Werbeboykott

Nach Werbeboykott: Facebook sperrt Hunderte rechte Accounts

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Falschnachrichten kursieren immer wieder. Oft stecken sogar böse Absichten dahinter. Wir zeigen im Video zehn Tipps, wie Sie Fake News auf WhatsApp oder in sozialen Medien wie Facebook aus dem Weg gehen.

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Aus Protest gegen Hatespeech haben große Firmen ihre Werbung bei Facebook gestoppt. Mark Zuckerberg hat nun auf die Kritik reagiert.

London/New York. Auf diese Reaktion haben viele lange gewartet: Facebook hat ein Netzwerk rechtsextremer Gruppen von seinen Seiten verbannt. Die Gruppierungen hätten die Anwendung von Gewalt propagiert, erklärte der US-Internetkonzern am Dienstag.

Nach Angaben des Unternehmens wurden 220 Facebook-Accounts und 95 Konten bei Instagram, zudem 400 weitere Gruppen und 100 Seiten gelöscht. Die regierungsfeindliche Gruppe werde ab sofort als „gefährliche Organisation“ eingestuft und von allen Plattformen verbannt. Auch Posts, die Unterstützung für die Organisation äußerten, würden künftig gelöscht, hieß es.

Das verbannte extremistische Netzwerk steht nach Angaben des Konzerns in loser Verbindung zur sogenannten Boogaloo-Bewegung. Schwer bewaffnete Anhänger dieser Bewegung waren in den vergangenen Wochen bei den Anti-Rassismus-Protesten in den USA in Erscheinung getreten. Mit „Boogaloo“ bezeichnen Rechtsextremisten einen von ihnen angestrebten Bürgerkrieg in den Vereinigten Staaten.

Werbeboykott: Druck auf Facebook hatte zuletzt zugenommen

Zuletzt hatte der Druck auf Facebook deutlich zugenommen. Denn während sich Twitter zuletzt klar gegen Fake News und Hasskommentare positioniert und sogar Mitteilungen seines prominentesten Nutzers – US-Präsident Donald Trump – mit Warnhinweisen versehen hatte, tat sich Facebook lange schwer mit einer klaren Linie gegen Hatespeech und Falschmeldungen. Daraus zogen immer mehr Unternehmen Konsequenzen: mit einem Werbeboykott.

Coca-Cola setzte für mindestens 30 Tage jegliche Werbung in allen Online-Netzwerken aus. „Es gibt keinen Platz für Rassismus in der Welt und es gibt keinen Platz für Rassismus in den sozialen Netzwerken“, teilte Konzernchef James Quincey mit. Online-Netzwerke sollten mehr „Transparenz und Verantwortung“ an den Tag legen, forderte er. Seine Entscheidung habe aber nichts mit der Kampagne der Anti-Defamation League zu tun, der sich einige andere Unternehmen ausdrücklich angeschlossen hatten.

In der Zwischenzeit werde Coca-Cola seine Werbestrategie überprüfen und „schauen, ob Korrekturen nötig sind“, erklärte er. Coca-Cola ist eine der bekanntesten Marken der Welt und gibt enorme Summen für Werbung aus.

Facebook: Immer mehr Unternehmen schließen sich Werbeboykott an

Auch die US-Kaffeekette Starbucks kündigte einen Werbe-Stopp in sozialen Netzwerken an. „Unser Anliegen ist es, Gemeinschaften zusammenzubringen – persönlich und im Internet. Wir stehen gegen Hassrede“, erklärte das US-Unternehmen. Man wolle intern sowie mit den Medienpartnern und zivilgesellschaftlichen Organisationen über geeignete Methoden im Kampf gegen Hass und Hetze im Internet beraten und so lange die Werbung „auf allen Social-Media-Plattformen“ aussetzen, erklärte Starbucks.

Unternehmen und politische Entscheidungsträger müssten enger zusammenarbeiten, um „gastfreundlichere und integrierende Online-Gemeinschaften“ zu schaffen.

