Nachruf

Die "gute Seele" des Rieck-Hauses

Foto: Schwirten

Curslack. Trauer herrschte am Wochenende nicht nur im Rieck-Haus am Curslacker Deich. Die Nachricht verbreitete sich schnell über die Grenzen des Dorfes hinaus: Christel Eggers ist tot. Sie starb Sonnabendmittag im Alter von 65 Jahren.

25 Jahre lang war Christel Eggers die „gute Seele“ des Rieck-Hauses, seit vielen Jahren unterstützt von ihrem Sohn Wolfgang und dessen Frau Christa. Ein Erdbeerfest ohne Christel? Undenkbar. In ihrer eigenen, unwiderstehlichen Art führte sie interessierte Besucher durch das 1535 erbaute Hufnerhaus des Freilichtmuseums, kümmerte sich um alles. Wohl fühlte sich, wer mit ihr einen Klönschnack halten durfte und bei einem Pott Kaffee die Zeit vergaß.

Einige Tausend Mal wird Christel Eggers bei den Führungen durch das Haus erklärt haben, was es heißt, ins Fettnäpfchen zu treten, etwas auf die hohe Kante zu legen oder jemanden etwas abzuknöpfen. Und doch fühlte sich jeder Zuhörer wie ganz allein in ein Geheimnis eingeweiht. Christel Eggers ließ so Geschichte und Geschichten lebendig werden.

„Sie war ein Symbol für die Vierlande“, sagt Prof. Dr. Torkild Hinrichsen. Der Direktor des Altonaer Museums und damit auch der Außenstelle Rieck-Haus und Christel Eggers kannten sich seit Jahrzehnten. „Klein, zäh, unverwüstlich“ sei sie gewesen, ausgestattet mit einer Riesenportion Durchhaltevermögen und Verantwortungsbewusstsein. Das Wort „Dienstzeiten“ sei für sie ein Fremdwort gewesen. Es wurde gearbeitet, bis eine Sache fertig war, wobei die Grenze zur Selbstausbeutung nicht selten überschritten war. „Sie hat das Rieck-Haus geprägt. Es lebte mit ihrer Gegenwärtigkeit. Sie war eine große Persönlichkeit. Ich werde sie sehr vermissen.“ Ihr zu Ehren soll Anfang 2012 eine Trauerfeier im Rieck-Haus organisiert werden.

Auch Bäuerin und Nachbarin Hanna Wörmbke erinnert sich gern an Christel Eggers, die auch „schon mal energisch werden konnte, dabei aber jeden in seiner Art respektierte“. Tatsächlich machte Christel Eggers aus ihrem Herzen nie eine Mördergrube, sagte rundheraus, wenn ihr etwas widerstrebte. Und dabei war es egal, ob „Otto Normalverbraucher“ oder Prominenz ihr gegenüberstanden. Bange Diskussionen um die Zukunft des Rieck-Hauses quittierte sie mit Optimismus. Selbstverständlich gehörte sie im Februar zu den Gründungsmitgliedern des „Freundeskreis Rieck-Haus“. Den Vorsitz hat Heinz-Werner Hars. Auch er ist tief betroffen und hatte wie jeder aus ihrem Umfeld gehofft, dass sie dem Blutkrebs Paroli bieten könnte und mit Freude gesehen, dass es ihr nach einem längeren Krankenhausaufenthalt im Sommer wieder gut zu gehen schien. „Sie war immer zur Stelle, hilfsbereit und gutmütig“, erinnert sich Hars.

Ein großes Herz hatte Christel Eggers auch für die Familie, war stolz auf die Enkelkinder. „Wir brauchen uns alle“, hat Christel Eggers das Vier-Generationen-Haus am Curslacker Deich beschrieben, in dem sie vor einigen Jahren noch mit ihrem Mann, Vater Erich und Sohn Wolfgang samt Familie lebte. „Wir“, nicht „Ich“, Gemeinschaft statt Egoismus. Das war Christel Eggers. Sie wird uns fehlen.