kurzschluss“. Kaum ein Trost für Rudolf Hobl (68) und seine Frau, die aus Norderstedt nach Moorfleet geeilt sind. Ihre Adler 31, ein klassisch-schönes Motorboot alter Machart, sieht aus wie ein Eisgemälde, ist überzogen von gefrorenem Löschwasser. „Es ist alles verloren“, sagt seine Frau geschockt. Von Ferne wirkt das 70.000-Euro-Schiff noch intakt, „aber wer weiß wie es von unten aussieht“, sagt Rudolf Hobl mit Blick auf seine „Mike“.

„Es hat hell leuchtend gebrannt, immer wieder sind Rauchpilze in die Höhe geschossen“, erzählt Gerald Milinovic. Er wohnt nur etwa 150 Meter entfernt, hatte das Geschehen in der Brandnacht vom Wintergarten aus im Blick. Rund 30 Mal habe es geknallt wie von Feuerwerkskörpern, unterbrochen von gewaltigeren Explosionen. Auch Kim Jennifer Gronau, die direkt neben der Bootslagerung wohnt, hat es ordentlich knallen gehört: „Ich hatte Angst um das Boot meines Vaters. Aber es ist unversehrt.“ Soviel Glück hatte Phillip Moffat nicht. Sein Motorboot Cobalt 220 mit dem Namen „Modul 1“ ist ein Opfer der Flammen geworden. „Es tut mir so Leid“, sagt er, „jede Sache und jedes Boot hat doch auch irgendwie eine Seele.“

Vermutlich dank des ungewöhnlichen Ostwinds davon gekommen ist Hartmut Sprengel mit seinem 14-Meter-Stahlschiff „Hacon“, das noch im Wasser liegt. „Vom Steg aus hat die Feuerwehr gelöscht“, erzählt der 69-Jährige, der sein Schiff auch im Winter fährt, wenn die Dove-Elbe eisfrei ist. Nach der Brandnacht sind Strom- und Wasserversorgung tot, kann er sein Boot nicht heizen. Doch er will die Nacht an Bord bleiben: „Ich habe Angst vor Plünderern.“