Bereits am vergangenen Freitag hatten der Konsumgüterkonzern Unilever und der Autobauer Honda bekanntgegeben, sich dem Protest gegen Facebook anzuschließen und zumindest vorerst keine Werbung mehr bei Facebook zu schalten.

Unilever will das ganze restliche Jahr auf bezahlte Werbung verzichten – nicht nur bei Facebook, sondern auch bei Twitter. Der Konzern begründete die Entscheidung mit der Verantwortung der Unternehmen im Umgang mit kontroversen Beiträgen im Netz – speziell angesichts der angespannten politischen Atmosphäre in den USA. Facebook und Twitter müssten mehr tun, besonders bei Hasskommentaren und spalterischen Beiträgen während des US-Wahlkampfes.

Sein US-Werbebudget will der niederländisch-britische Konzern indes nicht kürzen, sondern nur auf andere Unternehmen umverteilen.

Honda teilte mit, im Juli keine Anzeigen mehr bei Facebook und Instagram zu platzieren, um ein Zeichen gegen „Hass und Rassismus“ zu setzen.

US-Bürgerrechtsorganisationen hatten Firmen Mitte Juni zu dem Werbeboykott gegen Facebook aufgerufen. So soll der Konzern an einer empfindlichen Stelle getroffen werden – Facebook macht fast seinen ganzen Umsatz mit Werbeerlösen. Lesen Sie hier: „Slacktivismus“: Warum Facebook-Daumen nicht die Welt retten

Facebook-Chef Zuckerberg kündigt schärfere Maßnahmen gegen Hass-Posts an

Seither schlossen sich immer weitere Unternehmen der Protestaktion an. Nach der Bekanntgabe des Werbestopps von Unilever und Honda hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Freitag in einem Livestream angekündigt, künftig stärker gegen Hassnachrichten vorzugehen.

„Ich stehe gegen Hass und alles, was zu Gewalt anstachelt“, hatte Zuckerberg in einem Livestream am Freitag am Firmensitz in Palo Alto gesagt, in dem er die geplanten Maßnahmen seines Unternehmens ankündigte. Inkorrekte Inhalte, die Menschen in den drei Tagen direkt vor der Präsidentschaftswahl im November vom Wählen abhalten sollen, werden seinen Worten zufolge entfernt.

Außerdem sollen auch in der Werbung abwertende und hasserfüllte Botschaften bezüglich ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Vorlieben blockiert werden.

Zuckerberg hatte zudem angekündigt, einige Facebook-Inhalte, die eigentlich gegen die Richtlinien des sozialen Netzwerks verstoßen, aber zum Beispiel aufgrund eines prominenten Absenders nachrichtenrelevant sind, künftig mit Hinweisen zu flankieren.

Facebook hatte zudem in einer Stellungnahme betont, jährlich Milliarden Dollar in die Sicherheit seiner Community zu investieren. Der Konzern arbeite kontinuierlich mit externen Experten zusammen, um seine Richtlinien zu überprüfen und zu aktualisieren.

Die US-Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA hatte die Kritik an Facebook, zu nachlässig mit kontroversen Beiträgen umzugehen, wieder stark aufflammen lassen. Dazu trug auch Konzernchef Mark Zuckerberg wesentlich bei, der sich zuerst geweigert hatte, gegen umstrittene Aussagen von US-Präsident Donald Trump einzuschreiten. Dafür hatte es sogar Kritik von eigenen Mitarbeitern gegeben. Lesen Sie hier: Facebook löscht Wahlwerbung von Trump wegen Nazi-Symbol

#StopHateForProfit: The North Face und Patagonia schließen sich Initiative an

Zuvor hatten sich bereits etliche andere Unternehmen, darunter der US-Mobilfunk-Gigant Verizon und die bekannten Outdoor-Marken The North Face und Patagonia der Initiative #StopHateForProfit angeschlossen. An der Börse gerieten Facebook und Twitter stark unter Druck. (jkali/ba/jha/dpa/afp)