Auswertung

Immer mehr Menschen arbeiten in Deutschland freiberuflich

Ingenieure zählen zu den technisch-naturwissenschaftlichen Freien Berufen. Diese Berufsgruppe erfuhr im vergangenen Jahr den größten Zuwachs.

Ingenieure zählen zu den technisch-naturwissenschaftlichen Freien Berufen. Diese Berufsgruppe erfuhr im vergangenen Jahr den größten Zuwachs.

Foto: Daniel Ingold via www.imago-images.de / Westend61

Ob Künstler, Ärzte oder Ingenieure: Die Zahl der Freiberufler ist im vergangenen Jahr stark gestiegen. Beendet die Pandemie den Trend?

Berlin. Die Zahl der selbstständigen Freiberufler in Deutschland ist im vergangenen Jahr gestiegen. Das geht aus der Freiberufler-Statistik des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB) hervor, die unserer Redaktion exklusiv vorliegt.

Demnach wuchs zum Jahresbeginn 2020 die Zahl der selbstständigen Freiberufler auf 1,45 Millionen an, ein Plus von 1,3 Prozent im Vorjahresvergleich. Unter allen Selbstständigen machen Freiberufler somit nun 34,4 Prozent aus. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten und der Auszubildenden stieg. Insgesamt waren zum Jahresbeginn 2020 5,75 Millionen Personen in den Freien Berufen tätig, ein Plus von 5,3 Prozent gegenüber 2019.

Freiberufler: Folgen der Corona-Krise noch unklar

Unklar ist, wie sich die Corona-Krise auf diese Entwicklung auswirken wird. „Erst im kommenden Jahr werden wir entlang einer belastbaren Statistik vermessen können, welche Auswirkung die Corona-Krise insbesondere auf die Gründungsdynamik in den Freien Berufen hat“, sagte BFB-Präsident Wolfgang Ewer unserer Redaktion. Viele Selbstständige haben im Zuge der Pandemie Soforthilfe beziehen können.

Das lockte allerdings auch schwarze Schafe an, sodass aktuell noch nachgeprüft wird, wer überhaupt anspruchsberechtigt war. Ob die Soforthilfen den Freiberuflern und Kleinstunternehmern reichen, um in der Krise zu überleben, wird sich noch zeigen. Die Politik hat weitere Milliardenhilfen für den Mittelstand bereits angekündigt.

Verbandspräsident will Unternehmertum stärker in der Schule verankern

Doch laut BFB-Präsident Wolfgang Ewer geht es nicht nur um Ewer. „Wir müssen alle Kräfte aufbringen, um den Gründergeist zu stärken“, sagte Ewer. Dies sei auch daher wichtig, da die Freien Berufe überdurchschnittliche Impulse bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung setzen würden. So stieg im vergangenen Jahr die Zahl der in einem Freiberufler-Team sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten um 7,4 Prozent auf 3,86 Millionen Arbeitnehmer an. Mit 127.000 gab es zudem 1,6 Prozent mehr Auszubildende.

Um den Gründergeist zu stärken, müssten die Politik und Berufsorganisationen den Fokus sowohl auf Neugründungen als auch auf Unternehmensnachfolgen legen, sagte Ewer. Zudem müsse die Selbstständigkeit mehr Wertschätzung erfahren. Ewer schlug vor, in der Schule Unternehmertum fest zu etablieren.

Technisch-naturwissenschaftliche Berufe stark gefragt

Die größte Beliebtheit erfuhren der Statistik zufolge im vergangenen Jahr die technisch-naturwissenschaftlichen Berufe. Hierzu zählen etwa Architekten oder Ingenieure. Ihre Zahl wuchs zu Jahresbeginn auf 287.000 an, ein Plus von 2,5 Prozent.

Aber auch die freien Heilberufe, also etwa Ärzte, Zahnärzte oder Physiotherapeuten verzeichneten einen deutlichen Zuwachs von 1,2 Prozent auf 426.000 Beschäftigte. Mit 335.000 waren 0,9 Prozent Kulturschaffende mehr als noch im Vorjahr tätig, bei den rechts-, steuer- und wirtschaftsberatende Berufe gab es einen Zuwachs von 0,8 Prozent auf 402.000 Beschäftigte.

Mehr zu Freiberuflern:

Die Zahl der steigenden Freiberufler zeigt sich auch bei Künstlern. Laut Künstlersozialkasse ist die Versicherten-Zahl deutlich gestiegen.

Bereits im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Selbstständigen auf ein Rekordhoch – und sie waren meist sehr zufrieden. Doch in der Krise mussten immer mehr Freiberufler Hilfskredite beziehen. Industriepräsident Dieter Kempf warnt bereits, dass die Wirtschaft einen dauerhaften Schaden nehmen könnte.