Wutzrock

Orkanwarnung: Polizei evakuiert das Gelände

Allermöhe. Am Freitagabend ist das "Wutzrock"-Festival am Eichbaumsee eröffnet worden. Doch die 33. Ausgabe von Norddeutschlands Kultfestival wurde nach nur einer Stunde unterbrochen. Wegen einer Unwetterwarnung und aufziehendem Gewitter ließ die Polizei das Festivalgelände räumen.

Sonnenschein, 31 Grad. So hatten sich die Wutzrock-Organisatoren die 33. Ausgabe des Rockfestivals am Eichbaumsee gewünscht. Doch just als die Band „Rock die Straße“ um 18 Uhr zum ersten Gig des Wochenendes die Bühne betrat, ziehen gestern Gewitterwolken auf. Unwetterwarnung!

Die Polizei rückt an. Rettungskräfte werden zusammengezogen. Die Organisatoren rufen eilig zur Krisensitzung. Gewitter mit Starkregen und Böen bis zu 12 Windstärken hatte der Deutsche Wetterdienst in seiner Warnmeldung angekündigt. „Wir bereiten uns auf die Evakuierung des Festivalgeländes vor“, erklärt Organisatorin Marianne Weis (49). „Wenn solche Hammerböen über den Eichbaumsee fegen, kann das hier lebensgefährlich werden.“

Angesichts der dramatischen Ereignisse vor zwei Wochen in Belgien will sie keinerlei Risiko eingehen. Dort waren bei einem Unwetter während eines Rockfestivals fünf Besucher von Zelt- und Bühnenteilen erschlagen worden. Es gab zahlreiche Verletzte.

Während das Quartett auf der Bühne ein gekürztes Programm spielt, warnen Ordner mit Megaphonen die etwa 2500 Festivalgäste in den Zeltlagern. Mit der Polizei werden Sammelplätze für eine mögliche Evakuierung festgelegt.

Vor der Hauptbühne wippen 200 Zuschauer zu alten Woodstock-Klassikern. Andere sitzen vor den Zelten warten auf den Mainact am Abend. Sie finden den Alarm eher übertrieben. Isabell Bartnicki (15) und ihre Freundin Jessica Brockmöller (16) aus Bramfeld rufen zur Beruhigung ihre Eltern an, wollen aber bleiben: „Das ist so cool hier. Wir werden Wind und Regen schon überstehen.“

Doch wenig später wird das Programm unterbrochen, die Bühnenwände abgehängt. „Vielleicht zieht die Gewitterfront ja vorbei“, hofft Marianne Weis inständig. Um 20.20 Uhr wird es ernst, die ersten Windböen kommen auf. Zehn Minuten später muss das Festivalgelände evakuiert werden.

Mit Lautsprecherdurchsagen fordert die Polizei die Besucher auf, auch ihre Zelte zu verlassen und Zuflucht in den Autos zu suchen. Ein großer Teil der Gäste wandert ab in Richtung Bahnhof Mittlerer Landweg. Die Bühnentechniker schalten die Elektrik ab und wickeln die empfindlichen Mischpulte und Verstärker in Folien ein.

Dann geht es los: Der Regen prasselt. Über dem Eichbaumsee zucken die Blitze. Die Wege verwandeln sich binnen weniger Minuten in Schlammbahnen. Die Festivalbesucher nehmen es mit Humor. Mit freiem Oberkörper tanzen sie im strömenden Regen. Erst als das Gewitter genau über dem Platz steht, drängen sich alle in die Wohnwagen und PKW auf dem Zeltplatz. Auch Fremde werden eingeladen, im faradayschen Käfig der Autos vor den Blitzen Zuflucht zu suchen. Aus den Zelten schallt Musik, aus anderen dringen die Laute mitmenschlicher Zweisamkeit.

Nach gut einer Stunde ist das Gewitter vorüber gezogen. "Der angekündigte Sturm ist ausgeblieben", freut sich Organisatorin Weis: "Jetzt werden die Bühnen trocken gelegt. Dann geht die Mucke weiter."

Gegen 23 Uhr schallen wieder Bässe vom Festivalgelände vom Eichbaumsee. Die Hamburger Punkrock-Urgesteine "Slime" sollen als Top-Act auftreten. Die Festivalwiese füllt sich wieder - aber es sind weit weniger Besucher als vor dem Wolkenbruch.

Sollte sich das Wetter bessern, so hoffen die Organisatoren auf etwa 15.000 Besucher bis Sonntag. Mehr als 30 Bands sollen auftreten. Zudem gibt es Theater und Kleinkunst. Programm: www.wutzrock.de